17.09.2019 - 09:43 Uhr
NabburgOberpfalz

Akrobatik vor Altstadt-Kulisse

Flickflack auf den Kopfsteinpflaster, Spagat auf dem Steg und ein Handstand-Überschlag auf der grünen Wiese: Sebastian Wegmann erobert seine Heimatstadt mit Akrobatik. Bis zum nächsten großen Auftritt sind es nur noch wenige Monate.

Sebastian Wegmann hebt auch ohne Sprungbrett ab und schafft den Spagat in der Luft.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Mit sechs Jahren ist er Prinz. Mit 13 beherrscht er Kunststücke, die ihm so schnell keiner nachmacht. Sebastian Wegmann steht vom Kaffeetisch auf und schlägt ganz spontan auf dem kleinen Rasenstück hinter dem Wohnhaus der Eltern im Nabburger Ortsteil Lissenthan ein Rad, freihändig. Dann noch ein Handstand-Überschlag und ein Flickflack. Was ist mit Aufwärmen? "Brauch ich nicht", sagt der 13-Jährige, der montags mit der Jugendgarde der Nabburger Faschingsgesellschaft trainiert und dazu noch ein bis zwei Mal die Woche mit Tanzpartnerin Josie. "Aber eigentlich turne ich den ganzen Tag", räumt der Gymnasiast ein. Das zahlt sich aus. Seine Fans hat der Teenager im Fasching mit imposanten Hebefiguren zu "Dirty Dancing" beeindruckt, und sein Geschick hat nun auch Freya Stöckl, freiberufliche Mitarbeiterin bei Oberpfalz-Medien und leidenschaftliche Hobby-Fotografin, auf den Plan gerufen. Im August war sie mit dem Freund ihres Sohnes Tim in Nabburg unterwegs, um vor einer nicht alltäglichen Kulisse spektakuläre Sprünge festzuhalten. Drei Stunden lang turnte Sebastian vor der Kamera, die Fotografin staunte über seine schier unerschöpfliche Energie: "Erst ein aufziehendes Gewitter konnte ihn stoppen." "Am Tag danach hatte ich allerdings Muskelkater", gesteht der 13-Jährige.

Vorbild Funkenmariechen

Beigebracht hat er sich die Kunststücke mehr oder weniger selbst mit Hilfe von Youtube. Am Anfang stand zunächst der Tanz. Sechs Jahre alt war Sebastian bei seinem Debüt als Kinderprinz bei der Nabburger Faschingsgesellschaft und beileibe kein Anfänger im Tanzen. Dafür hatte Oma Maria Graf gesorgt, seine erste Tanzpartnerin. Der kleine Tänzer hatte allerdings schnell ein neues Vorbild gefunden in Funkenmariechen Jana Schlagenhaufer. "Mama, so wie die tanzt, so will ich das auch können", wusste er schon früh.

Eineinhalb Jahre lang hat er täglich den Spagat geprobt, bis es klappte. "Das geht nur in ganz kleinen Schritten, und da muss man sich tatsächlich erst aufwärmen", erklärt er. Das sei aber auch das Schwierigste gewesen, so der 13-Jährige, der zu Beginn seiner Tänzer-Laufbahn auch "blöde Kommentare" schlucken musste. "Das ist doch was für Mädchen", meinten die Klassenkameraden. "Im ersten Jahr in der Schule war es krass", erinnert sich die Mutter Manuela Wegmann - bis ihr Sohn konterte: "Ich hab' 23 Mädels, und ihr?" Inzwischen kommen die Klassenkameraden zum Zuschauen, wenn er mit der Jugendgarde auftritt, und dann heißt es: "Hey Sebi, cool." Dass das so perfekt klappt, verdankt er auch seiner Trainerin Lisa Höpfl. "Von ihr hab' ich gelernt, wie's richtig geht, so mit Haltung und einem Lächeln, das Spaß vermittelt."

Erst vor zwei Jahren hat der Teenager dann so richtig das "Turnen im Tanzen" entdeckt. Statt auf einer weichen Matte trainiert er im Garten des Nachbarn, weil es da mehr Schatten gibt. "Und die Mama hat mich nicht gesehen", räumt der 13-Jährige mit einem verschmitzten Grinsen ein. "Ich hab mir bei all den Kunststücken nie richtig weh getan", beruhigt er die Mutter. Lampenfieber allerdings hat er reichlich kennengelernt. "Ich war so nervös, dass ich gezittert habe", beschreibt er den Druck vor dem großen Auftritt mit Partnerin Josie beim Nabburger Eröffnungsball. Auch wenn im Schulsport seit Jahren ein Einser drin ist, ganz zufrieden ist der junge Mann mit seiner Leistung als Akrobat noch nicht. "Das mit dem Überschlag ohne Hände, das klappt einfach nicht", kommentiert er das nächste anvisierte Ziel.

Make-up statt Fußball

Ob er beruflich einmal in der Welt des Sports landen will, steht für Sebastian noch in den Sternen. Mit Fußball jedenfalls hat er gar nichts am Hut. Viel eher noch lockt ihn eine weniger schweißtreibende Seite der Glamour-Welt: Er träumt von einem Job als Make-up-Artist. Etwas Taschengeld hat er jetzt schon in Schminke investiert - und nicht nur die Oma weiß seine Feinmotorik beim Lidstrich zu schätzen.

Einen Handstand legt der begeisterte Turner und Tänzer ohne Aufwärmen fast überall hin.
Sebastian Wegmann auf der Stadtmauer
Inspiriert von Jordan Matter:

Inspiriert von Jordan Matter

Auf die Idee zur Foto-Serie mit Sebastian Wegmann kam Freya Stöckl, nachdem sie Bilder von Jordan Matter gesehen hatte. Der amerikanische Fotograf war Schauspieler, bevor seine Karriere hinter der Kamera begann. Bekannt wurde er unter anderem durch Fotos von Tänzern im öffentlichen Raum. Luftsprünge in Parks, Ballett-Posen vor einem Linienbus oder in der U-Bahn oder ein Spagat auf einem Balkon in Manhattan: Mit solchen Bildern will er die Körper der Tänzer "feiern" und sie wie eine zeitgenössische Skulptur inszenieren. Auch das Brandenburger Tor diente dem New Yorker Fotografen als Hintergrund. Die Kulisse ist dabei mehr als Dekoration. Nach Aussagen des Künstlers soll sie die Furchtlosigkeit der Tänzer widerspiegeln, die sich mutig in eine meist kurze Karriere stürzen.

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