15.02.2021 - 14:34 Uhr
NabburgOberpfalz

Faschingspredigt im Dialog mit der Kirchenmaus

Die Faschingspredigt, ein Zwiegespräch zwischen Pfarrer Hannes Lorenz und der Kirchenmaus Eulalia, gibt einen kleinen Einblick in die Freuden, den Ärger, die Tränen und Sorgen der Lauen und Frommen, die so in die Kirche kommen.
von Sepp FerstlProfil

Darf denn in der Kirche überhaupt gelacht werden? Stadtpfarrer Hannes Lorenz - ausgestattet mit einer kräftigen Portion gesunden Humors - meint: "Natürlich, da darf man fröhlich sein und klatschen und so seiner Freude Ausdruck verleihen".

Einleitend betonte der Geistliche zu Beginn des Gottesdienstes: "Nur, weil wir Katholiken in der Fastenzeit auch zum leiblichen Fasten und Verzichten aufgerufen sind und der Aschermittwoch als strenger Fast- und Abstinenztag von einer früher noch viel asketischeren Fastenzeit übriggeblieben ist, ist zu verstehen, dass an den Tagen vor dem Aschermittwoch kräftig und ausgelassen gefeiert wurde und wird - wenn man dürfte". Was liege also näher, als in der derzeit einzig möglichen, gemeinschaftlichen Weise Fasching zu feiern: in den Gottesdiensten am Faschingswochenende.

Ihre Freunde darüber zeigten die zahlreichen Gottesdienstbesucher mit buntbemalten FFP2-Masken, Clown-Nasen, Faschingshüten sowie -perücken und auch komplett kostümiert. "Nicht der kurze Spaß ist es, den Jesus für uns will, sondern eine tiefe Herzensfreude, aus der heraus wir selbst das Corona-Virus ,auslachen' - weil wir als Gemeinschaft stärker sind, weil unser Glaube im momentanen Krisenmodus erst recht Kraft gibt und Mut macht und Hoffnung schenkt", ermunterte Pfarrer Hannes Lorenz die Gläubigen.

Die Faschingspredigt war ein Zwiegespräche des Pfarrers mit der Kirchenmaus Eulalia im feschen Plüschgewand, mit Lippenstift und Lockenhaar auf der Kanzel. Da kamen so manche Dinge, die eben eine Kirchenmaus mitbekommt, zur Sprache: die Freuden, der Ärger, die Tränen und Sorgen der Kirchenbesucher.

Ein Thema war zum Beispiel das Shoppen und das Kaffeetrinken in der Altstadt: "Da ist der Lockdown in Nabburg gar nicht so nei, und der wird auch da bleibn wenn Corona vorbei". Ungerecht behandelt fühlt sich so manche fromme Seele, wenn die Polizei bei Falschparken am Sonntag erbarmungslos aufschreibt, wusste die Kirchenmaus außerdem. Zur Stadtpolitik hieß es: "Zwölf Jahre lang war alles rot. Nun ist unsere Zukunft schwarz!"

Kirchenverwaltung und Pfarrgemeinderat arbeiten für die Pfarrei: "Wohl dem, der solche Gremien hat", waren sich Pfarrer und Kirchenmaus einig. Frisöre öffnen - Wirtshäuser bleiben geschlossen, denn: "Hauptsache, schöne Haare hast du". "Homeschooling wochenlang, wenn Eltern unterrichten wird es manchem Schüler bang", reimte die Kirchenmaus weiter und lenkte dann den Blick auf den Freitstaat. In Bayern weiß es jeder: "der beste Zusperr-Einsperr-Krisenbewältiger ist und bleibt Markus Söder".

An Ende gab es langanhaltenden Applaus für die humorvolle Predigt. Chorregent Jonathan Brell an der Orgel sang, wie seit Monaten, allein für alle und ließ auch die Melodie "Wir kommen alle alle in den Himmel" sehr gefühlvoll erklingen. Beim Auszug des Pfarrteams und der Ministranten mit dem "Narrhallamarsch" durfte dann allerdings keines der Register fehlen.

Mit dem "Pfarrfasching to go", einem kleinen Überraschungstütchen, verabschiedete Pfarrer Hannes Lorenz jeden Kirchgänger persönlich am Hauptausgang des Gotteshauses. Auf der Tüte ist nachzulesen: "Wo Glaube ist, soll Freude sein, dazu lädt Jesus uns als Christen ein. Denn wer im Herzen lachen kann, blickt die Welt viel heitrer an! Lasst uns fröhlich sein und schlau, ruft mit mir aus Nabbi Nabbi, Helau!"

Nur, weil davon nichts in der Bibel steht: Jesus wird sicher auch mit den Jüngern in froher Runde zusammengesessen sein, hat lustige Geschichten erzählt und mit Freunden gelacht. Er war bestimmt kein "Miesepeter", keine "Zwidawurzn" oder kein "Muhackl" sondern er will, dass Freude unter den Menschen ist.

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