18.06.2018 - 15:45 Uhr
MoosbachOberpfalz

Gegenwind für Windkraft-Projekt auf dem Bromberg bei Moosbach

Stehen auf dem Bromberg bald Windräder? Die Bürgerinitiative "Gegenwind Moosbach-Bromberg" will das verhindern. Die Windkraftgegner sammeln sich im Gasthaus Forster.

Sieht künftig so der Blick über Moosbach hinweg in Richtung Bromberg aus?
von Peter GarreissProfil

(gi) Das Gasthaus drohte am Freitagabend aus allen Nähten zu platzen: Mehr als 100 Gäste aus der Gemeinde und weit darüber hinaus wollten Informationen über die Vor- und Nachteile der Windkraft. Sie wollten über die geplanten vier fast 250 Meter hohen Windräder auf dem Bromberg zwischen Ragenwies und Gaisheim besser urteilen können.

Die Vorsitzenden der Bürgerinitiative Moosbach-Bromberg, Franz Eger und Karl Frischholz, freuten sich über ein volles Haus. Selbst Bürgermeister Hermann Ach und zahlreiche Kreis- und Markträte waren anwesend. Außerdem Vertreter der Bürgerinitiativen Gleiritsch, Rottendorf und Luhe. Unerkannt blieb der anwesende Vertreter der Windkraft-Betreiberfirma. Das war vermutlich auch besser so, denn die Stimmung war deutlich gegen die vier geplanten Windräder auf dem Bromberg.

Viele Gefahren

Vor dem Auftritt der drei Fachleute, die ehrenamtlich herumreisen, um über die Folgen der Windkraft zu referieren, machte Karl Frischholz klar, welche Ziele seine Bürgerinitiative verfolgt: Man wolle keine Windkraft im Landschaftsschutz- und Waldgebiet Bromberg. Die Initiative fordere auch die Einhaltung der 10-H-Abstandsregelung. Danach dürften die Windräder nur mehr als 2,5 Kilometer von Gaisheim oder Ragenwies entfernt aufgestellt werden.

Frischholz appellierte an die anwesenden Kommunalvertreter, die Lebensqualität der Menschen vor Ort nicht zu zerstören und keine zusätzlichen Belastungen durch Lärm, Infraschall oder Flugschatten zuzulassen. Dadurch entstünden keine Arbeitsplätze.

Moosbach produziere jetzt schon mehr regenerative Energie als hier gebraucht werde und habe seine Hausaufgaben gemacht. Es könne nicht sein, dass das flache Land billigen Strom für die Städte erzeuge. Auch für den Tourismus seien Windräder abträglich. Junge Leute wandern ab - das flache Land sterbe aus.

Schließlich führe alles zu einer Spaltung der Bevölkerung in der Gemeinde. Die Grundstückseigentümer verdienen Geld, die anderen müssten mit den Schäden zurechtkommen. Windräder benötigen Brandschutz und von ihnen gehen Gefahren aus. Frischholz sprach von abbrechenden Rotoren und Blitzeinschlägen. Es gebe niemanden, der hafte. Für jedes Windrad müssten Schattenkraftwerke bereitgestellt werden um die Stromversorgung zu sichern.

"Der Oberpfälzer Wald darf nicht für einen solchen Unsinn geopfert werden", warnte der Vorsitzende der Bürgerinitiative Gleiritsch, Siegfried Burger. Die Windpark-Planer würden immer nach folgendem Schema vorgehen: Vorverträge mit Grundstückseigentümern, die Bürgermeister werden mit der Aussicht auf Gewerbesteuer ins Boot geholt, der Gemeinderat stimme ohne ausreichende Informationen ab, die Planer treiben den Flächennutzungsplan voran und dann wird die Bevölkerung vor vollendete Tatsachen gestellt.

Gewinne nicht erreicht

Als "Totschlag-Argument" werde von den Planern immer der Satz "Wir brauchen doch die Windenergie statt Atomstrom" in die Diskussion geworfen. Das beste und einzige Windrad in Bayern habe 2460 Volllaststunden. Selbst hier gebe es nur Ausschüttungen von 50 Prozent der versprochenen Gewinne.

Im zwölften Jahr sei die Einlage durch Rückzahlungen verbraucht, denn das Startkapital werde ohne Haftung abgeschöpft. Als weitere Risiken nannte Burger pro Windrad den Austausch von 33 Prozent des Getriebes nach 10 Jahren (1,3 Millionen Euro), die Abschreibung der Anlage nach 16 Jahren und den Austausch von 90 Prozent des Getriebes und Rotors mit circa 1,6 Millionen Euro Kosten. Die Gewerbesteuer hielt der Referent für lächerlich: "1. bis 8. Jahr Null, 9. Jahr 1000 Euro, 10. Jahr 2000 Euro, 11. bis 15. Jahr 26 000 Euro. Und dann gehen die Erneuerung an." Bei Gewinnausschüttungen würden nur die Einlagen zurückgezahlt. Im Falle eines Konkurses reiche die Haftungspalette vom Geldgeber bis zum Grundstückseigentümer. Im Übrigen nahm der Windertrag seit 1996 zu 25 Prozent ab.

Spaltung droht

Burger wies auf das "Begräbnis der Windkraftpläne" im Juni 2018 in Thanstein, Landkreis Schwandorf, hin. Hauptgrund dafür sei die sich abzeichnende Spaltung der Dorfgemeinschaft gewesen. "Warum steht kein Windrad im Englischen Garten in München oder in Oberbayern? Weil sie dort ihre Landschaft nicht zerstören lassen wollen. Ich bin kein Windkraftgegner, nur sollten diese entlang der Autobahn aufgestellt werden. Aber von uns Oberpfälzern erwarten sie das." Den Vertretern der Bürgerinitiative Bromberg empfahl Burger, den Kommunalpolitikern Stress zu machen und ihnen auf die Nerven zu gehen. Michael Bräutigam, Facharzt für Allgemeinmedizin in Pfreimd, wies auf mögliche Auswirkungen von Windkraftanlagen auf die Gesundheit der Menschen und auf die Gebäude hin. Patienten aus Gleiritsch klagen über Schlafstörungen oder Kopfschmerzen. Er lebe 1700 Meter von einem Windrad entfernt und seine Ehefrau habe Schlafstörungen.

Andere klagen über optische Bedrohungen durch diese Meisterwerke der Architekturkunst und waagrechte Risse an den Häusern durch seismische Wellen. Die Monsterräder werden als erdrückend aufgenommen. Auch der Schlagschatten führe zu Beschwerden. Eiswurf (bei 0 bis 2 Grad) und Lichteffekte werden gefürchtet. Windkraftanlagen gehören zu den potentiellen Infraschall-Erzeugern. Infraschall (0,1 bis 20 Hertz), den man nicht höre, könne zu körperlichen und psychischen Schäden führen. Er gelange über das Ohr ins Stammhirn. Infraschall gehe durch die Häuser und könne nicht gedämmt werden.

Einziger Schutz sei die Einhaltung gewisser Abstände. Dem anwesenden Kreisrat Klaus Bergmann (Grüne) wurde vorgeworfen, dass sich seine Partei für die Herausnahme von Grundstücken aus dem Landschaftsschutzgebieten stark mache, um dort Windräder aufstellen zu können. "Woher soll künftig die Energie herkommen, fragte er. Da fand er nicht viele Freunde im Saal.

"Wir haben unsere Landschaft als Geschenk von unseren Vorfahren bekommen und wollen diese erhalten", bat Franz Eger am Ende der Veranstaltung um Verständnis für die Aktionen der Initiative.

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Kommentare

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Klaus Bergmann

Ein dickes Kreuz auf einer groben Karte und die Zahl fünf, die selbst vom Bürgermeister nicht bestätigt wird, ist für eine dreistündige Veranstaltung etwas mager. Wieviele Immissionsorte gibt es und in welchem Abstand? Welcher Schallpegel würde dort erreicht? Wieviel Schattenwurf entstünde tatsächlich an den Immissionsorten? Wo entlang soll eine Zufahrt gebaut werden? Wieviel Wald oder Forst müsste gerodet werden und wieviel Ausgleich dafür und für die WEA an welcher anderen Stelle müsste dafür geschaffen werden? ... Wo genau liegen Biotope und andere Schutzgebiete und welches sind die besonderen Schutzgüter? Wo sind die Vorkommen betroffenener Tierarten? Die vor Ort betroffenen müssten letzteres beides doch sehr genau wissen. Wenn eine BI diese Informationen nicht hat, sollte zumindest ein Planer diese bereitstellen - und auf Anfrage auch einer BI zur Verfügung stellen.
Zum Problem Infraschall hätte man auch Herr Prof. Matthias Mändl von der OTH Amberg befragen und evtl. einladen können.
Siehe: https://www.onetz.de/amberg-in-der-oberpfalz/lokales/professor-matthias-maendl-misst-infraschall-mit-spezialgeraet-an-windrad-standorten-auf-der-jagd-nach-einem-phantom-d63726.html
Leider hat sich der vortragende Dr. zumeist lieber im Reich der Spekulation und Mystik bewegt und aus meiner Sicht in unredlicher um nicht zu sagen unverantwortlicher Weise Ängste geschürt; was in letzter Zeit wieder in Mode gekommen ist.
In einem stimme ich Herrn Schmid zu 100% zu. Ohne Speicher fährt die Energiewende an die Wand. Leider fließen in diese Forschung und Pilotprojekte viel zu wenig Mittel (oder darf man sagen Subventionen?). Aus meiner Sicht wären dies entscheidenede Investitionen in die Zukunft. Da ziehe ich gerne am gleichen Strang.

23.06.2018
Erich Schmid

Dass zum konkreten Projekt keine echten Informationen gegeben worden seien hat Herr Bergmann bereits während dieser Informationsveranstaltung behauptet. Er vermisste dabei zum Beispiel, um wieviele Windkraftanlage es sich handle und wo diese genau stünden. Entgegen seiner falschen Behauptung wurden diese Angaben durchaus gemacht: In mündlicher Form sowie als bildliche Darstellung auf Seite eins der Informationsbroschüre der BI Bromberg. Wo diese Anlagen geplant sind wurde ganz konkret auf Seite zwei auf einer Landkarte eben jener Broschüre mithilfe eines Kreuzzeichens dargestellt.
Falls Herr Bergmann sich nicht an diese Broschüre erinnern kann: er hat während der Veranstaltung daraus zitiert!
Zur Beurteilung seiner Darstellungen möchte ich noch eines erwähnen: Während dieser Versammlung wurde erwähnt, dass Herr Bergmann hauptberuflich als Gutachter für Windkraftanlagenplaner tätig sei. Stimmt das Herr Bergmann? Im Falle der geplanten Windkraftanlage am Bromberg sind entsprechende Gutachter meines Wissens nach von den Windanlagenplanern sowohl eigenständig ausgesucht als auch bezahlt.
Für mich stellt sich somit die Frage: welche Ergebnisse sind wohl zu erwarten?

Entscheidender als mehr oder weniger Windkraftanlagen sind für ein Gelingen der Energiewende meines Erachtens vor allem die Möglichkeiten der Energie- und Stromspeicherung zu erweitern. Dafür braucht es jedoch noch enorm viel Forschungs- und Entwicklungszeit. Das geht mit dem Schnell-Schnell der gegenwärtigen Energiewende nicht!
Lieber das Land mit Windkraftanlagen zupflastern und den dann nicht bedarfsgerecht und zuviel produzierten Strom irgendwie in die Erde leiten, ins Ausland verscherbeln oder sonstwie einfach irgendwie wegbringen.
Ich freue mich schon auf eine sachliche Diskussion mit Herrn Bergmann! Gerne können Sie mich kontaktieren. Sie erreichen mich über die Bürgerinitiative Gegenwind Bromberg-Moosbach.
Erich Schmid aus Gaisheim

20.06.2018
Klaus Bergmann

Die Pauschalaussage, dass Grüne sich für die Herausnahme von Grundstücken aus Landschaftsschutzgebieten stark machten, ist falsch, wie so vieles, was bei der 3-stündigen Veranstaltung von der BI und insbesondere von den drei vortragenden Herren behauptet wurde. Statt konkret zum Projekt echte Informationen zu geben, beschwörte man die zwanzig Jahre alten, längst widerlegten "Bilder" von Discoeffekt etc. aus dem Hause BLS (http://www.bund-rvso.de/tricks-der-konzerne.html)
Das Projekt sehe ich durchaus auch kritisch und wenn es soweit kommen sollte, wird sich der Kreistag sicher auf Fakten basierend damit auseinandersetzen und nicht leichtsinnig entscheiden.
Aber man sollte die Diskussion und vor allem die Information der Bürger auf einer sachlichen Ebene belassen. Mit pauschaler Polemik gegen die Windenergie allgemein, so wie es zum überwiegenden Teil der Veransaltung geschah, tut sich die Bürgerinitiative keinen Gefallen.

20.06.2018
Karl-Heinz Kagermeier

"Natürlich sind wir für Windkraft - aber nicht bei uns!"
Überall die selben Argumente über angebliche Gefahren der Windkraftanlagen. Sämtliche dieser Behauptungen wurden von den Verwaltungsgerichten als nicht zutreffend zurückgewiesen.

19.06.2018
M Z

Windkraft ist immer noch besser als die Biogas Anlagen!
Solange Menschen auf der Welt hungern, ist das ein Unding überhaupt! Riesige Flächen werden nur noch für Biogasanlagen Bewirtschaftet, da Subventioiert! Das stinkt zum Himmel!

Dabei ist die Lärmbelästigung durch die die Traktoren auch nicht zu unterschätzen, die bis spät in die Nacht noch mit Vollgas durch das Dorf donnern!

Windkraft hingegen braucht nur eine kleine Fläche und kommt wirklich GRÜN zur WindEnergie, da sie anders als Biogasanlagen keine Traktoren mit Diesel brauchen um den Rohstoff zu transportieren!

Meine Meinung!

19.06.2018