18.06.2019 - 15:20 Uhr
NabburgOberpfalz

Familie Storch mit Zuwachs

Der Nachwuchs ist aus dem Gröbsten raus. Und es sieht gar nicht so schlecht aus mit dem Nachwuchs bei den Störchen im Landkreis, auch wenn für ein Küken kein Platz mehr war.

Zwei Jungstörche zieht dieses Paar in Neunburg auf. Bis jetzt stehen ihre Chancen gut.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Beim Landesbund für Vogelschutz (LBV) in Hilpoltstein laufen die Meldungen über Weißstörche in ganz Bayern zusammen. Eine Storchenhorst-Karte zeigt, wo die großen Vögel brüten, wo ein Horst leer steht oder der Nachwuchs heuer ausbleibt. Allerdings muss sie ständig aktualisiert werden, und das ist gar nicht so einfach, wenn man nicht gerade per Kamera einen direkten Blick ins Nest hat. Doch inzwischen zeichnet sich ab, dass die Chancen für den Nachwuchs bei den Störchen im Landkreis heuer ganz gut stehen. Das ist, zumindest in diesem Jahr, nicht in ganz Bayern so.

"Wir haben tatsächlich sogar Neuansiedlungen", sagt Oda Wieding, LBV-Storchen-Expertin. Sie berichtet von einem neuen Punkt in der Storchenhorst-Karte für den Ortsteil Pirkensee in Maxhütte-Haidhof. Einen neuen Horst gibt es auch über dem Burglengenfelder Friseursalon Heller, der im vergangenem Jahr einem Leerstand auf dem Rathaus vorgezogen wurde. 2018 hatte es noch nicht so recht geklappt mit dem Gelege, heuer dafür umso besser: Drei Jungstörche scheinen sich nach Informationen von Wieding dort recht wohl zu fühlen. Ebenfalls noch recht neu ist ein weiterer Horst-Standort auf dem Gemeindestadel in Trisching.

Gut gebrütet

Hervorragende Bedingungen für Brutpflege fand anscheinend der Altendorfer Storch vor. Erst zwei, dann drei und schließlich mindestens vier kleine Störche hat Bürgermeister Georg Köppl im Horst ausgemacht. Aus Pfreimd, Klardorf und Nittenau liegen Meldungen vor, dass drei Junge geschlüpft sind, während das Brucker Storchen-Domizil nach Informationen von Wieding nach wie vor verwaist ist. In Schwarzenfeld schaut nach dem Bruterfolg mit drei Jungtieren im Vorjahr immerhin ein Jungstorch aus dem Nest, der laut Horst-Beobachter Julian Hunzinger schon eine "schöne Größe" erreicht hat. "Vom Gesundheitszustand her passt alles", ist er zuversichtlich, dass das "Einzelkind" schon überm Berg ist. Denn selbstverständlich ist es nicht, dass alle Küken durchkommen: In Perschen gab es heuer ursprünglich drei - bis ein Vogel tot unter dem Nest lag. Ein Absturz? "So etwas kann eigentlich nicht passieren", weiß die Storchen-Expertin. Sie geht von Absicht aus. "Es ist tatsächlich so, dass Altvögel ein Junges aussortieren, wenn sie merken, dass die Nahrung nicht reicht", erklärt sie. "Die Natur ist da brutal." Nicht immer treffe es die Kleinsten oder kranke Tiere, manchmal müsse auch ein durchaus lebendiger Vogel das Feld räumen, um das Überleben von Eltern und Geschwistern zu sichern. "Vielleicht ist der Jungvogel im Mai wegen der Kälte umgekommen", spekuliert der Nabburger Horstbetreuer Karl Beer, der von diesem Verlust gehört hat. Er hat im Horst über der Nabburger Friedhofskirche bislang zwei Jungtiere gezählt.

"Das Paar hier hat allerdings sehr spät mit dem Brüten begonnenen", gibt er zu bedenken. Der Grund: Einer der Altstörche war vermutlich verschwunden, der Verbliebene habe sich erst einen neuen Partner suchen müssen. Weil die Nabburger Jungestörche noch recht klein sind, steht ihre Zahl auch noch nicht hundertprozentig fest. "Wir haben hier keinen Beobachtungsposten, höchstens vom Kirchenturm aus kann man ins Nest schauen, aber das ist weit weg", sagt Beer und fügt hinzu: "Wenn's groß genug sind, dann schauen's schon raus."

Wird 2019 also ein gutes Jahr für die Störche? "Die Oberpfalz hatte Glück", schränkt die LBV-Fachfrau für den Weißstorch ein. Der Dauerregen von 20. bis 22. Mai habe den Bezirk nicht ganz so stark getroffen wie andere Regionen in Bayern. So rechne man für die Gegend um Weilheim und den Ammersee mit 50 Prozent Verlust. Denn gerade die Phase, wenn der Nachwuchs 3 bis 5 Wochen alt ist, sei kritisch. "Kleine Küken und Eier lassen sich gut wärmen, die älteren können nicht mehr so gut abgeschirmt werden." Sie sind dann schnell tropfnass und völlig durchweicht. "Störche sind eben nicht wie Enten, die sich das Gefieder fetten können", gibt Wieding zu bedenken.

Und wenn ein Altstorch längere Zeit den Nachwuchs beschirmen muss, dann sei unter Umständen auch Hunger vorprogrammiert, weil nur einer Futter herbeischaffen kann. Möglicherweise zu viel Nass von oben haben die Oberviechtacher abbekommen: Nachwuchs wurde dort heuer noch nicht gesichtet. Die Trockenheit hingegen macht laut Expertin dem Storch weit weniger aus. "Das dauert, bis sich das auf den Storch auswirkt", hat die LBV-Mitarbeiterin festgestellt.

Keine Warnstufe

"Der Storch liebt es trocken von oben und nass von unten." Auch wenn sich nun auf den gemähten Wiesen die Regenwürmer etwas tiefer in den Boden zurückziehen - die Oberpfälzer Karpfenteiche hätten noch genügend Zulauf, sie sehe deshalb noch keine Warnstufe. Schließlich habe das vergangene Jahr mit kaum Regen den Störchen in Bayern nicht geschadet, im Schnitt gab es pro Paar mehr als 2 Junge. Außerdem sind die großen Vögel einiges gewohnt. Wieding: "In Afrika überwintern sie ja auch in der trockenen Savanne."

Info:

"Übeltäter" aus Salzburg?

Der "Übeltäter" ist zwar noch nicht gefasst, aber es gibt Hinweise, dass es sich bei dem Gänsegeier, der vor gut einer Woche ein Storchennest in Eslarn überfallen hat, um ein Tier aus dem Salzburger Zoo handeln könnte. Bei LBV-Storchen-Expertin Oda Wieding ist jedenfalls eine Meldung eingetroffen, dass in Kolbermoor (Landkreis Rosenheim) im Mai für 2 bis 3 Wochen ein Gänsegeier gesichtet wurde. Der hatte sich in der Nähe einer Graureiher-Kolonie aufgehalten. "Dort hat er wohl auch gelernt, sich Jungvögel als Futter zu holen", mutmaßt Wieding. Da der Geier beringt war, konnte er dem Salzburger Zoo zugeordnet werden. "Theoretisch wäre es also schon möglich, dass dieser Vogel in Eslarn unterwegs war". Ein Gänsegeier hatte sich dort über die Jungstörche hergemacht, ein Tier wurde getötet. Unklar ist bislang auch, ob das seltene Exemplar in Österreich Teil eines Wiederansiedlungsprojekts oder schlichtweg auf der Flucht ist. Hinweise nimmt der Landesbund für Vogelschutz (LBV) entgegen.

Rekord in Altendorf beim Storchen-Nachwuchs: Über mindestens vier Jungtiere wacht dieser Altvogel.

"Der Storch liebt es trocken von oben und nass von unten.

Oda Wieding

Oda Wieding

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