10.09.2018 - 14:18 Uhr
MoosbachOberpfalz

Mutter und Sohn gleichzeitig beerdigt

"Das habe ich in meinen nunmehr 44 Priesterjahren mit Hunderten von Beerdigungen noch nie erlebt: Dass eine Mutter mit ihrem Sohn beerdigt wird", bedauert Pfarrer Josef Most im Trauergottesdienst in der voll besetzten Pfarrkirche Moosbach.

Die Jagdhornbläser unter Leitung von Eduard Forster verabschieden sich von Hans Sperl mit dem Jagdhornsignal „Auf Wiedersehen“.
von Peter GarreissProfil

Der 58-jährige Johann Sperl starb am 31. August nach schwerer Erkrankung. Seine Mutter Anna Sperl (98) folgte ihm am 2. September in den Tod.

Anna Sperl wurde am 19. August 1920 in Tröbes geboren. Sie war die Tochter der Eheleute Johann und Anna Grünbauer, geborene Maier. Anna Sperl wuchs in Tröbes auf und heiratete am 19. Juli 1948 Willibald Sperl. Aus der Ehe stammen die Kinder Willi, Elisabeth und Johann. Mit ihnen trauen heute acht Enkel und fünf Urenkel. In jungen Jahren arbeitete sie bei Bauern, hat dann selber eine kleine Landwirtschaft betrieben und immer wieder Pflegedienste verrichten müssen, als ihr Schwiegervater, ihr eigener Vater und ihre Mutter krank wurden und Hilfe brauchten.

Ihren Ehemann hat sie 15 Jahre lang aufopferungsvoll gepflegt, bis er im Mai 1998 mit 79 Jahren starb. Der Geistliche nannte Sperl eine tiefgläubige Frau, die, solange sie konnte, die Gottesdienste gerne besuchte und dann jahrelang jeden Monat die Krankenkommunion empfing. Seit sieben Jahren lebte sie im Pflegeheim Oberviechtach. Seit Gründonnerstag war sie bettlägerig. Sie folgte ihrem Sohn, der zwei Tage zuvor starb, um die gleiche Uhrzeit: 18.45 Uhr.

Johann Sperl kam am 3. August 1960 in Tröbes zur Welt. Nach der Schulzeit absolvierte er eine Ausbildung zum Koch, war dann Zivildienstleistender und danach Bürokaufmann in Vohenstrauß. Vor 25 Jahren wechselte er zur Firma Zippel in Moosbach, wo er bis zur Rente vor sieben Jahren beschäftigt war.

Am 28. Mai heiratete er in Böhmischbruck Rosmarie Braun. Aus der Ehe stammen die Kinder Sebastian, Florentina und Maximilian. Seine Enkelin Valerie war seine ganze Freude, seine Hündin Lisa war bis zuletzt eine treue Gefährtin. Hans war für seine Kinder ein liebevoller Vater, wie man sich ihn nur wünschen kann. Er war sehr sozial eingestellt, was ein Ereignis zeigt: Es war eine Unimog- Aktion 2011, als es darum ging, das Fahrzeug für einen Transport in den Kongo zu Pater Ferdinand zu bepacken. Seine ganze Kraft hat er dafür eingesetzt, dass mit Unterstützung weiterer Helfer das Fahrzeug schließlich dank Bürgermeister Hermann Ach und Hans Blachut beim Pater ankam, wo es heute noch wertvolle Dienste für die Missionsarbeit leistet.

Vor sieben Jahren, musste er aber die schlimme Nachricht von einer Krankheit hören, die ihn nicht mehr loslassen sollte. Immer wieder musste er ins Krankenhaus in Behandlung, Operationen und Bestrahlung. Aber sein Leiden hat er tapfer angenommen und getragen, ohne Klagen, ohne Verzweiflung. Kraft und Ruhe fand er als Jäger im Wald mit seiner Hündin Lisa. "Mit großer Zuversicht ging Hans dem Ende seines Lebens entgegen", tröstete Pfarrer Most die Angehörigen. Vor drei Wochen begab sich Sperl in die Palliativstation in Neustadt. Die Veeh-Harfen-Gruppe mit Sängerin Wilma Wallner, der Kirchenchor Tröbes mit Sonja Meiler an der Orgel und die Bläser begleiteten den Trauergottesdienst.

Am Friedhof begleiteten die Jäger den Sarg ihres verstorbenen Kameraden zur Grabstätte, wo der Sarg der Mutter bereits aufgebahrt war. Marga Braun vom Katholischen Frauenbund Moosbach dankte der Verstorbenen für 41 Jahre Mitgliedschaft. Josef Schafbauer (CSU Tröbes) trauerte um ein langjähriges Mitglied. Tröbes sei um ein großes Stück ärmer geworden. Die Pflege des Marienbildstocks bei Tröbes sei für den mit der Natur verbundenen Hans Sperl eine Selbstverständlichkeit gewesen. Betriebsleiter Hans Kellner von der Firma Zippel erklärte, dass man in der Firma tief bewegt aber voller positiver Erinnerungen sei. Für den Schützenverein Loisbachtal Heumaden nahm Schützenmeisterin Claudia Kraus Abschied von Sperl, der 31 Jahre dem Verein angehörte. Max Frischholz sprach für die Feuerwehr Tröbes. 2014 beim großen Feuerwehrfest in Tröbes arbeitete Sperl fleißig mit. Als ein "Guats Leit'" bezeichnete er Anna Sperl, die eine besondere Verbindung zur Kirche und ihren Glauben hatte. Auch der Vorsitzende der Jäger-Kreisgruppe Vohenstrauß, Christian Ertl, nahm Abschied von Johann Sperl. 2011 hatte er die Jägerprüfung bestanden. Die Jagdhornbläser unter Leitung von Eduard Forster verabschiedeten sich mit dem Jagdhornsignal "Auf Wiedersehen".

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