05.02.2019 - 17:21 Uhr
NabburgOberpfalz

Gefiederter Athlet holt Gold

Dieser Athlet hat sie alle überflügelt: "Mister Welt" nennt Konrad Meierhofer die männliche Taube, die für Deutschland den Sieg bei der Brieftauben-Olympiade in Polen geholt hat. Ganz vorne dabei: vier Oberpfälzer Exemplare.

Konrad Meierhofer (rechts) ist stolz auf die von ihm nominierte Taube, die es als bestes männliches Exemplar an die Weltspitze geschafft hat. Neben ihm Präsidiumsmitglied Michael Koch und Preisrichter Markus Havertz (Mitte)
von Monika Bugl Kontakt Profil

Die "Gold-Taube" stammt zwar aus dem Rheinland, aber nominiert hat sie ein Nabburger: Konrad Meierhofer. Er ist stellvertretender Vorsitzender der Preisrichter-Vereinigung in Deutschland und hat außerdem den Vorsitz der Ausbildungs- und Perfektionierungs-Kommission im Brieftauben-Weltverband inne. 1000 Tauben hat er dafür unter die Lupe genommen, 40 für die Endauswahl nominiert. 16 durften schließlich zur Olympiade reisen. Mit einer Ausnahme waren sich dabei alle vier beteiligten Preisrichter einig. "Von den Nominierten waren sechs aus Bayern und vier aus der Oberpfalz", berichtet Meierhofer stolz und schildert die anstrengende Begutachtung: "Das sind von Taube zu Taube bestimmt 10 000 Schritte", danach ist man platt."

Den Sieg auf Weltniveau verdankt Deutschland aber auch einem von Meierhofer aufgebauten Scouting-System: die "Gold-Taube" wurde nämlich nachnominiert. Umso erleichterter war der Nabburger Tauben-Experte, dass sie nun tatsächlich die Konkurrenz überflügelt hat. "Wenn die nicht gut abgeschnitten hätte, wäre ganz Tauben-Deutschland über mich hergefallen", schildert der 58-Jährige die nervenaufreibende Verantwortung. Immerhin 20 Nationen hatten bei der 36. Brieftauben-Weltmeisterschaft in Poznań (Posen) ihre vielversprechendsten Tiere ins Rennen geschickt. Für den Vorentscheid waren vor allem sportliche Erfolge ausschlaggebend, also die Flugleistung. Dabei zählten Schnelligkeit und Beständigkeit. Die fliegenden Leistungssportler sind - abhängig von Windrichtung und -stärke - locker mit 120 Stundenkilometer unterwegs.

Doppelt so schnell

"Ein Autofahrer kann da kaum mithalten, hat Konrad Meierhofer festgestellt, der als Funktionär des Weltverbands häufig nach Brüssel reist. "Bei den zahlreichen Staus brauche ich da oft 14 Stunden, die Tauben schaffen es in 6 Stunden." Bei der eigentlichen Olympiade kommen dann Schönheitskriterien ins Spiel. "Oft entscheidet dann die Tagesform", so die Einschätzung des erfahrenen Preisrichters. Neben Gold, das der Züchter Gregor Schneiders mit nach Hause nehmen konnte, gab es für Deutschland außerdem noch dreimal Bronze. "Aus deutscher Sicht ein fantastisches Ergebnis", so Meierhofers Kommentar. "Eigentlich hatten wir auch noch Mannschafts-Gold angestrebt, aber da waren uns die Gastgeber aus Polen überlegen", berichtet er: "Da oben wird die Luft schon dünn, das ist wie ein Sechser im Lotto." Umso mehr freut es ihn, dass auch vier Oberpfälzer Tauben für die Olympiade nominiert waren. Platz sieben weltweit sprang dabei für die Brieftaube von Wolfgang Zirwick aus Hohentreswitz heraus. Für die Exemplare von Rudolf Fremuth aus Pressath, Gottfried Dietl aus Neusorg und Konrad Träger aus Pleystein blieb es beim Motto "Dabei-Sein ist alles".

Gänsehaut-Feeling

Für den Nabburger Brieftauben-Fachmann war es jedenfalls ein tolles Erlebnis, als bei der Siegerehrung die deutsche Nationalhymne erklang. Mit "Gänsehaut-Feeling" beschreibt er diesen Moment und hat nun schon die nächsten beiden Olympiaden auf dem Schirm: 2021 in Rumänien, 2023 in Holland. "Die Chinesen haben sich auch schon beworben", erzählt Meierhofer, der um die Popularität des Taubensports in China weiß. Momentan würden dort Züchter viel Geld in preiswürdige Prachtexemplare investieren: "Die teuerste Taube wurde für 2,3 Millionen Euro verkauft."

"Mister Welt" nennt Konrad Meierhofer die Taube (rechts), die für Deutschland bei der Olympiade in Polen "Gold" geholt hat. Statt einer Medaille gab es eine Konkarde. Links daneben ein Bronze-Gewinner.
Info:

Wer ist die Schönste im ganzen Land?

Vier Preisrichter unter Federführung von Konrad Meierhofer haben entschieden, welche Tauben bei einer Olympiade antreten durften. Bei der Olympiade in Polen Ende Januar war es dann eine internationale Jury, vor der die Tiere bestehen mussten. Die sportlichen Erfolge waren zu diesem Zeitpunkt bereits abgehakt, jetzt spielten nur noch Schönheitskriterien eine Rolle: Punkte gab es für den Gesamteindruck, Körperbau, Rücken, Muskulatur und Harmonie sowie die Qualität des Gefieders.

Die preisgekrönte Taube.
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