27.03.2020 - 20:02 Uhr
NabburgOberpfalz

Einkaufs-Service schützt vor Ansteckung

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

"Bleiben Sie daheim" lautet derzeit die wichtigste Devise. Damit sich Senioren und Kranke im Supermarkt nicht mit dem Coronavirus anstecken, übernehmen Einkaufsdienste die Besorgungen. Auch mobile Verkaufsstellen boomen.

Sabine Forster von der KLJB Saltendorf hat für das Ehepaar Klein eingekauft. Sie stellt den Einkaufskorb auf die Steinmauer (links) und nimmt von dort das abgezählte Geld für die Waren mit.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Verkäuferinnen verstehen die Welt nicht mehr: Kinder und Enkel schränken Besuche bei den Großeltern ein, um sie nicht anzustecken - aber in den Läden trifft sich die Risikogruppe mit Rollator und Gehstock zum Plausch. Besonders für alte Leute ist es schwierig, ihre Gewohnheiten und die Selbstständigkeit aufzugeben. Doch das Risiko, schwer an dem Coronavirus zu erkranken, und damit die Krankenhauskapazitäten zu überfordern, ist bei ihnen besonders hoch.

Jugendtreff Nabburg am Start

Wer kann, sollte die Hilfsbereitschaft der Jüngeren annehmen. Mittlerweile gibt es im gesamten Landkreisgebiet Vereine und Einzelpersonen, welche ehrenamtlich Botendienste zu Supermärkten und Apotheken übernehmen. "Wir organisieren in dieser Ausnahmesituation eine Nachbarschaftshilfe", sagt die Nabburger Jugendbeauftragte Heidi Eckl. Der erste Auftrag beim Jugendtreff ging schon am 19. März ein. Drei Jugendliche unterstützen als "Fahrradkuriere" und bringen kleinere Sachen, wie Brot und Semmeln. Erwachsene mit Auto kümmern sich um größere Einkäufe und um die Dörfer, wie eine Helferin in Tauchersdorf. Auch die Nachbarschaftsinitiative Trausnitz sowie die Nachbarschaftshilfen Pfreimd und Fensterbach bieten ihre Unterstützung an, damit die Gefahr einer Infektion verringert werden kann. "Der persönliche Kontakt wird dabei absolut vermieden", berichtet Heidi Eckl. Darauf achtet auch der Einkaufsdienst der KLJB Saltendorf. Die Bürger in Saltendorf, Damelsdorf und Friedersdorf fanden am Montag einen Flyer der Landjugend im Postkasten: Menschen ab 55 Jahren mit Vorerkrankung können sich bei Sabine Forster und Simon Schloßer melden. Prompt kam am Dienstagmorgen der erste telefonische Auftrag. Vor dem Hauseingang der Familie Klein in Saltendorf holte Sabine Forster den Einkaufskorb mit Einkaufszettel ab und besorgte die Lebensmittel. Fünf Minuten vor der Lieferung gab sie telefonisch den zu zahlenden Betrag durch, der dann schon auf der Mauer im Kuvert bereitlag. Sie stellte den Korb mit den Lebensmitteln ab und das Ehepaar Klein winkte ihr vom Fenster aus zu - voller Freude über die unverzügliche kontaktlose Lieferung.

Keine Anfrage in Oberviechtach

"Manche Anrufer haben bereits vorher beim Metzger oder Bäcker bestellt und bitten uns nur um die Abholung", berichtet Heidi Eckl, Dritte Bürgermeisterin in Nabburg. Auch der Oberviechtacher Bürgermeister Heinz Weigl machte Mitte der Vorwoche das Angebot, bei Bedarf eine Einkaufshilfe zu organisieren. Im Rathaus ging bis dato allerdings keine Anfrage ein. Ebenso verhält es sich in der Gemeinde Teunz. Allerdings ist hier Andreas Brandstätter täglich mit seinem Verkaufsbus durch die Dörfer unterwegs - so wie schon vor der Coronakrise. "Aber jetzt nutzen das Angebot viele weitere Leute", erklärt der Chef der Bäckerei mit Lebensmittelladen.

Von Kaffee über Croissants bis zu Toilettenpapier und Damenbinde hat der Teunzer Feuerwehrkommandant alles für den täglichen Bedarf dabei. Zum Kontaktschutz hat er extra eine Plexiglasscheibe eingebaut. Das Angebot nutzen auch Chemo-Patienten und Rheumakranke die im Teunzer Laden telefonisch bestellen und den Einkauf dann vor die Haustüre gelegt bekommen. Übrigens: Im Geschäft dürfen sich nur drei Kunden gleichzeitig aufhalten. "Und an der Theke wird nichts mehr in mitgebrachte Gefäße oder Tüten gepackt", berichtet Veronika Brandstätter.

Bei Heidi Eckl in Nabburg geht das Kümmern über den Einkauf hinaus. Am Sonntagmorgen meldete sich ein älterer Herr, dass er nichts zu Essen im Haus habe. Ihm - und mittlerweile auch anderen - hilft sie mit Adressen weiter, wo fertig gekochte Gerichte abgeholt werden können. Auch bei einer "renitenten Oma" schaut sie nach einem Anruf der besorgten Nachbarn vorbei. Die Krise schweißt zusammen. Deshalb sollte jeder, der nicht zur Risikogruppe zählt, älteren Menschen beständig seine Hilfe anbieten. Seit zwei Wochen verändert sich alles rasant schnell. Auch das Annehmen wird Betroffenen in den nächsten Tagen sicher leichter fallen.

Übersicht für Einkaufshilfen

Auf der Homepage des Landratsamtes ist eine Übersicht der Einkaufshilfen eingestellt. "Erfreulicherweise haben sich in kurzer Zeit rund 30 Initiativen gebildet", sagt Pressesprecher Hans Prechtl. Weitere Meldungen an die Lernende Region, Telefon 09431/471-602 oder E-Mail (florian.schmid[at]landkreis-schwandorf[dot]de oder laura.weidinger[at]landkreis-schwandorf[dot]de). Alle Einkaufshilfen: https://corona.landkreis-schwandorf.de

Ein Pfeiler bei der Versorgung mit Lebensmitteln sind die regionalen Bäcker und Metzger, die derzeit mit erweitertem Sortiment durch die Dörfer touren. Andreas Brandstätter stellt der Kundin in Voggendorf ihre Einkäufe in den Korb.
Hintergrund:

Liste der Einkaufsdienste

Das Landratsamt hat alle bisher gemeldeten Adressen auf der Homepage eingestellt. Einkaufsdienste übernehmen Burschenvereine, Bürgerhilfen, Feuerwehren, Helferkreise, Kirwavereine, Läden mit Lieferservice, Landjugendgruppen, Nachbarschaftshilfen, Pfarrgemeinderäte, Sportvereine aber auch BRK, Diakonieverein und Privatpersonen. Die Liste weist Ort, Organisation, Ansprechpartner, Telefonnummer, E-Mail-Adresse aus. Platz ist auch für "Sonstiges" wie zeitliche Erreichbarkeit oder weitere Kontaktpersonen. (ptr)

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.