Nabburg
21.06.2019 - 11:20 Uhr

Altes Handwerk und rußige Gesellen

Seit sechs Wochen kräuseln sich Rauchschwaden im Mühlental des Freilandmuseums in Neusath. Ein Kohlenmeiler verwandelt 15 Ster Buche in feinste Holzkohle. Jetzt wird der Meiler geöffnet.

Köhler Anton Götz (links) ist mit der Arbeit zufrieden. Nach sechs Wochen kommt beste Holzkohle ans Tageslicht. Bild: bnr
Köhler Anton Götz (links) ist mit der Arbeit zufrieden. Nach sechs Wochen kommt beste Holzkohle ans Tageslicht.

Wer im Sommer gerne den Grill anzündet, wird eine gute Holzkohle zu schätzen wissen. Doch nur wenige machen sich darüber Gedanken, wie die Holzkohle hergestellt wird und wo sie herkommt. Dabei war Holzkohle bis vor rund 200 Jahren ein wichtiger Industrierohstoff für die Erzeugung von Eisen und Glas in der Oberpfalz. Ganze Wälder verschlangen die Hochöfen in Bodenwöhr und Weiherhammer. Die Hochöfen sind mittlerweile erloschen und für die Glaserzeugung findet Erdgas Verwendung. Der Beruf des Köhlers drohte auszusterben und in die Geschichtsbücher zu verschwinden.

Umso wichtiger ist es, dass das Oberpfälzer Freilandmuseum dieses alte Handwerk auch heute noch pflegt und für die Nachwelt erhält. Als vor 20 Jahren der erste Kohlenmeiler im Freilandmuseum aufgeschichtet wurde, war Anton Götz als Zimmerer im Museum angestellt. Von der ersten Minute an faszinierte ihn die Technik, die dabei notwendig war und die er sich von einem erfahrenen Köhler abschauen durfte. Über die Jahre hat er dieses Können perfektioniert und reichlich Erfahrung gesammelt. Gerne gibt der Köhler dieses Wissen an die Besucher des Museums weiter.

Die Arbeiten für den Betrieb eines Kohlenmeilers sind so aufwändig, dass nur alle zwei Jahre ein Kohlenmeiler angezündet wird. Bereits im Herbst des Vorjahres wird das Buchenholz abgesägt, gespalten und getrocknet. Die Technik des Meilerbaus war fast überall ähnlich und weicht je nach Landschaft nur wenig voneinander ab. Der Boden des Meilers wird sternförmig mit Rundhölzern ausgelegt und kreisrund mit Brettern bedeckt. In der Mitte dieser Platte wird der "König", ein stabiler Holzpfahl eingerammt, um den herum jetzt in zwei bis drei Etagen etwa ein Meter lange Holzscheite gestellt werden. Die Zwischenräume sind sorgfältig mit kleinen Holzstücken auszufüllen. Anschließend deckt der Köhler den etwa 15 Ster großen Holzhaufen erst mit frischem Fichtenreisig und darüber mit Erdreich luftdicht ab. Das Anzünden erfolgt dann von oben entlang des "Königs". Mit einem ausgeklügelten Luftzugsystem durch Öffnen und Schließen von Löchern im Erdmantel regelt der Köhler die Glut im Meiler. Der Holzstoß darf dabei nicht brennen, sondern nur glimmen, sonst verbrennt das Holz zu wertloser Asche. Drei Wochen dauert dieser Vorgang, und weitere drei Wochen sind zum Abkühlen des Meilers notwendig. In den drei Wochen, in denen der Meiler glimmt, wird er Tag und Nacht vom Köhler und seinen Gesellen bewacht. Nach dem Abkühlen werden die Kohlestücke in Papiertüten verpackt und im Freilandmuseum zum Kauf angeboten. "Die Säcke gehen reißend weg", weiß Anton Götz aus reichlicher Erfahrung.

Am Modell im Oberpfälzer Freilandmuseum wird das "Innenleben" eines Kohlenmeilers sichtbar. Bild: bnr
Am Modell im Oberpfälzer Freilandmuseum wird das "Innenleben" eines Kohlenmeilers sichtbar.
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