19.09.2019 - 09:52 Uhr
NabburgOberpfalz

Demenz: Fähigkeiten fördern

"Wer sich verletzt hat, lässt sein krankes Bein massieren", sagt Barbara Romero. "Bei der Demenz ist es genau umgekehrt." Bei diesen Patienten sollte man versuchen, um im Vergleich zu bleiben "das gesunde Bein zu pflegen".

Barbara Romero (rechts) stellte beim Demenz-Forum die von ihr entwickelte Selbsterhaltungstherapie vor.
von Rudolf Hirsch (RHI)Profil

Die gebürtige Polin Barbara Romero hat in Warschau studiert, einen deutschen Mann mit spanischen Wurzeln geheiratet und am Alzheimer-Therapiezentrum Bad Aibling die sogenannte Selbsterhaltungstherapie (SET) entwickelt, die sie beim Demenz-Forum am Mittwoch im Freilandmuseum Neusath vorstellte. Zuhörer waren Mitarbeiter in Heimen und Krankenhäusern, pflegende Angehörige und Vertreter des Demenz-Netzwerkes "DeNiS". Bei Alzheimer-Patienten gingen "handwerkliche und akademische Fähigkeiten" unwiederbringlich verloren, erklärt Barbara Romero. Es mache überhaupt keinen Sinn zu versuchen, das Vergessene zurückzuholen.

Musik aus Jugendzeit

Die Wissenschaftlerin warnt das pflegende Personal, Druck auf den Patienten auszuüben, denn: "Der Betroffene fühlt sich provoziert, wird aggressiv oder resigniert". Der umgekehrte Weg sei zielführender. Bei der Selbsterhaltungstherapie gehe es darum, die noch vorhandenen Fähigkeiten zu fördern und für das Zusammenleben in der Gemeinschaft zu nutzen. Barbara Romero spricht von einer "wertschätzenden Kommunikation". Mit Musik aus der Jugendzeit ließen sich Erinnerungen wecken, die man wiederum nutzen könne für die Alltagsbewältigung. Romeros Therapieansatz stellt die Anpassung des sozialen und materiellen Umfeldes an die Bedürfnisse des Demenz-Erkrankten und die optimale Nutzung seiner Fähigkeiten ins Zentrum. Es geht um angepasste Kommunikation, Alltagsgestaltung und Erinnerungsarbeit.

"Kino-Nachmittag"

Mit dem Vortrag eröffnete das Netzwerk "DeNiS" ein Demenz-Forum, zu dem am Donnerstag auch ein Tanznachmittag für Demenz-Kranke und deren Angehörige im Turmrestaurant Obermeier gehörte. "Vom Fuchs, der den Verstand verlor" und "Apfelsinen in Omas Kleiderschrank" heißen zwei Filme, die "DeNiS" am Freitag, 20. September, ab 14 Uhr in den Räumen des Caritas-Kreisverbandes zeigt. Beide Filme erzählen von einer beginnenden Demenz. Der "Kino-Nachmittag" richtet sich an Angehörige von Demenz-Patienten. Eine Gesprächsrunde schließt an.

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