24.03.2021 - 17:27 Uhr
NabburgOberpfalz

Dekane setzen auf einheitliche Regeln zu Ostern: Gottesdienste möglichst in Präsenz

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Die Bitte der Staatsregierung, auf Präsenz-Gottesdienste zu Ostern zu verzichten, hat die Kirchen überrascht. Die katholischen Dekane hoffen auf einheitliches Vorgehen - und bereiten sich auf das Fest vor.

Am Osterfeuer wird die Osterkerze entzündet, das ist ein Höhepunkt der Osternacht wie hier in Oberviechtach 2019. Ob in diesem Jahr Gottesdienste mit den Gläubigen gefeiert werden, darüber wird noch entschieden.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Monsignore Hans Amann hörte von der Aufforderung am Dienstag früh. "Achselzuckend und mit Kopfschütteln", so habe er auf die Nachricht reagiert, dass Kirchen auf Präsenz-Gottesdienste zu Ostern verzichten sollen, sagte der Schwandorfer Dekan den Oberpfalz-Medien. Er hätte sich gewünscht, dass mit den Kirchen gesprochen worden wäre, bevor die in der Nacht zum Dienstag beschlossene Aufforderung verlautbart wurde. "Das ist schlechter Kommunikationsstil", sagte Amann, "man kann ja über vieles reden."

Die Art der Kommunikation werde der Sache nicht gerecht - schließlich betreffe die Bitte das christliche Hochfest. Er setzt darauf, dass das katholische Büro - die Vertretung der bayerischen Diözesen bei Landtag und Staatsregierung - in entsprechenden Gesprächen für Klarheit sorgt. "Ich gehe aber nicht davon aus, dass die Osterfeiern verboten werden", sagte Amann. Die Gemeinden hätten Hygiene- und Abstandsregeln bei den Gottesdiensten gut im Griff. "Am Donnerstag schreibe ich den Kirchenanzeiger für Ostern", so der Dekan. Das Programm könne zwar "auf das Kerngeschehen" gestrafft werden, die wichtigsten Gottesdienste sollten aber stattfinden. Auch wenn etwa der Palmsonntag ohne Prozession und Karfreitag ohne gemeinsamen Kreuzweg gefeiert würde, im Sinne des Infektionsschutzes.

"Wir glauben an die reale Anwesenheit Christi im Gottesdienst", so der Monsignore, deshalb sei die reale Präsenz der Gläubigen ebenso bedeutend. Natürlich gebe es Gläubige, die nicht teilnehmen können, die könnten den Gottesdiensten in TV oder Radio folgen. Die Kirche stelle auch Wege für den Gottesdienst daheim bereit. Und ein Osterspaziergang in erlaubtem Umfang könne auch eine persönliche Andacht in der Kirche umfassen. "Der Mensch ist Leib und Seele", sagte Amann, "und auch die Seele braucht Nahrung." Gerade das Osterfest biete Anlass zur Hoffnung und Zuversicht.

Möglichst einheitlich

"Ich war sehr überrascht von der Bitte, zumal Gottesdienste ja nicht als Problem erschienen," sagte Dekan Alfons Kaufmann (Neunburg-Oberviechtach). Er gehe davon aus, dass das Bistum eine einheitliche Regelung findet, nach Gesprächen mit der Staatsregierung. "Alles abzusagen, wäre nicht gut", meinte Kaufmann. Die Regelungen mit Abständen, Masken und dem Verzicht auf den Volksgesang würden eingehalten - deshalb gehe er auch davon aus, dass die Osterfeiern mit Präsenz der Gläubigen nicht gestrichen werden. "Ich halte das für ausgeschlossen", so Kaufmann.

Auch die Gemeinden im Dekanat Nabburg warten auf die Reaktion des Bistums. Dekan Michael Hoch (Pfarrei Dürnsricht-Wolfring) zeigte sich wie seine Amtskollegen überrascht von der Aufforderung aus Berlin, die Ministerpräsident Markus Söder noch am Dienstag eher als Bitte auslegte.

Reale Präsenz wichtig

"Das muss dann bayernweit einheitlich funktionieren", sagte Hoch. Der Infektionsschutz in den Gottesdiensten sei monatelang eingeübt. In seiner Pfarrei werden Gottesdienste zwar nicht ins Netz, dafür aber in benachbarte Räume wie das Jugendheim oder die Sporthalle übertragen, um den Gläubigen möglichst viel Platz und Abstandsmöglichkeiten zu bieten. Dort wird dann auch die Kommunion verteilt. Der Pressesprecher der Diözese, Clemens Neck, verweist auf laufende Gespräche: "Feststeht, dass die Kirche die Karwoche und Ostern feiern wird. Über die Rahmenbedingungen gibt es gerade Gespräche zwischen Kirche und Freistaat."

Im evangelisch-lutherischen Dekanat werde das Vorgehen intensiv diskutiert, berichtete Pfarrerin Heidi Gentzwein. Das Stimmungsbild sei eher "halb, halb", was den Verzicht auf Ostergottesdienste anbetreffe, sagte sie am Rande einer laufenden Videokonferenz zu dem Thema. "Das letzte Wort hat der Kirchenvorstand jeder Gemeinde", sagte die Schwarzenfelder Pfarrerin. Das Schwarzenfelder Gremium sollte laut Gentzwein darüber am Mittwochabend beraten.

Leere Kirchen zu Ostern? Nach der Bitte der Staatsregierung eine mögliche Folge, über die allerdings noch nicht entschieden ist.
Hintergrund:

Ostern: Das höchste Fest der Christenheit

  • Ostern ist das höchste Fest der Christenheit. Es wird in den Westkirchen am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond gefeiert.
  • Die Karwoche beginnt mit dem Palmsonntag, der an den Einzug Jesu in Jerusalem erinnert.
  • Am Gründonnerstag gedenken die Christen des letzten Abendmahls Jesu mit den Aposteln am Vorabend der Kreuzigung.
  • Das Gedenken an das Leiden und Sterben Jesu Christi am Kreuz prägt die Karfreitagsliturgie.
  • Karsamstag gilt als "Tag der Grabesruhe des Herrn".
  • Die Osternacht zum Ostersonntag gilt als Zeit des Wachens und Betens und bereitet auf die Feier der Auferstehung Jesu vor.
  • Der Ostersonntag steht ganz im Zeichen der Auferstehung und ist der höchste christliche Feiertag im Jahr.
  • Ostermontag gehört zum Hochfest Ostern. Das Evangelium erinnert an den Emmausgang, an dem der Auferstandene zwei Jüngern erscheint.

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