19.11.2021 - 17:01 Uhr
NabburgOberpfalz

Wer boostern will, muss Glück haben - oder anderswo suchen

Die Booster-Kampagne der Bundes- und Staatsregierung trifft vor Ort auf Probleme. Deutlich wird das im Impfzentrum des Landkreises Schwandorf. Neue Termine gibt es kaum. Der Landkreis empfiehlt, sich die Spritze anderswo zu holen.

Vor dem Impfzentrum in Nabburg bilden sich regelmäßig Schlangen. Hier warten Menschen auf ihre Erst- oder Zweitimpfung.
von Julian Seiferth Kontakt Profil

Der Weg zum Impftermin ist eigentlich ganz klar: Ging er bis vor kurzem überwiegend zu den Hausärzten, wurden mit Beginn der Booster-Kampagne auch die Impfzentren wieder hochgefahren. Doch genau dort stockt es jetzt im Landkreis Schwandorf. Darauf deuten Anrufe hin, die seit Tagen in der Redaktion von Oberpfalz-Medien ankommen.

Tagelang habe sie versucht, über das Online-Portal der Bayerischen Impfzentren an einen Booster-Termin Ende November oder Anfang Dezember zu kommen, erzählt eine Leserin. Da liefen bei ihr die sechs Monate seit der Zweitimpfung ab. Keine Chance, also nächster Versuch, diesmal telefonisch. Auch hier kein Termin, aber immerhin eine Ansage: Sie möge sich Anfang Dezember nochmals melden, vorher gebe es keine Termine, auch nicht die Möglichkeit, einen auszumachen. Die Geschichten gleichen sich, auch andere Leser schildern ähnliche Erfahrungen. Der Tenor: Termine für die Drittimpfung sind zumindest im November nicht mehr zu kriegen. Laut einer Mitteilung von Pressesprecher Hans Prechtl aus der vergangenen Woche vergibt der Landkreis nur Termine für die direkt folgenden Tage, um das System nicht zu überlasten.

Der Impftermin ist Glückssache

Ob es dann besser wird? Manuel Lischka, Leiter des Impfzentrums und stellvertretender Pressesprecher des Landkreises, macht wenig Hoffnung. Das Impfzentrum arbeite jetzt schon über die Kapazitätsgrenze hinaus, "150 Prozent", sagt Lischka. "Wir fahren hoch, stellen Mitarbeiter ein und es ist trotzdem zu viel." Ein Beispiel: Freitagmorgen stellt das Impfzentrum 200 neue Termine frei. Es dauert keine 20 Minuten, bis die besetzt sind. Zufällig und mit viel Glück genau eines dieser Fenster zu treffen, ist die einzige Chance, aktuell einen Termin in Nabburg zu bekommen. Längere Zeiträume sind für die Booster-Impfungen gar nicht verfügbar, weil das Impfzentrum bestimmte Tageszeiten für Erst- und Zweitimpfungen freihält. Das werde gut angenommen, sagt Lischka. Vor dem Impfzentrum bildeten sich lange Schlangen. "Das ist eine gute Nachricht." Spontan-Termine für Booster-Impfungen sind in Nabburg nicht vorgesehen.

Der Pressesprecher sieht rund um die Impfzentren ein fundamentales Missverständnis in der Bevölkerung. "Die Impfstrategie in Bayern ist nicht mehr die vom Beginn des Jahres. Impfzentren sind gedacht als Ergänzung, die Kapazitäten liegen inzwischen bei den Hausärzten. Wenn man sich die Diskussion so ansieht, könnte man meinen, es sei umgekehrt."

Flut von Anrufen

Darüber hinaus würde das Impfzentrum mit Anrufen überschwemmt. "Es gibt keine Parallelstruktur: Wenn online nichts geht, dann haben wir auch telefonisch keine Termine."

Es ist eine paradoxe Situation: Während in der vierten Welle der Pandemie viele mit der Nicht-Bereitschaft der Ungeimpften hadern, ist das Problem in Nabburg, dass auf der anderen Seite die Nachfrage der bereits Geimpften nach der dritten Dosis das Angebot übersteigt. Wer sich vor Ort schwer tut, dem macht Lischka einen Vorschlag. "Es gibt keine Wohnort-Bindung mehr. Ich kann mir jedes Impfzentrum im Freistaat auswählen und dort nach einem Termin schauen." Viel Erfolg prognostiziert er dabei nicht: "Millionen von Menschen in Bayern wollen geimpft werden. Die Ressourcen sind überall knapp."

Doch eine Stichprobe vom Freitagnachmittag ergibt: In fast allen umliegenden Landkreisen wird ein Terminvorschlag gemacht. In Amberg, Cham und Regensburg werden Termine angeboten – wenn auch mit teils langen Wartezeiten. In Weiden läuft es zumindest bis Dienstag anders: Wer Interesse hat, soll zur Impfung vorbeikommen.

Vor rund zwei Wochen sah sich der Landkreis noch bereit für die Booster-Kampagne

Schwandorf

"Wenn online nichts geht, dann haben wir auch telefonisch keine Termine."

Manuel Lischka, stellvertretender Pressesprecher des Landkreises

Manuel Lischka, stellvertretender Pressesprecher des Landkreises

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Achim Bühl

Hinter den Anfragen der Bürger in den Impfzentren liegt kein Missverständnis, sondern ebenfalls erschöpfte Kapazitäten der Hausärzte. In einer anderen Gegend Bayerns wurde meinem Vater in der eigenen Hausarztpraxis ein Termin im Februar (!!) angeboten. Fast paradox ist meiner Auffassung nach der Rat, es anderswo in Bayern zu versuchen. Wenn Bürger so nachdrücklich zur Impfung aufgefordert werden, muss auch die entsprechende Logistik geschaffen werden.

20.11.2021