14.11.2019 - 10:19 Uhr
Muckenthal bei WiesauOberpfalz

Auf die Natur verlassen

"Slow Food" ist eine weltweite Bewegung, die sich für ein zukunftsfähiges Lebensmittelsystem einsetzt. Seit 2018 pflegt sie mit der Arge Fisch eine intensive Zusammenarbeit. Das wurde in Muckenthal unter Beweis gestellt.

von Werner RoblProfil

Erstes Ziel der vielen Gäste bei der "Slow-Food-Wurzeltour" auf dem Muckenthaler Fischhof der Familie Bächer waren deren Fischteiche am Ortsrand. "Dass unser Karpfen eines der nachhaltigsten und gesündesten Lebensmittel ist, wussten wir schon lange", betonte Klaus Bächer, den seine Töchter Lena und Teichnixe Sophia begleiteten.

Ackerbohne als Futtermittel

Das Thema lautete "Was schwimmt in unseren Teichen?" Klaus Bächer stellte seine Karpfen, Rotaugen, Schleien, Zander und Hechte vor. Lena und Sophia Bächer erklärten, wie die Fische gezüchtet und gefüttert werden, beziehungsweise wovon sie sich selbst ernähren. "Im kommenden Jahr testen wir die Ackerbohne als Futtermittel", erklärte Lena Bächer. "Das Fleisch wird magerer, das Filet dadurch noch hochwertiger." Das Futter komme von den nahen Feldern. "Kurze Wege", fügte die junge Muckenthalerin hinzu und betonte: "Wenn man die Zusammenhänge kennt, kann man sich getrost auf die Natur verlassen."

Unterstützt wurde das Muckenthaler Dreiergespann von Martin Oberle von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (Bereich Karpfenwirtschaft) in Höchstädt an der Aisch. Der Fachmann zeichnete keineswegs ein nur negatives Bild bezüglich des trockenen Sommers: "Wenn wir das Wassermanagement hinbekommen, könnten die Teichwirte auch den Klimawandel in Ruhe betrachten."

Infos zur Fischzucht

Als eine weitere Maßnahme empfahl er - langfristig gesehen - auch tiefere Gewässer als Wasserspeicher für regenarme Monate. Oberle bezeichnete die Wassermengen in der Steinwaldregion jedoch als ausreichend. "Ein Problem aber wird uns auch noch weiter beschäftigen: die Kormorane und Otter." Die naturnahe Weiherlandschaft in der Region bezeichnete er als "einzigartig". "Sie ist etwas besonderes", beschrieb er das "vor uns liegende Naturidyll".

Versprochen wurde auch ein Menü im Fischerstüberl. Auf der Speisekarte stand ein Wallerfilet mit Apfel-Meerrettich-Kruste, danach folgte ein Sauerbraten vom Karpfenfilet garniert mit Balsamico-Zwetschgen. Angeboten wurde zudem auch eine knusprige Schleien-Spezialität.

Elsa und Manuela Bächer haben die Speisen zubereitet, Klaus, Lena und Sophia Bächer alles serviert. Zuvor durften sich die Gäste über die Fischzucht informieren.

Als Gesprächspartner standen die stellvertretende Slow-Food Vorsitzende, Nina Wolff, Andrea Lenkert-Hörrmann (Projektbeauftragte Slow-Food Deutschland), Gewässerökologe Stefan Linsmeier, Martin Oberle und der Schwandorfer Landrat Thomas Ebeling zur Verfügung. Fragen beantworteten auch Klaus Bächer und seine beiden Töchter.

Hintergrund:

Über die „Slow-Food-Wurzeltour“

Wo kommen Lebensmittel her, wo wachsen sie, wie sehen sie vor der Verarbeitung aus, wie schmecken sie frisch? Die "Slow-Food-Wurzeltouren" möchten Antworten auf diese Fragen geben. Bei Hofbesuchen und Verkostungen stehen solche Erzeuger und ihre Produkte im Mittelpunkt, die täglich für den Erhalt und die Zukunft einer ressourcenschonenden, handwerklichen Lebensmittelerzeugung mit Rücksicht auf Mensch, Tier und Natur.

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