Nabburg
28.08.2022 - 17:27 Uhr

Für die Stadt Nabburg und die Senioren engagiert: Bewegender Abschied von Martha Berr

Als Schulleiterin prägt sie junge Menschen, als Kommunalpolitikerin setzt sie sich für die Stadt Nabburg ein und im Ruhestand bereichert sie den Alltag von Senioren: Am Grab von Martha Berr sagen viele Menschen Danke für dieses Lebenswerk.

Wie viel Wertschätzung Martha Berr von ihren Mitmenschen erfahren hat, zeigte sich beim Requiem in der Stadtpfarrkirche und in den Ansprachen, die vor der Beisetzung am Waldfriedhof gehalten wurden. Bild: Völkl
Wie viel Wertschätzung Martha Berr von ihren Mitmenschen erfahren hat, zeigte sich beim Requiem in der Stadtpfarrkirche und in den Ansprachen, die vor der Beisetzung am Waldfriedhof gehalten wurden.

"Sie war eine tüchtige Frau", fasste Regionaldekan Manfred Strigl in Anlehnung an das Buch der Sprichwörter Martha Berrs Wirken beim Requiem im Johannesdom zusammen. Gemeinsam mit Pfarrer Josef Irlbacher und Ruhestandspfarrer Gottfried Rottner zelebrierte der ehemalige Nabburger Stadtpfarrer das Requiem für die im Alter von 86 Jahren nach kurzer Krankheit, aber doch unerwartet verstorbenen Martha Berr, "einer Frau mit vielen Talenten".

Manfred Strigl blendete zurück: Auf das Leben der Verstorbenen, der ihre Familie mit fünf Kindern und 17 Enkeln immer das Wichtigste war. Mit 45 Jahren wurde Martha Berr Witwe, war aber immer für alle da, "und sie war auch dankbar für ihre Familie". Strigl würdigte Berrs jahrelanges Engagement im Pfarrgemeinderat, im Frauenbund und in der Seniorenarbeit, die sie mit großem Organisationtalent ausfüllte. Bis einige Wochen vor ihrem Tod hat sie es gepflegt: Ihre Senioren regelmäßig anzurufen, Anteil an ihrem Leben zu nehmen. "Wir verneigen uns vor einer tüchtigen, glaubensfesten, feinen und weisen Frau. Ohne sie wäre das Leben so vieler ärmer gewesen", sagte Manfred Strigl. Die Verstorbene habe ihre Talente zugunsten vieler Menschen entfaltet: In der Familie, in Gesellschaft, Politik und Kirche. Martha Berr habe die Welt "ein Stück wärmer und liebender gemacht".

18 Jahre im Stadtrat

Viele Trauergäste begleiteten Martha Berr am Waldfriedhof auf ihrem letzten Weg. In Vertretung des sich im Urlaub befindenden Bürgermeisters schilderte Zweite Bürgermeisterin Irene Ehemann Martha Berrs Wirken. In der damaligen Zeit sei sie eine Vorreiterin der Frauen in der Politik gewesen. 18 Jahre gehörte sie dem Stadtrat an, eine Wahlperiode war sie Dritte Bürgermeisterin und hatte Anteil an der positiven Entwicklung der Stadt Nabburg. Martha Berr war auch Seniorenbeauftragte der Stadt. Das war nicht nur ein Titel: Ehemann erinnerte sich an ihre eigenen Geburtstagsbesuche als Vertreterin der Stadt bei Nabburger Bürgern. Wie oft habe sie den Satz gehört, "die Frau Berr hat mich auch schon angerufen". Die Senioren wussten die Mitmenschlichkeit, das Mitfühlen, die Aufmunterung, die Anteilnahme an ihrem Leben, zu schätzen.

Stellvertretender Landrat Richard Tischler betonte, dass Martha Berr "mit Fleiß und Herz" die Seniorenarbeit in Nabburg und im gesamten Landkreis Schwandorf geprägt habe. Auch hier hatte sie als stellvertretende Vorsitzende des Seniorenbeirats des Landkreises Schwandorf ein verantwortungsvolles Amt übernommen. "Sie hat sich auch der Aufklärung über Straftaten, denen ältere Menschen häufig zum Opfer fallen, gewidmet". Mit der Verleihung der Landkreisverdienstmedaille 2009 wurde "ihr beispielloses Engagement in der Seniorenarbeit" gewürdigt.

40 Jahre an der Berufsschule

Für das Berufliche Schulzentrum Schwandorf erinnerte Leiter Josef Most an das 40 Jahre lange Wirken der Studiendirektorin im Ruhestand. Sie leitete die land-und hauswirtschaftliche Berufsschule in Nabburg, später die Berufsfachschule für Kinderpflege in Oberviechtach mit "Pflicht- und Verantwortungsbewusstsein, Menschlichkeit und Freundlichkeit".

Verantwortung übernommen

64 Jahre gehörte Martha Berr der Nabburger CSU und 35 Jahre der Nabburger Frauenunion, die sie mitbegründete, an. Stadtratsarbeit, Bürgermeistervertretung: Martha Berr sei eine Frau der Tat und der Verantwortung gewesen, betonte Ortsvorsitzender Tobias Knechtel. Sie hinterlasse tiefe Spuren in der Stadt, die sie vermissen werde.

Für den Bürgerverein verabschiedete sich Karl Beer von einer geschätzten Ansprechpartnerin und Ratgeberin. Martha Berr war seit 1985 Mitglied und sei wegen ihrer "umgänglichen Art und ihrer sozialen Einstellung" geschätzt gewesen. Joseph Ferstl ergriff als Vorsitzender des Fördervereins der Jugendblaskapelle Nabburg das Wort. 34 Jahre habe die Verstorbene den Verein großzügig unterstützt, hatte Rat und aufmunternde Wort für die Musiker der Jugendblaskapelle, der auch drei ihrer Kinder angehörten.

Den Sarg trugen dann die Menschen, die sie liebten, zum Grab, so wie auch Enkelkinder die Fürbitten gesprochen hatten.

Hintergrund:

Martha Berr

  • Geboren: 1945 in Meisthof bei Luhe
  • Berufsweg: Ab 1976 Leiterin der land- und hauswirtschaftlichen Berufsschule in Nabburg bis zur Auflösung 1989. Wechsel und Leitung der Berufsfachschule für Kinderpflege in Oberviechtach mit Blockunterricht für Hauswirtschaft in Nabburg
  • Kommunalpolitik: 1978 bis 1996 für die CSU-Fraktion im Nabburger Stadtrat, Dritte Bürgermeisterin von 1984 bis 1990, Seniorenbeauftragte der Stadt
  • Pfarrgemeinderat: 1986 bis 1994 Vorsitzende
  • Seniorengruppe der Pfarrei: Betreuung von 1996 bis 2014.
  • Landkreis-Seniorenbeirat: Zwölf Jahre
 
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