Bis Oktober oder November - so lange wollen Johann Maier und Hans Selch in dem Geschäft in der Georgenstraße noch die Stellung halten. Dann ist Schluss für die beiden gleichberechtigten Geschäftsführer, die den Laden im Januar 2007 übernommen haben.
"Im Grunde haben wir uns mit Geld unsere eigene Arbeit erkauft", ist den beiden klar, wenn sie auf den Wechsel vom Angestellten zum Chef zurückblicken. Die Kunden wussten das zu schätzen, waren froh, dass es nach dem Tod von Namensgeber Ulrich Haas und seiner Schwester zumindest in Nabburg weiterging, wenn schon der Laden in Pfreimd aufgegeben wurde.
Denn beim "Haas" sind Kleinteile nicht nur in abgepackten Mengen zu haben. "Schauen Sie sich diese Schrauben an", sagt Maier und zieht eine der vielen Schubladen heraus, wo in abgeteilten Fächern alle möglichen Größen lagern. Hier gibt es sie in der gewünschten Stückzahl, hier weiß man, welche Mausefalle wirklich funktioniert. Die Fachleute kennen sich aus mit dem idealen Stiel für die Axt, dem Torten-Teiler, Spielzeugautos, Klebeband oder Basteldraht.
Mit Auswahl überlebt
"Eigentlich machen wir hier mehr Kundendienst als Verkauf, und kassieren dann wenn's hochkommt einen Euro", stellt Selch ganz nüchtern fest. "Viel Kleinzeug, viel Beratung", bringt es Maier auf den Punkt. Wer an der Kasse wartet, kann das bestätigen. Geduldig beugen sich die Verkäufer über eine Schublade mit Karabinern und diskutieren, welcher für eine Hundeleine infrage kommt. Ein anderer Kunde bringt einen Schlüssel zum Nachmachen. "Früher haben wir sogar Ski und Schlittschuhe verkauft", erinnert sich Maier. Nur durch große Auswahl kann so eine Geschäft überleben, so die Devise.
"Jeder meint, da verdient man eine Menge, aber das rentiert sich kaum", lautet die Bilanz von Johann Maier nach 48 Jahren in der Branche, einer Sechs-Tage-Woche und wenig Urlaub: "Acht Tage im Jahr, mehr war nicht drin", so der 62-Jährige, der jetzt in Rente geht und mit seiner Frau auch mal verreisen will. "Wir sind nicht reich geworden, aber über die Runden gekommen", ergänzt sein 59-jähriger Partner, der die paar Jahre bis zur Rente auch so rumbringen will. Ein Mitarbeiter hat schon zum Jahreswechsel aufgehört. Weil nun "der dritte Mann" fehlt, ist das Geschäft am Mittwochnachmittag zu.
So ein kleines Geschäft habe es halt schwer, das liegt für die beiden Chefs auf der Hand. Discounter nehmen ihnen das Geschäft mit der gängigen Saisonware weg. "Die machen die Preise kaputt, und wenn sie dann ausverkauft sind, dann sind wir wieder die richtige Adresse", schildert Maier die Lage. Und dann ist da noch das Internet. "Die Leute schauen sich die Ware hier an und bestellen dann online." "Ganz schlimm ist das vor Weihnachten", berichtet Selch. "Aber man kann der Kundschaft auch nicht böse sein, wenn sie das Gewünschte zu einem Preis bekommt, der zum Teil unter unserem Einkaufspreis liegt."
Ein Fall für Profis
Dass es unter diesen Bedingungen nicht einfach ist, einen Nachfolger zu finden, der Geschäftsräume und Sortiment übernimmt, ist den beiden Inhabern klar. Zwei Interessenten waren schon da, haben den Schritt in die "bedienungsintensive" Branche dann aber doch nicht gewagt. "Hier kann man ja auch keinen reinstellen, der einfach nur Päckchen auffüllt", sagen die beiden Profis, die genau wissen, wo ein "Gasbeton-Dübel mit Flossen" hingehört und Sinn hatten für einen Plausch. Einer, der mit dem "Haas" weitermacht, "der würde in Nabburg sicher auf Händen getragen", ist den Geschäftsmännern klar, die schon dabei sind, Abschied zu nehmen von treuen Kunden. Da liegt Wehmut in der Luft: "Es kommen ältere Frauen in den Laden, denen steht tatsächlich das Wasser in den Augen."

















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