21.02.2020 - 16:38 Uhr
Münchsreuth bei SpeinshartOberpfalz

Ein Loblied auf den Gemeinschaftsgeist

Wer rastet, der rostet. "Ausruhen geht nicht", sagt deshalb Bürgermeister Albert Nickl beim CSU-Bürgertreff in Münchsreuth. Nach den vielen Großinvestitionen der vergangenen Jahre stehen weitere Projekte auf der kommunalen Angeda.

In den überfüllten Stuben des historischen Hirthauses in Münchsreuth kommt es beim Bürgertreff der CSU zu einem lebendigen Dialog zwischen Bürgern und Kandidaten. Rede und Antwort steht auch Landrat Andreas Meier (links).
von Robert DotzauerProfil

„Daham is daham“: Bürgermeister Albert Nickl fühlte sich bei der CSU-Wahlversammlung im Hirthaus pudelwohl. In Münchsreuth wurde Nickl geboren, dort fühlt er sich immer noch zu Hause, bewirtschaftet den Garten - aus Zeitnot manchmal mit Stirnlampe zur nächtlichen Stunde. Bei der „Blouch“ inmitten von Salat- und Krautköpfen verschwand auch einmal sein Smartphone, das er dann in der Wassertonne wiederfand. Es waren deshalb zunächst Münchsreuther Themen, die der Bürgermeister in seiner Leistungsbilanz der vergangenen sechs Jahre ansprach.

In Anwesenheit von Landrat Andreas Meier und Bürgermeisterin Carmen Pepiuk aus Trabitz lobte er die Mittelbereitstellung des Landkreises für den Neubau der Ortsdurchfahrt der Kreisstraße. Das Projekt führte zu einer Aufwertung der Ortschaft, urteilte Nickl. Im Bereich von Münchsreuth seien auch alle Gemeindewege in gutem Zustand. Nur den Gemeindeverbindungsweg nach Dobertshof beurteilte er als reparaturbedürftig. Mitursächlich dafür seien Holzerntearbeiten des Staatsforstes. Der Bürgermeister kündigte deshalb nach Abschluss der Rodungen Ausbesserungsarbeiten in Zusammenarbeit mit der Forstverwaltung an.

Mit Blick auf den Bau der Gemeinschaftshalle auf dem Hirthaus-Areal folgte ein Loblied auf den Gemeinsinn der Münchsreuther im Allgemeinen und auf die vielen Einsätze der Hirthausfreunde im Besonderen. Die zahlreichen freiwilligen Arbeitsstunden hätten das Projekt erst ermöglicht, sagte der Gemeindeschef. Erwähnung fand auch die finanzielle Beteiligung der Hirthausfreunde in Höhe von 12.000 Euro. Anerkennung galt den Münchsreuthern ebenso für ihre Arbeitseinsätze auf dem gemeindlichen Kinderspielplatz.

Es folgte ein Rückblick auf die umfangreichen gemeindlichen Projekte in der zu Ende gehenden Wahlperiode: von neuen Baugebieten über das neue Haus der Dorfkultur und das Kinderland bis hin zur Sicherung des Schulstandorts mit anschließender Sanierung und Erweiterung. Die Gesamtinvestitionen bezifferte Nickl auf circa zehn Millionen Euro - für eine kleine Gemeinde eine gewaltige Anstrengung, die sich auch langfristig auszahlen werde. Der Gemeindechef lobte in diesem Zusammenhang die große staatliche Unterstützung einschließlich der Dorferneuerung als Lebenselixier der Kommunen.

„Mit wenig Geld viel schaffen“: Diese Maxime gab er auch für seine Zielvorstellungen in den nächsten Jahren aus. Dabei baut er auf die Hilfe des Landkreises und des Freistaats. „Unsere großen Brüder werden die Gemeinde nicht in Stich lassen“, zeigte sich Nickl optimistisch. Als vordringlich nannte er die Innensanierung des Gemeindezentrums. Die Kostenschätzung beläuft sich auf fast 1,1 Millionen Euro. „Erste Wahl“ seien zudem die energetische Sanierung des Kindergartens, Wegebaumaßnahmen, weiteres Baugelände sowie die ökologische Umgestaltung der Creußen und des Mühlbaches.

Mächtig stolz ist der Bürgermeister auf den Gemeinschaftsgeist in der Gemeinde: „Bei uns packen viele Leute für Gottes Lohn an“, lobte er. Auf der Zukunftsagenda der CSU-Mannschaft stehen auch die Errichtung eines neuen Bauhofes, die Fortführung des Breitbandausbaues mit Glasfaseranbindungen bis in die Grundstücke und die Segnungen, die das Dorferneuerungsprogramm vorhalte.

Ähnliche Zielvorstellungen äußerten auch die Gemeinderatskandidaten. Unter Führung des „Leitwolfes Albert“ wünschten sie sich zusammenfassend beste Trinkwasserqualität in Verantwortung des Zweckverbandes und die Unterstützung der Jugendarbeit. Hochleben ließen die 24 Bewerber die Hilfsbereitschaft in den Dörfern und die Verlässlichkeit der beiden Feuerwehren. „In Speinshart lässt es sich gut leben“, lautete ihre Zufriedenheitsnote.

In der lebhaften Diskussion stand zunächst die Digitalisierung der Schulen im Mittelpunkt. In Österreich seien schon die kleinsten Schulen digital besser ausgestattet als die größten Bildungseinrichtungen in Deutschland. „Da sind wir hintendran“, kritisierte Roland Hörl. Diese Einschätzung teilte auch Wolfgang Seitz. Der Gymnasiallehrer sprach von einer beschämenden Mittelzuweisung dafür. Landrat Andreas Meier gab ebenfalls Defizite zu. Deshalb versprach er zum Beispiel für die Schulen im Verantwortungsbereich des Landkreises im Zuge eines Pilotprojekts Glasfaseranschlüsse bis zu 1000 Megait bis Ende des Jahres.

Angesprochen wurde außerdem das "Geschäftsmodell Begegnungsstätte-Klostergasthof“ mit Defiziten beim Betrieb der Kultureinrichtung, die Geschwindigkeitsüberschreitungen in den Ortsdurchfahrten und unpraktische Buswartehäuschen. Des Weiteren ging es um das ausufernde Müllaufkommen, die "perverse" Marktmacht des Lebensmittelhandels und übertriebene Verbraucheransprüche. Unverständnis äußerten Teilnehmer zudem über die Einstufung der Creußen-Sedimente als Sondermüll.

Im Blickpunkt:

Digitales: "Wer nicht investiert, wird abgehängt"

Als "großer Bruder des Bürgermeisters" stellte sich Landrat Andreas Meier den Besuchern in den überfüllten Stuben des Hirthauses vor. Schlaglichter seines Grußworts waren Schule und Bildung in einer zunehmend digitalisierten Berufswelt, die bedarfsgerechte und wohnortnahe Gesundheitsversorgung, eine gute Infrastruktur als Lebensader des Flächenlandkreises und die gute finanzielle Entwicklung des Landkreises.

Das erfolgreiche Arbeiten sei allerdings nicht Gott gegeben. Man müsse auch Glück haben und auf eine gute Finanzbasis bauen zu können, so der Landrat. Selbstbewusst befand der Landkreischef, „Wir sind NEW“. Dieser Markenbildungsprozess gehe einher mit dem neuen Selbstverständnis „Denk mal NEW“.

Verlässlich, nachhaltig, erfolgreich, lauteten die weiteren Kernpunkte seiner Ausführungen. Schritt für Schritt habe die CSU-Kreistagsfraktion das umgesetzt, was vor sechs Jahren versprochen worden sei. Nachhaltig sei das Bestehende mit zukunftsfähigen Entscheidungen weiterentwickelt, erfolgreich seien die Grundsatzthemen abgearbeitet worden. Mit Blick auf die Kernthemen der Zukunft verwies der Landrat unter anderem auf die Anerkennung des Landkreises als 5G-Modellregion für die Gesundheit im ländlichen Raum und als Wasserstoff-Modellregion.

Weitere große Projekte warten. Als Beispiele nannte Meier die Bildungsinvestitionen sowie eine Modernisierung des Sonderpädagogischen Zentrums in Eschenbach und plädierte für eine verstärkte Förderung zur Einrichtung digitaler Klassenzimmer. „Wer nicht investiert, wird abgehängt“, erklärte er und versprach eine Förderoffensive für die Landkreisschulen.

An die Wähler appellierte der Landrat, bei neun Kreistagslisten nicht die Zersplitterung zu wählen. Albert Nickl „als Kämpfer und Rackerer vor dem Herrn“ die Stimme zu geben, lautete eine weitere Empfehlung. Auf diesen sei stets Verlass.

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