08.10.2019 - 15:52 Uhr
NabburgOberpfalz

Eine Frage der Rentabilität

Alte Haustierrassen sind als Nutztiere nicht mehr rentabel und drohen auszusterben. Ins Bewusstsein wird dies beim "Tag der alten Haustierrassen" gerufen. Er ist ist für viele Museumsbesucher zum festen Termin geworden.

Das Murnau-Werdenfelser-Rind ist die älteste Rinderrasse in Bayern. Auch sie steht auf der Roten Liste.
von Richard BraunProfil

Zusammen mit der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter (GEH) Haustierrassen wurden im Freilandmuseum Neusath Tiere vorgestellt, deren Überleben äußerst bedroht ist. Jede Woche stirbt auf unserer Erde eine Nutztierrasse aus. Noch vor rund 100 Jahren gab es allein in Bayern 35 Rinderrassen, die sich mittlerweile auf fünf Hochleistungs-Rinderrassen reduziert haben. Aus der Kuh ist ein Produktionsmittel geworden, das bis zum Äußersten ausgereizt wird. Dieser Entwicklung will die GEH Einhalt gebieten. Seit 1981 Beschäftigen sich Züchter, Tierliebhaber und Idealisten mit dem Erhalt alter Haustierrassen. Die Gesellschaft führt 130 gefährdete Haustierrassen in Deutschland auf einer Roten Liste.

Gute Plattform

Im Freilandmuseum in Neusath fanden sie die passende Plattform, ihre Arbeit vorzustellen und die Besucher für die Thematik zu sensibilisieren. Das Museum selbst besitzt viele Haustiere, wie zum Beispiel die Weiße und Bunte Edelzeige, das Coburger Fuchsschaft, Pfauen, das Schwäbisch-Hällische Hausschwein sowie alte Hühner- und Gänserassen, die heute nicht mehr gebraucht werden. Am "Tag der alten Haustierrassen" brachten viele Züchter ihre wertvollen Tiere mit und stellten sie dem Publikum vor.

Einen Schwerpunkt bildeten dabei die Fleischrinderrassen des Fleisch-Rinder-Verbandes aus Moosbach, deren Vorsitzende Erika Sauer die Besonderheiten, dieser Rinder herausstellte. Dabei brach sie eine Lanze für die Mutterkuhhaltung, deren natürliche Haltung zu hoher Fleischqualität führt.

Über viele Widerstände seitens der Bevölkerung klagen die Geflügel- und Kaninchenzüchter bei der Ausübung ihres Hobbys. In Neubaugebieten sei es fast unmöglich, die Tauben frei fliegen zu lassen. Dies schlägt sich natürlich auch auf den fehlenden Züchternachwuchs nieder. Das Deutsche Reichshuhn, wie es die Züchterin Barbara Bach aus Parsberg vorstellte, wird so bald der Vergangenheit angehören. Ähnlich verhält es sich auch mit den Kaninchen. Den Meißner Widder mit seinen typischen Hängeohren haben nur noch wenige Züchter in ihren Stallungen.

Der Rundgang führte auch zu den Schafen und Ziegen. Das Waldschaf wurde vorwiegend in den Mittelgebirgen des Bayerischen Waldes und des Böhmerwaldes gehalten. Sein Fleisch und die Wolle sind nicht mehr rentabel und von daher die Zucht uninteressant. Ein Züchter in Parsberg unternimmt alle Anstrengungen, diese Zuchtlinie auch weiterhin am Leben zu halten.

Treuer Begleiter: Der Spitz

Aber nicht nur gefährdete Nutztierrassen gab es zu sehen. Zu den Publikumslieblingen gehörten die Dorfspitze der Familie Jakob aus Adlkofen. Früher war der Spitz in vielen Familien zuhause. Sogar Wilhelm Busch hat ihn in seinen Geschichten verewigt. Heute ist er nur noch wenig anzutreffen. Dabei ist er als treuer Begleiter nahezu ideal. So viele Informationen machten natürlich hungrig und durstig. Im Naabtaldorf wurde allerhand Leckeres angeboten. Zur Freude der Kinder hatte sich in einer Umzäunung Alpakas aus Zandt verirrt, die sich gerne einmal streicheln ließen.

Die Züchter sind meist Idealisten, die den Wert der Tiere mit ganz anderen Augen sehen.
Das Waldschaf war früher die häufigste Rasse in den Mittelgebirgen. Heute gibt es nur noch wenige Stück davon.
Auch für Essen und Trinke war beim Niedermurach Stodl gut gesorgt.
Als Erste begrüßten die Museumsgänse die Gäste.
Der Dorfspitz war der unbestrittene Liebling des Publikums. Auch seine Besitzer schätzen den treuen Gefährten sehr.
Auch Alpakas haben sich auf das Museumsgelände verirrt.
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