25.09.2018 - 13:55 Uhr
MoosbachOberpfalz

Besuch nach 270 Jahren

Die Moosbacher Wallfahrtskirche wird 1752 eingeweiht. Eine Figur des gegeißelten Heilands vollbringt der Erzählung nach dort Wunder. Erstmals kommen Pilger aus dem Herkunftsort der Figur zu Besuch.

Wallfahrtspfarrer Monsignore Gottfried Fellner von der Wieskirche bei Steingaden hält mit Pfarrer Josef Most und Diakon Herbert Sturm den Pilgergottesdienst in der Wieskirche.
von Peter GarreissProfil

Als im Jahre 1746 die ledige Bürgerstocher aus Moosbach, Elisabeth Hiltner, eine Wallfahrt zur weltbekannten Wieskirche bei Steingaden in Oberbayern macht, kann sie die Folgen nicht ahnen: Sie erwirbt dort eine Figur des gegeißelten Heilands und stellt diese nach ihrer Heimkehr in einer kleinen Feldkapelle nahe Grub auf. Dort ereignen sich bald wundersame Dinge an Menschen und Tieren. Eine große Wallfahrt entsteht.

Die „Vereinigung Bruderschaft zum gegeißelten Heiland aus Steingaden“ machte sich am vergangenen Wochenende mit 35 Wallfahrern auf den Weg nach Moosbach in der Oberpfalz, um in der dortigen Wallfahrtskirche zum gegeißelten Heiland zu beten. Zum ersten Mal in der über 270 Jahre alten Geschichte der Wieskirche hat eine solche Pilgerfahrt mit Gästen aus Steingaden stattgefunden. Als die Pilger in die vollbesetzte „Moosbacher Wies“ einzogen, erklangen Blasmusik und Orgel. Für Moosbachs Pfarrer Josef Most ist der Besuch der Mutterkirche Steingaden in Moosbach etwas besonderes. „Dem Kind geht es gut“, rief er den Gästen zu. Besonders freute sich Most über die mitreise von Wallfahrtspfarrer Monsignore Gottfried Fellner von der Wieskirche bei Steingaden. Dieser hatte zum Heimatfest 2017 eine viel beachtete Predigt gehalten, an die sich die Gläubigen von Moosbach noch gerne erinnern.

Most stellte den Gästen aus Steingaden die Geschichte der im Jahre 1746 durch die Moosbacher Bürgerstocher Elisabeth Hiltner ausgelösten Wallfahrt vor. Aus einer hölzernen Feldkapelle wurde eine große Wallfahrt. 1752 wurde die heutige Wallfahrtskirche eingeweiht. Sie war ausschließlich mit Spendengeldern errichtet worden.

Monsignore Fellner bedankte sich für den gastfreundlichen Empfang. In seiner Predigt sprach er die derzeitige kritische Situation der Kirche an. Hunderttausende haben sie bereits verlassen. Spannungen in Kirche und Gemeinde prägen das Klima hinauf bis zum Papst. Obwohl sie sich Schwestern und Brüder nennen, sprechen sie sich gegenseitig den Glauben ab. Letztlich gehe es um Macht. Fellner bezeichnete dies als einen Skandal. Jeder Mensch sei ein Abbild Gottes. Deshalb müsse der Mensch Respekt- und Ehrfurchtsvoll bleiben. Auch die Würde des Menschen sei heilig. „Wir sollten deshalb friedlich, freundlich und sachlich miteinander umgehen", riet Fellner. Das Attribut „Gehorsam“ höre der Mensch heute nicht mehr so gerne, denn das habe ihnen die Kirche und Schule auferlegt. Die Zeit des Gehorsams auf Befehl sei längst vorbei. "Immer sollten wir uns fragen, was hätte Jesus in meiner Situation gesagt oder gemacht." Der Mensch müsse auch in der Krise voller Erbarmen sein. „Den Mut dazu können Sie sich hier beim gegeißelten Heiland in der Wieskirche holen“, rief Fellner den Gläubigen zu. "Schauen sie ihm ins Gesicht! Wer das wagt wird begreifen, dass es Gott ist. Wer das tut, wird immer wieder zum Wieskirchen-Heiland gehen."

Besonders begeistert waren die Wallfahrer aus Oberbayern von der musikalischen Umrahmung des Gottesdienstes durch die Schubertmesse. Die fünf Bläser unter Leitung von Franz Sturm und Hans Karl an der Orgel erhielten dafür am Ende sehr viel Beifall. Mit dem Wallfahrerlied „Schönster Heiland auf der Wies“ und der Bayernhymne klang das Pilgeramt aus.

Am Nachmittag besuchten die Gäste aus Steingaden das Schloss Burgtreswitz. Der Vorsitzende des Förderverein Schloss Burgtreswitz, Peter Garreiss, führte durch die Räume. Danach ging es für die Pilger wieder zurück nach Oberbayern.

Die „Vereinigung Bruderschaft zum gegeißelten Heiland aus Steingaden“ besuchen erstmals die Wallfahrtskirche zum gegeißelten Heiland in Moosbach.
Andächtig beten und singen die Gläubigen beim Pilgergottesdienst in der Wieskirche.
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