04.11.2018 - 14:52 Uhr
Muckenthal bei WiesauOberpfalz

Nachhaltig und naturnah

Ein Produkt von den „Wurzeln“ bis zur Veredelung zu verfolgen und dabei einen besonderen Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit zu legen, ist aktueller denn je.

Viel Wissenswertes erklärt Klaus Bächer bei einer Teichführung.
von Werner RoblProfil

Die „Slow-Food-Wurzeltour“, angeboten in Muckenthal von der Arge Fisch, war eine ganz besondere Veranstaltung und daher auch eine Reise ins Stiftland wert. Sichtlich zufrieden zeigte sich der Veranstalter mit der Beteiligung. Um den heimischen Karpfen und seine Lebensräume kennenzulernen, waren Slow-Food-Vertreter und -Interessierte unter anderem aus Teilen Mittelfrankens und der Oberpfalz und sogar aus Köln angereist.

Nach einer Teichführung durch Fischwirtschaftsmeister Klaus Bächer führte der Weg ins nahegelegene Fisch-Restaurant des Muckenthaler Familienbetriebs. Im zweiten Teil der Veranstaltung bot sich zudem auch die Möglichkeit ins Gespräch zu kommen. Als Referenten konnten Dr. Rupert Ebner, Vorstandsmitglied von Slow-Food Deutschland, zudem Dr. Martin Oberle von der Fachabteilung Fischerei der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, gewonnen werden. Die Gästeliste ergänzten zweite Arge-Vorsitzende Lena Bächer, Fabian Polster von der Arge Fisch sowie die „Hausherren“ Klaus Bächer und die amtierende Oberpfälzer Teichnixe Sophia Bächer.

Beim Auftakt der Diskussions- und Informationsrunde machte Rupert Ebner deutlich, dass „Slow-Food“ ein deutliches Augenmerk auf den Fisch lege. Von den fünf meist verkauften Arten gelten Lachs, Thunfisch, Hering und Seelachs bereits als bedroht. Die Forelle könne derzeit noch bedenkenlos gekauft und verzehrt werden. „Es ist höchste Zeit, über nachhaltige und naturnah produzierte Alternativen nachzudenken.“ Der Redner zeigte sich von der Art der hiesigen Teichbewirtschaftung beeindruckt. Ebenso auch davon, wie die Karpfen im Stiftland leben. „Ich habe selten erlebt, dass ein Lebensmittel so naturnah erzeugt wird.“ Ebner lobte die kurzen Vertriebswege: „Der heimische Fisch ist im Sinne einer nachhaltigen Ernährung ein ideales Produkt.“

„Ein großes Problem jedoch bleibt der zu geringe Stellenwert des Karpfens in der Bevölkerung.“ Dies wirke sich gravierend auf den Preis aus. „Ein Teichwirt kann von einem Mindestlohn nur träumen“, ergänzte Martin Oberle. „Die geringen Besatzdichten, die deutlich unter den Vorgaben des Freistaates und auch unter den Bio-Richtlinien der EU liegen, machen die Karpfenzucht zur nachhaltigsten Produktion von Fisch überhaupt.“ Ins Blickfeld rückte der Sprecher zudem die Fütterung reiner Naturnahrung.

Lena Bächer, stellvertretende Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Fisch im Landkreis Tirschenreuth, setzt sich seit über 20 Jahren für die Wertschätzung des Karpfens ein. „Karpfen ist schmackhaft“, hakte die Muckenthalerin ein.

Teichnixe Sophia Bächer präsentiert „Karpfen blau“ aus der Restaurant-Küche.
Der Karpfen ist nicht nur ein gesundes, sondern auch ein wohlschmeckendes Teichprodukt, so Betriebsleiter Klaus Bächer.
Am Fischhäusl der Teichbauernfamilie Bächer.
Klaus Bächer (links) bewirtschaftet seine Teiche im Raum Muckenthal. Bei der „Slow-Food-Wurzeltour“ steht er Rede und Antwort.
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