12.01.2020 - 11:21 Uhr
NabburgOberpfalz

Ärger über verfehlte Agrarpolitik

"Land- und Forstwirtschaft haben Zukunft". Mit dieser Botschaft appelliert der Generalsekretär des Bayerischen Bauernverbandes, Georg Wimmer, beim "Sebastiani-Bauerntag" in Nabburg ans Selbstbewusstsein der Landwirte.

Der Saal des Jugendheimes war beim Sebastiani-Bauerntag voll besetzt mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Behörden und Verbänden.
von Rudolf Hirsch (RHI)Profil

Das schlechte Image der Landwirtschaft sei teilweise selbst verschuldet, ist sich der Verbandsvertreter bewusst. "Wir müssen unsere Leistungen in der Öffentlichkeit besser verkaufen", macht der BBV-Funktionär den Bauern klar. Denn: Die Landwirtschaft liefere die Lebensmittel, die Forstwirtschaft sorge für den Klimaschutz. Den "selbst ernannten Umweltschützern" wirft Georg Wimmer Doppelzüngigkeit vor: "Sie ballern an Silvester Raketen in die Luft, fliegen in den Urlaub und fahren teure Autos". Gerade die Politiker ließen sich mit Luxusfahrzeugen durch die Gegend chauffieren, forderten aber gleichzeitig die Bevölkerung zum Umdenken auf.

In der Düngeverordnung sieht der BBV-Generalsekretär ein Beispiel für "blinden Aktionismus" der Politik. Die Fachleute aus der Wasserwirtschaft hätten keinerlei Bedenken gegen die Ausbringung der Gülle, die Politiker dagegen schon. Eine weitere Groteske sei das aktuelle Verbot der Kälbertransporte nach Spanien. "Die Österreicher fahren durch Bayern und weiter nach Spanien, den bayerischen Züchtern aber wird das verboten", kritisierte der Referent. In der "Anbindehaltung" sieht er die nächste Baustelle und fordert: "Wir müssen den kleinen Betrieben Zeit lassen zur Umstellung".

"Haben wir Landwirte in der Vergangenheit alles falsch gemacht?" fragt sich Kreisobmann Josef Irlbacher im Jugendwerk. Plötzlich sei chemischer Pflanzenschutz verpönt, die Tierhaltung werde infrage gestellt und die Gülle "zum Unwort" erklärt. Die Bauernproteste wertete der BBV-Funktionär als Beweis für den Ärger der Landwirte über die "verfehlte Agrarpolitik". Josef Irlbacher hat wenig Hoffnung auf Besserung, denn: "Die Landwirtschaft ist der Politik offensichtlich egal".

Kreisbäuerin Sabine Schindler machte den Berufskollegen Mut und ermunterte sie, sich in der Öffentlichkeit Gehör zu verschaffen und Flagge zu zeigen. Sie ermunterte die Landwirte, die Zukunft des Landes ökonomisch, ökologisch und sozial mitzugestalten. Der Landwirt beweise täglich seine Innovationskraft und sein Potenzial, "wenn er die Felder bestellt, seine Tiere versorgt und die Ernte einfährt". Die Erlebnisbäuerin warnte die bäuerlichen Familien vor Selbstmitleid und versicherte ihnen: "Ihr könnt stolz darauf sein, was ihr Tag für Tag auf den Weg bringt".

Die Verleihung des Umwelt-Zukunftspreises an Studierende des Landwirtschaftsamtes Nabburg wertet stellvertretender Landrat Arnold Kimmerl als Zeichen dafür, "dass ökologische Aktionen der Bauern von der Öffentlichkeit durchaus honoriert werden". MdL Alexander Flierl und Bürgermeister Armin Schärtl brachten in ihren Grußworten ihre Verbundenheit zur Landwirtschaft zum Ausdruck.

Der Festveranstaltung ging ein Gottesdienst voraus, den Pfarrer Hannes Lorenz zelebrierte und den der Landfrauenchor unter der Leitung von Mathias Zenger musikalisch gestaltete. Mit einem Jagdsignal begrüßten die Jagdhornbläser der Kreisgruppe Nabburg unter der Regie von Fritz Kleierl die Gäste im voll besetzten Saal des katholischen Jugendwerks.

BBV-Generalsekretär Georg Wimmer fordert die bäuerlichen Selbsthilfeorganisationen zum Schulterschluss auf.
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