27.01.2020 - 17:04 Uhr
Muggenthal bei SchönseeOberpfalz

Füracker überzeugt sich von oberpfälzer Qualitätsfertigung

Bei seinem Besuch in der Oberpfalz schaut Finanzminister Albert Füracker bei der Firma Weinfurtner vorbei. Er zeigt sich begeistert vom Betrieb, der sich gegen Produktions-Großmächte wie Indien und China behaupten kann.

Geschäftsführer Christian Weinfurtner (Zweiter von links) zeigt Albert Füracker, was in seiner Firma in Schönsee hergestellt wird.
von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

Fährt man die Staatsstraße 2159 Richtung Schönsee entlang, glaubt man nicht, dass da noch viel kommt. Und dann taucht sie plötzlich linkerhand auf: die Firma Weinfurtner Kunststoffverarbeitung. Irgendwo im Nirgendwo. Denkbar ungünstig für einen Firmenstandort sollte man meinen, doch seit 1964 kann sich Weinfurtner dort behaupten. Beispielhaft für viele regionale Unternehmen besichtigte eine Delegation an Politikern die Firma von Christian Weinfurtner in Muggenthal. Mit von der Partie Finanzminister Albert Füracker.

Nach einer kurzen Einführung in die Arbeit des Familienbetriebs und die Geschichte - nach dem Krieg gründete der Vater 1964 die Firma für Werkzeugbau - besichtigten alle die Produktionshalle. Weinfurtner ist spezialisiert auf Duroplast, also speziellen Kunststoff, der besonders temperaturbeständig und belastbar ist. "Unsere Produkte kommen zum Beispiel bei Sicherungsautomaten zum Einsatz", erklärte der Geschäftsführer. Von Teilen, die wenige Gramm schwer sind, bis zu 13-Kilo-Formen stellt Weinfurtner alles her. Im Gegensatz zu vielen ausländischen Unternehmen, wird aber eine eher kleine Auflage produziert, die dafür individuell für den Kunden maßgefertigt wird. Gute Abnehmer sind zum Beispiel Siemens und AEG.

Indien ausgebootet

Voll stolz erklärt Weinfurtner, dass ein Kunde, der zunächst in großer Auflage Teile aus Indien bezogen hat, mittlerweile auf Weinfurtner umgeschwenkt ist. "Da mussten 80 Prozent Ausschuss wieder zurückgeschickt werden", erzählt Weinfurtner. Das ging dann erst recht ins Geld. Die Auflage, die in Muggenthal produziert wird, ist zwar kleiner, dafür aber von hoher Qualität. So hat die Firma mit 35 Mitarbeitern auch ihre Nische auf dem riesigen Markt gefunden.

Von der Produktionshalle ging es weiter zur Handfertigung. "Wir machen auch viel Handarbeit für lokale Unternehmen. Täglich gehen von uns gefertigte Teile zu einer großen Firma in Amberg." Seit einigen Jahren gibt es Weinfurtner auch auf tschechischer Seite - etwa 30 Kilometer entfernt vom Hauptsitz. Dort werden die großen Produkte hergestellt. Die Maschinen, die dafür nötig sind, würden gar nicht in den Standort Muggenthal passen. Schwierig sei es, in Tschechien ausgebildete Werkzeugbauer zu finden. Das sei dem Ausbildungssystem dort geschuldet. Deswegen arbeiten vor Ort sowohl Deutsche als auch Tschechen zusammen.

Generationswechsel kein Problem

Füracker zeigte sich am Ende der Führung beeindruckt: "Ich bin immer wieder positiv überrascht, wenn ich die Oberpfalz komme." Das größte Problem mittelständischer Betriebe sei der Generationswechsel, doch bei Weinfurtner sei das wohl kein Problem, sagte er mit Blick auf die Familie, die in das Firmenleben eingebunden ist. Er konnte sich nun selbst überzeugen, dass Fördergelder, wie zum Beispiel für den Breitbandausbau, dort gut angelegt sind. Die Erweiterung der Staatsstraße soll auch noch kommen und die Transportwege noch verbessern. "Nur am Handynetz, da müss' ma noch arbeiten", meinte einer der Besucher schmunzelnd.

Aus diesen Kunststoffteilchen werden einmal die Stoßdämpfer für den Kofferraumdeckel eines Autos.
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