08.11.2019 - 18:00 Uhr
NabburgOberpfalz

Anlieger der Krankenhausstraße sehen rot

Wohnsilos unerwünscht: Mit Transparenten wehren sich die Anlieger gegen ein Baugebiet "An der Krankenhausstraße", das sie als zu massiv empfinden. Die Mehrheit im Stadtrat verzichtet lieber auf eine optische Entscheidungshilfe.

Mit mehreren Transparenten machen die Anlieger in Krankenhaus- und Hallerstraße darauf aufmerksam, dass sie die geplante Bebauung viel zu massiv empfinden.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Nur eine halbe Stunde dauerte am Dienstag die Sitzung des Stadtrats. Genug Zeit, um das Baukindergeld aufzustocken, sich mit der Jahresrechnung für 2018 zu befassen und einen Antrag von CSU-Stadtrat Josef Pürner abzuschmettern. Der hatte gefordert, eine Entscheidung über den Bebauungsplan "An der Krankenhausstraße" zurückzustellen - so lange, bis der Investor auf dem 5300 Quadratmeter großen Areal vor Ort mit optischen Maßnahmen kenntlich macht, wie massiv dort die Bebauung ausfallen soll. Aktuell sind dort sechs Mehrfamilienhäuser mit 42 Wohnungen im Abstand von neun Metern geplant. Investor ist die Firma Ehrenreich aus Teublitz.

Pürner hatte moniert, dass ein im Stadtrat gefordertes Höhengerüst zur Verdeutlichung der Baupläne vor Ort nicht erstellt wurde und als Konsequenz verlangt, diesen "Dauerbrenner" bei der Sitzung des Stadtrats am 19. November nicht auf die Tagesordnung zu setzen. Sein Antrag zur Geschäftsordnung wurde aber mit Stimmen-Mehrheit von 13:6 abgelehnt.

Die Pläne für das Areal zwischen Krankenhaus- und Hallerstraße hatten in der Vergangenheit mehrmals für heiße Debatten gesorgt. Einen ersten Beschluss zur Aufstellung eines Bebauungsplan "An der Krankenhausstraße" gab es im Mai 2018. Im Flächennutzungsplan der Stadt war das Areal als Allgemeines Wohngebiet dargestellt. Für diese Baulücke sollten im beschleunigten Verfahren die planungsrechtlichen Voraussetzungen für die Errichtung von sechs Mehrparteienhäusern geschaffen werden, "um den steigenden Wohnbedarf nachzukommen und den Flächenverbrauch möglichst klein zu halten". Vor einem Jahr lagen die entsprechenden Pläne zum ersten Mal zur Einsicht und Stellungnahme aus. In der Folge war der Stadtrat mit heftigen Einwänden der Anlieger konfrontiert, die sich mit sieben kasernenartigen Bauwerken konfrontiert sehen (ein Baukörper ist etwa doppelt so groß wie die übrigen). Kritisiert wurden die Abstände zur bestehenden Bebauung, die Anzahl der Geschosse und die Verkehrssituation. Während die Gegner die "monumentale Höhe" der Bauwerke mit vier Geschossen anprangerten, hatte der Investor argumentiert, dass sich für die hier anvisierte Barrierefreiheit der Gebäude nur bei dieser Höhe ein Aufzug lohne. Teilweise hatte man drei Zufahrten anvisiert, schließlich wurden aber nur zwei als möglich erachtet. "Die Verkehrssituation wird noch chaotischer", auch davor warnen Anlieger seit etwa drei Wochen per Transparent mit Blick auf die viel frequentierte Krankenhausstraße und möglicherweise 85 Stellplätze in dem neuen Baugebiet.

"Bauernopfer"

"Wir fühlen uns als Bauernopfer für die Hirtenleite III", klagt Franz Weber stellvertretend für ein gutes Dutzend Anwohner, die mit 22 Transparenten gegen das Großprojekt mobil machen: Auf rund 5300 Quadratmeter wolle die Stadt in verdichteter Bauweise die lockere Bebauung im neuen, etwa 40 000 Quadratmeter großen Baugebiet ausgleichen - bei er ähnlichen Zahl von Wohnungen. "Das geplante Vorhaben wirkt sich für uns und für die anderen Nachbarn wie der Bau von sieben vierstöckigen Kasernenblöcken aus", so die Anwohner in einem Schreiben an die Stadträte. Sie wollten sich deshalb nicht mit einem Plan aus der Vogelperspektive zufrieden geben. Ein Lattengerüst, wie es in der Schweiz "bei jeder Garage Standard ist", sollte bei der Visualisierung helfen.

"Ausmaß" visualisiert

Weil der Investor dazu keine Anstalten machte, behalfen sich die Anwohner selbst, mussten ihre selbst gebaute Visualisierungshilfe nach Einschreiten des Grundstückseigentümers aber schnell in den eigenen Garten verlegen. "Viele haben den Kopf geschüttelt, als sie die Dimensionen gesehen haben", berichtet Barbara Weber, "Wenn das noch mehr Leute sehen würden, wären noch mehr dagegen." Nachbar Rudolf Kloiber ergänzt: "Wir haben nichts gegen eine Bebauung, aber gegen das Ausmaß." Ein Ausmaß, bei dem jede Ausnahme der Bayerischen Bauordnung zugunsten des Bauherrn ausgelegt werde.

Vom Demo-Gerüst der Familie Weber steht inzwischen witterungsbedingt nur noch eine einzige Holzlatte. Vom Investor war dazu keine Stellungnahme zu erhalten. Mit Bangen sehen die Anwohner nun der nächsten Entscheidung im Stadtrat am Dienstag, 19. November, entgegen. "Die Bürgermeister und Stadträte entscheiden, nicht das Landratsamt", machen die Anwohner deutlich. Vor allem eins kann Barbara Weber aus der Hallerstraße nicht verstehen: "Warum nur kann man hier partout keinen Kompromiss eingehen?"

Vor einer "noch chaotischeren Verkehrssituation in der Krankenhausstraße warnt dieses Transparent.
Keine "Wohnsilos": Auch das ist eine Forderung der Anlieger.
Mit Hilfe von Holzstangen hat Familie Weber die Höhe der geplanten Gebäude visualisiert, allerdings nach Einschreiten des Investors nicht im Baugebiet, sondern im eigenen Garten.
Info:

Unterschriften und eine Strafanzeige

Anwohner der Krankenhausstraße, Hallerstraße und Regensburger Straße haben eine Unterschriftenaktion gegen den Bebauungsplan "An der Krankenhausstraße" gestartet. "Wir sind dagegen, dass 7 Wohnblöcke mit je 4 Etagen und 42 Wohnungen mit circa 85 Stellplätzen auf circa 5300 Quadratmetern in der Krankenhausstraße gebaut werden", so der Text, der auch ein "Ja, zu einer Bebauung, die maßvoll ist und ins Stadtbild passt" beinhaltet. Gut 300 Unterschriften liegen nach Auskunft der Initiatoren inzwischen vor. Ein Nachspiel hatte inzwischen die "Installation" der Familie Weber, die zunächst auf dem noch unbebauten Grundstück des Investors erfolgt war: "Wir haben eine Strafanzeige bekommen und sollen die Kosten für die Entfernung der Holzteile durch die Bauarbeiter tragen", berichtet Barbara Weber. (bl)

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