20.08.2018 - 16:29 Uhr
NabburgOberpfalz

Borkenkäfer "verhitzen"

Hubert Amode geht davon aus, dass sich bis Anfang Oktober die dritte Borkenkäfergeneration in den Wäldern breitmacht. Ziel sei es, den akuten Befall größtenteils abzuschöpfen.

In einem Waldstück zwischen Neusath und Mitteraich stieß Reinhard Kreußel bei einer Begehung auf ein Borkenkäfernest. Auf einer Fläche von rund 1500 Quadratmetern mussten 45 für Fichten geschlagen werden. Der Geschäftsführer (rechts) der Waldbesitzervereinigung (rechts) entfernte an einem Beispielbaum mit einem Schäleisen Rindenteile und demonstrierte den deutlichen Befall auf der Innenseite der Borke.

Die Borkenkäfersituation im August 2018 weist für zwei Drittel der Wälder Bayerns eine "Gefährdungsstufe mit akutem Befall" aus. In den 7500 Hektar Privatwald, die Revierleiter Hubert Amode in Raum Pfreimd betreut, sind 1000 Festmeter befallen. Im Süden des Landkreises ist der Druck noch stärker. "Was sollen wir tun?" Bei einem Ortstermin informierte die Waldbesitzervereinigung Nabburg/Burglengenfeld (WBV) über die Lebensweise des "Buchdruckers" und "Kupferstechers". Sie überwintern in allen Entwicklungsstadien als Larven, Puppen und erwachsene Käfer vorwiegend unter der Rinde befallender Bäume. Idealer Anschauungsort war eine 30 mal 50 Meter große, befallene Waldfläche zwischen Neusath und Mitteraich. Hier mussten etwa 45 Fichten gefällt werden.

"Wegen der anhaltenden Trockenheit und extrem hohen Temperaturen leiden unsere Wälder unter enormen Wassermangel. Vor allem die Fichte ist momentan den verschiedenen Borkenkäferarten fast schutzlos ausgeliefert", schickte Reinhard Kreußel, Geschäftsführer der WBV, voraus. Beim Ortstermin wollte man den zahlreich erschienenen Waldbesitzern zeigen, wie der Befall frühzeitig erkannt und wirkungsvoll bekämpft werden kann. Auf der von einem Harvester geschlagenen Schneise war der Käfer am 20. Juli entdeckt und eine Woche später der Kahlschlag begonnen worden. Der Befall muss erkannt und die Behandlung eingeleitet werden, so das Fazit der beiden Waldexperten. Aufgrund des gesättigten Holzmarktes empfiehlt es sich, mit dem Verkauf zu warten und das Holz sachgerecht zu lagern, bis die Preise wieder günstiger sind.

Die regelmäßige Kontrolle der Fichtenbestände von April bis August mindestens einmal monatlich ist von entscheidender Bedeutung, erklärte Hubert Amode vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), zuständig für das Forstrevier Pfreimd. Alarmzeichen sind der Auswurf von braunen Bohrmehl, das sich am Stammfuß, in Rindenschuppen, Spinnweben und auf der Bodenvegetation sammelt. Spechtabschläge, Harztropfen, in denen sich Käfer finden, einsetzende Kronenverfärbung, abfallende Rindenstücke oder der Nadelverlust der Krone im grünen Zustand weisen auf späte Befallskennzeichen hin.

Hubert Amode unterstreicht: Es reiche nicht, die dürren Bäume zu fällen. Das Auge der Waldbesitzer müsse sich ebenso auf das grüne Umfeld richten. Auch diese scheinbar intakten Bäume müssen nach Befallsmerkmalen abgesucht werden. Bei der Bekämpfung sind mechanische Verfahren vorzuziehen. Die umgehende Aufarbeitung befallener Fichten ist die wichtigste Sofortmaßnahme. Das Holz sollte auf Lagerplätze außerhalb des Waldes - unter Beachtung eines Mindestabstandes - gefahren werden. Sollte ein Abtransport nicht möglich sein, wird entrindet - zum Beispiel mit dem Schäleisen. Beim Vorfinden "fertiger" Jungkäfer müsse die geschälte Rinde verbrannt werden. Doch bei Waldbrandstufe vier bis fünf sei das nicht möglich. Hubert Amode empfiehlt, die Rinde auf einem Haufen zu sammeln und mit Hilfe einer schwarzen Plane zu "verhitzen". Die staatlichen Forstämter und ihre Forstdienststellen bieten den Waldbesitzern, die gesetzlich zur Entfernung von befallenem Holz verpflichtet sind, eine individuelle und unentgeltliche Beratung an.

Dieses Brutbild des Buchdruckers in einer abgeschälten Rinde zeigt zwei Muttergänge mit rechtwinkelig abzweigenden Larvengängen. Der fünf Millimeter lange Käfer bevorzugt dickere Fichtenstämme oder Stammteile.

Hintergrund:

Früher gehörte der Wald zur Hofstelle. Das hat sich laut Hubert Amode geändert. Verwandte, die zum Teil gar nicht mehr in der Region wohnen, haben Flächen geerbt. Recherchearbeit für die Forstämter, wenn sie bei Käferbefall den Waldbesitz zuordnen sollen. Und den Eigentümern fehlt auch oft die Sachkenntnis. Forstämter und Waldbesitzervereinigung geben Hilfestellung. Sie beraten auch im Einzelfall über standortgeeignete Baumarten.

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