28.06.2020 - 13:37 Uhr
NabburgOberpfalz

Edelmannshof mit neuem Strohdach

Wie man ein Strohdach richtig deckt,diese Kunst beherrschen heute nur noch wenige. Anton Götz ist einer, der weiß wie das funktioniert. Am Edelmannshof erneuert er gerade eine 78-Quadratmeter-Fläche. Das ist alles andere als ein Kinderspiel.

Mit der „Patsche“, wie Anton Götz das selbstgebaute Werkzeug nennt, klopft er das Stroh in die richtige Form.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

Strohdächer sehen wir heute nur noch selten. Die Nebengebäude des Edelmannshofs im Perschener Bauernmuseum haben allerdings noch eins. Ein Teil der Dachfläche war mittlerweile so stark verwittert und dünn, dass jetzt ein neues her muss. An der Stelle kommt Anton Götz ins Spiel. Er ist einer der wenigen, die noch wissen, wie so ein Dach verlegt wird. Einfach ist das nicht. Das Werkzeug, das er dafür braucht, musste er sich zum Teil erst anfertigen lassen oder selber bauen. "Learning by doing", antwortet er auf die Frage, woher er das eigentlich kann. "Ich habe mir das selber beibringen müssen. Vor fünf Jahren haben wir zum ersten Mal ein Strohdach im Freilandmuseum in Neusath gedeckt. Zuvor habe ich schon öfter mal die Dächer ausgebessert und sie hier und da auch mal geflickt", sagt er. Eine ganze Fläche zu decken sei aber noch einmal eine ganz andere Hausnummer.

Im Winter gedroschen

Derzeit ist der Zimmerer zusammen mit Dachdecker Johannes Hiesl dabei, eine Fläche von 78 Quadratmetern neu zu decken. Er schätzt, dass das vier bis fünf Wochen dauern wird. "Wir können natürlich nur bei schönem Wetter arbeiten", sagt Götz. Dabei hatte es schon die Vorbereitung in sich. "Das schwierigste ist erst mal, das Stroh her zu bekommen", sagt der Zimmerer. Denn für das Dach eigne sich nur langes Roggenstroh, das mit der Hand gedroschen wurde. Einen Teil hat er im Ausland gekauft, der Rest stammt aus dem eigenen Anbau aus dem Freilandmuseum. "Wir haben im Winter alleine ein paar Wochen lang gedroschen", sagt er. Der zugekaufte Teil hätte eigentlich schon fertig geliefert werden sollen, war laut Götz aber "nicht richtig ausgedroschen". Über jede Lage Stroh legen die Männer einen Haselnussstecken, der mit einem Draht im Abstand von 20 Zentimetern fest an die Dachlatten gebunden wird. Wenn alle Schichten drauf sind, ist das Dach 30 Zentimeter dick. Dabei ist es erstaunlich, wie dicht ein Strohdach wird. "Der Teil, der oben so stark angewittert ist, geht nicht weiter runter als fünf Zentimeter", erklärt Götz. Dass durch das Dach kein Wasser komme, sehe man an den Dachlatten, die 15 Jahre alt sind, aber wie neu aussehen.

Nicht gerade pflegeleicht

Das Strohdach, so Götz, ist alles andere als pflegeleicht. "Wir müssen regelmäßig das Moos runterputzen. Die ärgsten Feinde sind neben dem Wetter Mäuse und Vögel, die die Halme rausziehen." Dementsprechend oft müsse er auch zum Nachbessern rauf. Der Teil, den er zusammen mit seinem Kollegen derzeit erneuert, ist relativ klein im Verhältnis zum Dach. Doch mehr ist gerade nicht drin. "Wir können gar nicht so viel Stroh herbekommen. Der Rest muss noch ein bisschen halten", sagt er. 15 Jahre sind die Strohdächer des Edelmannshofs schon alt. Bei guter Pflege halten sie laut Götz bis zu 25 Jahre.

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