31.07.2019 - 14:10 Uhr
NabburgOberpfalz

Betriebsräte zeigen sich besorgt

Der Kelch ist nocheinmal vorbei gegangen. Aber was bringt die Zukunft? Nach Werksschließungen von Kennametal in Deutschland ist man in den drei Oberpfalzer Betrieben des Konzerns alarmiert. Die Prognosen sind nicht überall gut.

Udo Fechtner (IG Metall, rechts) und Betriebsräte der Kennametal-Werke in Nabburg und Vohenstrauß äußerten sich nach Betriebsversammlungen in den drei oberpfälzischen Standorten besorgt über die Strategie des Mutterkonzerns, dessen Sitz in den USA ist.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Kennametal kommt nicht aus den Schlagzeilen - weder in der Region noch überregional. Erst vor wenigen Wochen ging es um 56 Stellen bei Kennametal FineMachining (ehemals Rübig) in Nabburg, die nicht zu retten waren. Neuerdings heißt es "Werke werden geschlossen" für die Produktions-Standorte in Essen (400 Beschäftigte) und dem fränkischen Lichtenau (130) sowie auch für das Logistikzentrum Neunkirchen im Saarland (90).

Arbeitnehmer nervös

Dieses rigorose Vorgehen der Konzernspitze im amerikanischen Pittsburgh macht die Beschäftigten in der Oberpfalz nervös, auch wenn für sie keine unmittelbare Gefahr zu drohen scheint. Am meisten bedrückt zeigt sich bei einer Pressekonferenz von IG Metall und Betriebsräten aus den drei Oberpfälzer Standorten Wolfgang Zirwick. Er ist der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende von Kennametal FineMachining und er sieht, nicht nur wegen dem jüngsten Stellenabbau, "keine Chance" mehr. "In zwei bis drei Jahren ist der Standort mehr als gefährdet", unkt Zirwick. Er kann sich noch gut an Zeiten erinnern, als bei Kennametal FineMachining über 300 Kollegen beschäftigt waren - 2006 war das. Jetzt sind es nur noch 156. Der Pessimismus Zirwicks rührt daher, dass Kennametal FineMachining fast ausschließlich mit Sonderanfertigungen auf Kundenwunsch beschäftigt ist. "Aber daran wird zu wenig verdient, das ist zu kompliziert", urteilt er.

Vorsichtig optimistisch sind hingegen Markus Baierl (Betriebsratsvorsitzender in Vohenstrauß) und Betriebsratsvorsitzender Franz Forster vom Kennametal-Werk links der Naab in Nabburg (ehemals Hertel). Vohenstrauß mit seinen derzeit 370 Beschäftigten soll sogar noch ausgebaut werden, heißt es. Beim früheren Hertel ist die Beschäftigtenzahl tendenziell sinkend und liegt derzeit bei 260. "Auch bei uns wird investiert, aber auch automatisiert", berichtet Franz Forster, der durch die Automatisierung weiteren Stellenabbau befürchtet. "Wir ziehen gerade eine Umstrukturierung durch und hoffen, zu überleben", beschreibt es Forster.

Eventuell Warnstreiks

Udo Fechtner, der zweite Bevollmächtigte der IG Metall Amberg, der am Dienstag alle Betriebsversammlungen in den drei regionalen Standorten besucht hat, weist mit Nachdruck darauf hin, dass Kennametal eigentlich sehr gut mit den Werken verdiene, vergleichsweise sogar besser als BMW. "Aber denen geht es um Gewinnmaximierung und Margenstrategie", bedauert der Gewerkschafter, der hier eine "America First"-Gesinnung des überseeischen Managements walten sieht.

Was also tun? "Zunächst ist es uns wichtig, Solidarität mit den Werken zu zeigen, die geschlossen werden", sagt Fechtner. Im übrigen erwarte nicht nur er Aussagen darüber, wie es an den übrigen Kennametal-Standorten weitergehen soll. "Meine Befürchtung ist, dass sie die tariflichen Leistungen einschränken wollen." Für Ende August wünscht sich die Gewerkschaft eine zusätzliche Aufsichtsratssitzung in Fürth, eventuell begleitet von einer Demonstration oder Warnstreiks.

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.