Moosbach
31.10.2018 - 10:55 Uhr

Kammerjungfer rettet Freiherrn

Von 1708 bis 1802 hatten drei Pfleger der Reisner von Lichtenstern das Sagen in Burgtreswitz und Tännesberg. Als Pfleger und Richter waren sie in dieser Zeit mächtige Männer im Amt Tännesberg/Treswitz.

Franz Ferdinand Reisner Freiherr von Lichtenstern führte das Pflegeamt Tännesberg/Treswitz durch kriegsreiche Zeiten. Freiin von Rummel aus Waldau war ihm eine gute Ehefrau und verstarb 1790. Auch sie wurde in der Pfarrkirche Moosbach neben ihren Gatten Franz Ferdinand bestattet. Bild: gi
Franz Ferdinand Reisner Freiherr von Lichtenstern führte das Pflegeamt Tännesberg/Treswitz durch kriegsreiche Zeiten. Freiin von Rummel aus Waldau war ihm eine gute Ehefrau und verstarb 1790. Auch sie wurde in der Pfarrkirche Moosbach neben ihren Gatten Franz Ferdinand bestattet.

Der bedeutendste von ihnen war Franz Ferdinand Reisner Freiherr von Lichtenstern. Er wurde am 2. Mai 1710 im kurfürstlichen Schloss zu Burgtrewitz geboren, trat nach mit Auszeichnung vollendeten Studien an der Universität Ingolstadt und nach abgelegten günstigen Prüfungen für den Staatsdienst vor 280 Jahren, im April 1738, als Hauptpfleger die Verwaltung der Ämter Treswitz und Tännesberg an.

Bald nach seinem Amtsantritte brach 1741 der für Bayern verheerende österreichische Erbfolgekrieg aus. Franz Ferdinand hatte als Grenzbeamter sein Amtsgebiet gegen Böhmen hin zu schützen. Er beobachtete daher ständig die Bewegungen des Feindes, von denen er der ihm vorgesetzten kurfürstlichen Regierung zu Amberg fleißig Nachricht gab. Er verhinderte dadurch Requisitionen aller Art und zeigte sich als sehr tätiger und rühriger Mann. Diese treue Pflichterfüllung erbitterte den Feind ungemein. Der kommandierende österreichische General erteilte deshalb einen Husarenoffizier den Auftrag, nach Treswitz zu reiten und den dortigen Pfleger umzubringen. Im letzten Nachtquartier vor Treswitz, in Treffelstein, verriet er dem dortigen Baron Horneck, dass ihm sein Auftrag sehr unangenehm sei.

Diese Erzählung hörte die Kammerjungfer der Baronin mit an. Weil sie früher im Dienste des Pflegers Franz Ferdinand von Lichtenstern in Treswitz stand, fasste sie den Entschluss, die verheerende Kunde dorthin zu überbringen. Sie wusste deshalb alle Mittel und Wege zu finden, rasch in das ziemlich entfernte Treswitz zu gelangen. Eine große Aufregung rief ihre Mitteilung dort hervor. Sofort raffte der Pfleger und seine Helfer die nötigste Habe zusammen und machten sich auf die Flucht. In Wernberg hörten sie hinter sich Pferdegetrampel. Im rechten Augenblick fuhr der Kutscher in eine offenstehende Scheune, die sofort von den Dreschern geschlossen wurde. Als kurz darauf die Husaren angesprengt kamen und fragten, ob ein Wagen vorbeikam, deuteten die braven Bauern in Richtung Regensburg und Franz Ferdinand war gerettet. Vom Januar bis Mai 1745 musste er mit seiner Familie aber in Nürnberg verbleiben.

In dieser Abwesenheit von Treswitz rächte sich das Exekutions-Kommando durch vielfältige Beschädigungen an seiner zurückgelassenen Habe und durch Zerstreuung der Amtsregistratur.

Für seine treuen Dienste erhob Kurfürst Max Josef III ihn und seine Nachkommen in den Freiherrnstand des Kurfürstentums Bayern.

Franz Ferdinand kaufte im Jahre 1752 die Hofmark Woppenhof in der Landgrafschaft Leuchtenberg für 20.000 Gulden. Kurz darauf brannte das Schloss ab. Wegen Mangel einer Brandversicherung musste der Baron das Herrenhaus auf eigene Kosten wieder aufbauen.

Das größte Unglück traf die Familie aber am 12. Januar 1765, als Franz Ferdinand in Folge eines Schlaganfalles plötzlich auf dem Schloss zu Treswitz im 53. Lebensjahr verschied. Er wurde in der Pfarrkirche in Moosbach begraben. Sein Grabstein wurde mit den sterblichen Überresten nach dem großen Brand in Moosbach von 1848 in die Kapelle des Lichtenstern-Schlosses nach Neusath gebracht.

Aber es gab auch erfreuliche Dinge im Leben von Franz Ferdinand. So seine Verehelichung mit Freiin von Rummel aus Waldau. Zu seiner Macht als Pfleger und Richter kam durch ihre Mitgift noch ein beträchtliches Vermögen in seinem Besitz.

Franz Ferdinand war auch ein gläubiger Mann. So machte er sich um den Bau der zwischen Moosbach und Grub befindlichen Wallfahrtskirche zur Wies sehr verdient. Immer wieder musste er seine volle Autorität bei den vielen Streitigkeiten zwischen Magistrat Moosbach, der Kirche und dem Pflegeamt Treswitz einsetzen. 1756 wurde das Kirchenschiff vollendet. Die Einweihung war ein Freudentag für den Pfleger. Leider erlebte der 1765 Verstorbene die Fertiggestellung des Kirchturms 1769, der sein besonderes Anliegen war, nicht mehr.

Für seine Nachfolge war sein Sohn Franz Marquard bestimmt. Zum Zeitpunkt des Todes seines Vaters war dieser erst 15 Jahre alt. Kommissare verwalteten zunächst das Pflegamt. Im Alter von 24 Jahren, nachdem er seine Studien an der Universität in Ingolstadt beendet hatte, übernahm Marquard die Pflegeämter Treswitz und Tännesberg.

Franz Ferdinand Reisner Freiherr von Lichtenstern führte das Pflegeamt Tännesberg/Treswitz durch kriegsreiche Zeiten. Bild: gi
Franz Ferdinand Reisner Freiherr von Lichtenstern führte das Pflegeamt Tännesberg/Treswitz durch kriegsreiche Zeiten.
Freiin von Rummel aus Waldau war ihm eine gute Ehefrau und verstarb 1790. Auch sie wurde in der Pfarrkirche Moosbach neben ihren Gatten Franz Ferdinand bestattet. Bild: gi
Freiin von Rummel aus Waldau war ihm eine gute Ehefrau und verstarb 1790. Auch sie wurde in der Pfarrkirche Moosbach neben ihren Gatten Franz Ferdinand bestattet.
 
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