31.08.2018 - 13:37 Uhr
MoosbachOberpfalz

Schmuckstück statt Steinhaufen

Bereits 30 Jahre dauert die Innensanierung des Burgtreswitzer Schlosses. Nun sind die Arbeiten abgeschlossen, für die Gemeinde ein Grund zum Feiern.

Der Südflügel ist bei der Renovierung wieder aufgemauert worden.
von Peter GarreissProfil

Der Markt Moosbach kaufte die aus dem 13. Jahrhundert stammende Schlossanlage 1983. Vorher war sie über 500 Jahre, bis 1809, Sitz der Pfleger und Richter, danach bis 1938 Ökonomie und Schlossbrauerei, ab 1942 Eigentum einer Familie aus Berlin.

Nicht alle waren begeistert

Nicht alle Bürger freuten sich über den Kauf, denn die denkmalgeschützte Anlage war zu diesem Zeitpunkt völlig herabgewirtschaftet. Erste Befunde ergaben, dass das Dach schon seit Jahrzehnten undicht und großflächig zerstört war. Die riesigen Außenwände wurden talwärts gedrückt. Eingedrungenes Regenwasser führte zum Schwammbefall im Mauerwerk und dem Holz. Vor allem auch statisch war es um die Burg schlecht bestellt. Mauern drohten abzustürzen. Kamine, Fenster, Türen, Treppen, Fußböden, Versorgungsleitungen, die Innenputze waren praktisch unbrauchbar geworden. Kostspielige Arbeiten waren voraussehbar, trotzdem kaufte die Kommune das Denkmal.

"Reißt den Steinhaufen am besten ab", forderten einige Bürger vom Marktrat, der vom Landesamt für Denkmalschutz in München Rückendeckung und schnelle finanzielle Hilfe in Aussicht gestellt bekam. 1986 begann die Sanierung des Dachstuhls. Die ruinenartigen Teile des Hauses waren schnell wieder aufgebaut und das gesamte Dach mit Kosten von rund 600 000 Euro schnell geschlossen. Der Markt erkannte aber recht bald, dass die weiteren Arbeiten und die Unterhaltung des Schlosses für die Gemeinde zu einer riesigen finanziellen Belastung führen werden. 1986 gründeten 43 heimat- und geschichtsbewusste Bürger den Förderverein Schloss Burgtreswitz, der heute 450 Mitglieder hat.

Sofort machten sich die Verantwortlichen an die Arbeit. Am Anfang stand eine Generalentrümpelung von Schloss und des Umfeld. Anschließend wandten sie sich der Innensanierung zu. Zimmer um Zimmer wurde restauriert und Museumszwecken zugeführt. Die eingestürzte Südwestecke des Schlosses machten dem Förderverein die meisten Sorgen. Hier waren ganz früher der Rittersaal und später dann die Schlosskapelle. Von 2010 bis 2017 arbeitete der Förderverein an der Innensanierung dieses Gebäudeteils. So entstand ein historischer Saal, der heutige Mittelpunkt des Schlosses, der zum Feste feiern oder für Konzerte und Versammlungen hergenommen wird. Mittlerweile ist der Saal per Aufzug barrierefrei zu erreichen.

"Fleißige Schlossgeister"

Viele Helfer des Fördervereins leisteten zur 30-jährigen Innenrestaurierung des Schlosses ihren Beitrag. Dem Bautrupp, im Volksmund "die fleißigen Schlossgeister" genannt, gehörten technischer Leiter Adolf Graf sowie Erhard Burger, Alfred Gissibl, Ernst Fischer (gestorben 2013) und Max Mayer (gestorben 2017) an.

In den vergangenen 30 Jahren absolvierten sie 46 000 freiwillige und ehrenamtliche Stunden im Schloss - ohne Bezahlung. Ohne die Ehrenamtlichen stünde das Bauwerk heute nicht so da. Weit über 100 000 Besucher kamen bisher zu Burgfesten, Schlossführungen, zum Tag des offenen Denkmals, Konzerten, Volksmusikabenden, Sängertreffen, Zeitreisen, Theaterveranstaltungen, Weinfest und Weihnachtsmärkten.

Bis in die 1990er Jahre sah der Südflügel des Schlosses noch so aus.

„Die Schlossgeister“ haben als Bautrupp schon 46 000 ehrenamtliche Stunden bei der Renovierung geleistet.

Abschluss der Sanierung:

Der Markt Moosbach und der Förderverein Schloss Burgtreswitz feiern den Abschluss der 30-jährigen Innensanierung des Schlosses. Das Festprogramm: Freitag, 7. September, 10 Uhr Festakt im historischen Saal. Samstag, 8. September, ab 17 Uhr Oberpfälzer Schlachtschüssel im Schlosshof. Es spielt die „Böhmische Blechblous’n“.

Sonntag, 9. September, um 8.45 Uhr Aufstellung zum Kirchenzug am Kirchplatz Burgtreswitz. Um 9 Uhr Gottesdienst im Schlosshof mit Segnung des Ostflügels und des „Boderkreuzes“. Anschließend Frühschoppen mit den Straßenmusikanten. Ab 14 Uhr Tag des offenen Denkmals mit Schlossführungen sowie Kaffee- und Kuchenecke. Ab 15 Uhr Unterhaltung mit den Straßenmusikanten, Festausklang gegen 20 Uhr. Bei schlechtem Wetter finden die Veranstaltungen im Innern des Schlosses statt.

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