Wer bei der Polizeiinspektion Nabburg einen Fall von Internetkriminalität melden will, ist bei der Arbeitsgruppe (AG) Cybercrime an der richtigen Adresse: Fünf Beamte haben sich hier vor eineinhalb Jahren zusammengefunden, um den immer raffinierteren Betrügern im Netz ihr Know-how entgegenzusetzten. Die Delikte reichen vom simplen Warenbetrug bis hin zum Identitätsdiebstahl oder dem großen Absahnen bei Geldanlagen. Die Täter zu ermitteln, das sei "langwierig und frustrierend", gesteht AG-Mitglied Felix Schlagenhaufer. Trotzdem reizt es ihn, gerade solche Fälle zu knacken.
Für Oberpfalz-Medien packen Schlagenhaufer und sein Kollege Klaus Großmann an einem Mittwochvormittag aus, was es da an Betrugsmaschen gibt. Die Bandbreite ist enorm. Vor 10 Uhr sind an diesem Tag schon zwei Anrufe eingegangen, die unter das Stichwort Cybercrime fallen: Eine Bank meldet einen Betrug bei einer Kontoeröffnung, eine Person will Anzeige erstatten, weil ein Anbieter im Internet schon allzu lange im "Lieferverzug" ist. "Diese Fälle beanspruchen inzwischen ein Fünftel unserer Kräfte in der Dienststelle", verdeutlicht Großmann.
Warenbetrug nimmt zu
Die Statistik der Polizei für Bayern untermauert die Dimension: 14.157 Fälle von Warenbetrug via Internet gab es 2013, 2017 waren es 21.533, im vergangenen Jahr dann 44.348. Auch die aktuellen Zahlen für den Bereich der PI Nabburg sprechen Bände. 243 Anzeigen im Bereich Cybercrime gab es dort im vergangenen Jahr. "Heuer sind es jetzt schon 200", betont die PI-Chefin, "und so ist die Tendenz überall, eine deutlich erkennbare Steigerung". Die Beamten haben nachgerechnet, wie viel Schaden da entstanden ist: Rund 144.000 Euro waren es im vergangenen Jahr, heuer ist die Summe mit 362.000 Euro jetzt schon doppelt so hoch. Nicht eingerechnet sind dabei Forderungen, in denen eine Finanztransaktion noch abgewendet werden konnte.
So manche Masche ist längst bekannt. Phishing beispielsweise, also der Versuch, über gefälschte E-Mails an Zugangsdaten zu kommen. Eher simpel ist der Fall, wenn Verkäufer einfach nicht liefern. "Es gibt Leute, die kaufen im Internet ein Auto ohne es gesehen zu haben", seufzt Schlagenhaufer. Auch bei Online-Bezahldiensten ist, je nach Wahl des Tarifs, das Geld unter Umständen weg. Da gibt es Täter, die sich unter einem fremden Namen bei Internet-Händlern einloggen und fleißig bestellen, während der Geschädigte lange nichts ahnt und erst spät durch Mahnungen aufmerksam wird.
Andere nutzen Computerprogramme, um durch puren Zufall auf Kreditkartennummern zu stoßen. "Das ist mir selbst auch schon passiert," berichtet Roidl. Nur durch die "nicht typische Abhebung von Kleinstbeträgen" sei ihrem Kreditinstitut der Betrug rechtzeitig aufgefallen. Wieder andere Täter hacken die Daten von Konzernen und kommen so vielleicht an ein Passwort, das nicht nur für die Fitness-App gilt, sondern auch für lukrativere Bereiche. "Deshalb nie das gleiche Passwort für verschiedene Sachen verwenden", so ein Tipp der Polizei, die hier nicht von Einzeltätern, sondern von gut organisierten Tätergruppen ausgeht. Gar nicht sollten allzu einfache Passwörter genutzt werden. "Aktuell wird empfohlen 16-stellige Passwörter zu verwenden", so Schlagenhaufer. Das schützt zumindest vor einem sogenannten Brute-Force-Angriff, bei dem die Täter quasi über zufälliges Ausprobieren schon Erfolg haben.
Noch immer Schock-Anrufe
Noch immer kursieren Schock-Anrufe, in denen ein Unfall vorgetäuscht wird. Es reicht ein einziges kompromittierendes Foto an der falschen Adresse, um Opfer von Sexpressing (Erpressung mit der Drohung beispielsweise ein Nacktfoto zu veröffentlichen) zu werden. "Gerade Pubertierende sollten daran denken, dass aus einem Freund auch ein Ex-Freund werden könnte", warnt Roidl. Erwachsene auf Partnersuche werden Opfer von "Social Engineering": Geschickt wird da eine Beziehung aufgebaut, die in eine Geldforderung mündet. Und selbst seröse Online-Shops sind nicht gefeit gegen einen sogenannten Dreiecksbetrug: Dabei bestellt ein Betrüger im Namen des Geschädigten, der Shop liefert – doch das Geld dafür landet beim Betrüger. "Auch die Fakeshops sind inzwischen so gut, dass man sie gar nicht auf den ersten Blick erkennt", merkt Großmann an.
Es ist vor allem ein Faktor, der die Ermittlungsarbeit der Polizei erschwert: die Zeit. Es vergehen Wochen, bis ein Betrug entdeckt wird. Oft ist die Speicherfrist für IP-Adressen dann abgelaufen. "Man bekommt zwar Auskunft von den Providern, aber auch das kann dauern", sagt Schlagenhaufer. "Der Täter hat zu viele Möglichkeiten, seine Identität zu verschleiern." Stößt man am Ende der Kette auf einen Ausweis, so ist dieser oft gefälscht oder geklaut - eine Sackgasse. Dazu kommen unterschiedliche Rechtsbestimmungen, wenn das Ausland involviert ist. Doch es gibt auch Erfolge: Für drei Täter aus dem PI-Bereich gab es heuer schon eine Quittung vor Gericht, in einem Fall sogar eine Freiheitsstrafe..
Inzwischen rüstet auch die Polizei mit Expertenwissen auf, allerdings nebenher zur Schichtarbeit. Beispielsweise eine Kreuztreffer-Suche könnte Erfolg bringen. "Das ist viel Klein-klein-Arbeit, man schüttelt das nicht aus dem Ärmel", gibt Roidl zu bedenken und verweist dabei auch auf Fach-Kommissariate, wie sie für Fälle mit Kryptowährung gebildet wurden. Auch wenn die Suche nach den Betrügern im Netz mühsam ist: "Der kriminalistische Spürsinn ist geweckt", sagt die Nabburger PI-Chefin mit Blick auf das fünfköpfige Team in Nabburg, das aktuell noch eher Pionierstatus hat. Den Spürnasen bei der Polizei bliebe aber schon viel Arbeit erspart, wenn ihre Präventionstipps beherzigt würden. Ganz oben auf der Liste steht ein Warnhinweis für alle Schnäppchenjäger: "Gier frisst Hirn".
Wie kann ich mich schützen?
- "Gier frisst Hirn": Große Preisunterschiede sollten skeptisch machen
- Impressum überprüfen
- Vorsicht bei ausländischen Bankverbindungen
- Internet-Recherche nutzen
- Virenschutz aktualisieren
- Passwörter ändern (16 Stellen empfohlen)
- Keine Ausweise hochladen/abfotografieren
- Hacking prüfen: über die Internet-Seite haveibeenpwned.com
kann geprüft werden, ob über Firmen persönliche Daten geleakt wurden (Quelle: AG Cybercrime der Polizei Nabburg)



















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