Nabburg
18.04.2022 - 12:53 Uhr
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Ambulante Pflegedienste ächzen unter hohen Spritpreisen

Sie müssen fahren, auch wenn der Benzinpreis durch die Decke geht: Die ambulanten Pflegedienste im Landkreis Schwandorf ächzen unter den hohen Kosten an der Tankstelle.

Da fließt er, der Kraftstoff, und die Kosten werden nicht ausgeglichen. Unter anderem treffen die ambulanten Pflegedienste die gestiegenen Spritpreise. Archivbild: Gabi Schönberger
Da fließt er, der Kraftstoff, und die Kosten werden nicht ausgeglichen. Unter anderem treffen die ambulanten Pflegedienste die gestiegenen Spritpreise.

Die gestiegenen Sprit-Kosten schlagen voll ins Kontor der ambulanten Pflegedienste. "Wir fahren die gleichen Kilometer wie vor dem Preissprung. Und wir bekommen keine Entlastung", sagt Gerhard Eilers, der Geschäftsführer der Caritas-Sozialstation Nabburg. Die Anfahrtspauschalen sind in Verträgen mit den Krankenkassen festgelegt. "Derzeit haben wir keine Möglichkeit, die Pauschalen anzupassen." So wie der Caritas ergeht es allen ambulanten Pflegediensten in der Region. Allein für den Landkreis Schwandorf listet das Landratsamt 31 Anbieter auf.

Günstigste Tankstelle suchen

Einer diese Anbieter ist der Pflegedienst "Die Ambulanten" in Pfreimd. Geschäftsführer Johann Troidl hat täglich rund 40 Fahrzeuge im Einsatz. "Uns bleibt nichts anderes übrig, als jeden Tag per Handy-App zu schauen, wo wir am günstigsten tanken können", berichtet er. Das Unternehmen versucht, die verschiedenen Routen seiner Mitarbeiter zu optimieren, um Kilometer zu sparen. Mehr sei momentan nicht drin. Jetzt rächt sich, dass der Pflegedienst in der Vergangenheit vor allem auf Diesel-Autos gesetzt hat. Diesel war ja bis vor wenigen Wochen immer günstiger als Benzin. Troidl kann kurzfristig nicht gegensteuern. Weder kann er auf die Schnelle den Fuhrpark austauschen, noch gibt es eine alltagstaugliche Infrastruktur für Elektro- oder Erdgasbetrieb. Und am Personal kann er schon gar nicht sparen. "Wir haben sowieso schon zu wenig Leute."

Den Pflegedienst-Anbietern bleibt nichts anderes übrig, als bei den nächsten Pflegesatzverhandlungen auf die kräftig gestiegenen Sachkosten hinzuweisen. Dann müssen die Krankenkassen mehr Geld für die Leistungen überweisen - am Ende zahlen das dann wieder die Versicherten. "Die Ambulanten" aus Pfreimd bieten auch Intensivpflege für Kinder an. In diesem Bereich handeln die einzelnen Unternehmen die Kostensätze mit den Krankenkassen selbst aus. Troidl hat den Vertrag mit der größten Krankenkasse AOK erst vor Kurzem abgeschlossen. Wenn die Preise weiter steigen, muss er warten bis Neuverhandlungen möglich sind.

Personal größeres Problem

Heftig erwischt hat es die Firma "Pflege Dahoam" aus Schönsee. Rund um die Stadt an der Grenze zu Tschechien gibt es besonders viele kleine Dörfer und Weiler. "Wir müssen sehr weite Strecken zurücklegen. Im Prinzip zahlen wir drauf", erklärt Chefin Diana Janda. Sie versucht, die Kosten mit einer naheliegenden Lösung zu drücken und schickt ihre Autos zum Tanken ins benachbarte Tschechien. "Wir denken schon regional", betont sie, "aber wir müssen auch auf uns schauen". Der Ausflug über die Grenze bleibt so oder so ein Tropfen auf den heißen Stein. Am Mittwoch war der Liter Diesel an der Tankstelle nach dem Grenzübergang Eslarn mit 1,89 Euro nur fünf Cent billiger als auf deutscher Seite.

Jasmin Wagner-Zilch betreibt in Schwarzenfeld die Ambulante Alten- und Krankenpflege mit 19 Angestellten und vier Fahrzeugen. Die Spritpreise belasten auch ihre Firma, aber sie hat noch andere, größere Sorgen. Die Unternehmerin findet kaum noch Fachkräfte, gleichzeitig nimmt die Bürokratie immer mehr zu. "Aufträge wären genügend da", sagt sie. "Aber ich viele ablehnen, weil ich zu wenig Leute habe." Über die hohen Kosten für Benzin und Diesel regt sie sich da gar nicht so sehr auf. "Die Schmerzgrenze ist hoch in der Pflege. Ich kenne das nicht anders, dass ich auf die Zahlen schauen muss." Sie hofft, dass die hohen Spritkosten bei den Neuverhandlungen der Kostensätze eingerechnet werden und dass dabei auch ein Lohnplus für die Beschäftigten berücksichtigt wird.

Hintergrund:

Ambulanter Pflegedienst

  • Angebot: Im Landkreis Schwandorf gibt es 31 Anbieter von ambulanten Pflegediensten (Stand März 2021).
  • Unternehmen: Es gibt große Anbieter wie das Bayerische Rote Kreuz oder die Caritas, aber auch viele kleinere privat geführte Firmen.
  • Kosten: Die Frage der Kostenübernahme ist von Fall zu Fall verschieden. Oft übernehmen Kranken- oder Pflegeversicherung einen Großteil. Auch ein Eigenanteil oder Zuschüsse kommen in Betracht.
  • Qualitätssicherung: Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung prüft Pflegeeinrichtungen und Pflegedienste regelmäßig.
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