05.08.2018 - 11:22 Uhr
NabburgOberpfalz

Das Glück der kleinen Dinge

Glück ist, sein Leben in persönlicher Freiheit mit Zufriedenheit und unter Verzicht auf viele materielle Güter zu verbringen. Das ist die Aussage der Ausstellung "Hans- Eine kleine Geschichte vom Glück" im Freilandmuseum Neusath-Perschen.

Der Ausstellung "Hans- Eine kleine Geschichte vom Glück" wurde von Bezirkstagsvizepräsident Lothar Höher, Museumsleiterin Dr. Birgit Angerer, der Direktorin der Museen der Stadt Regensburg, Doris Gerstl und Kulturfotograf Stefan Winkelhöfer (von links) eröffnet.
von Redaktion ONETZProfil

Museumsleiterin Birgit Angerer begrüßte am Freitag im Ausstellungsgebäude rund 100 geladene Gäste, welche teils lange Anreisestrecken auf sich genommen hatten, stellvertretenden Bezirkstagspräsident Lothar Höher, die Direktorin der Museen der Stadt Regensburg, Doris Gerstl, Bürgermeister Armin Schärtl und eine Vielzahl an weiteren Stadt-, Landkreis- und Museumsvertretern, Mitglieder des hiesigen Museumsvereins sowie alle Mitwirkenden und Unterstützer. "Die Ausstellung hat das Museum in Regensburg zusammen mit uns erarbeitet", so Angerer. Die Präsentation wurde im vergangenen Jahr bereits sehr erfolgreich in Regensburg gezeigt und ist nun im Freilandmuseum zu bewundern. Fotograf Stefan Winkelhöfer zeichnet verantwortlich für die Fotografien, Kulturwissenschaftler Josef Paukner schrieb eindrucksvolle Texte für das im Morsbach-Verlag erschienene Buch mit dem Titel "Hans- Eine kleine Geschichte vom Glück".

Stellvertretender Bezirkstagspräsident Lothar Höher war beeindruckt von den aussagekräftigen Bildern Winkelhöfers: "Man bekommt den Eindruck, dass die ausgestellten Fotografien einen Menschen ans Licht bringen, der mit sich im Reinen ist". Die erschaffenen Werke strahlen die Wertschätzung für das bisher Erreichte aus, zudem zeigen sie in beeindruckender Weise die Mühsal des harten Lebens, aber auch den Wert von allem, was den Hans umgibt. "Die Ausstellung trifft im Kern den Arbeitsauftrag des Oberpfälzer Freilandmuseums" lobte Höher.

Die Direktorin der Museen der Stadt Regensburg Doris Gerstl, ist sich sicher: Mit der Ausstellung sei ein wahrer "Publikumsmagnet" geschaffen worden. Denn sie spricht verschiedene Interessen gleichzeitig an. Viele Besucher strömen zur Ausstellung wegen dem Medium der Fotografie, andere kommen, weil sie das Eintauchen in die geschaffene Nostalgie-Atmosphäre erleben möchten. Das bescheidene Lächeln des Hans und die zahlreichen fotografischen Aufnahmen in schwarz-weiß lassen eine "Aura des Zeitlosen" entstehen, welche enorm anziehend wirke. Die vehemente "Verweigerung von Veränderung" und das "Glück der kleinen Dinge" zu erkennen, erwecke die Sehnsüchte unserer Zeit und gebe Anstöße zum Nachdenken, so Gerstl.

Stefan Winkelhöfer arbeitete insgesamt fünf Jahre zwischen 2012 und 2017 an den Bildern und Eindrücken - kurzum: an der Geschichte von Hans. Er lernte mit ihm eine außergewöhnliche, willensstarke Persönlichkeit kennen. Faszinierende Einblicke erschuf der Kulturfotograf, welche das Resultat dieser Begegnungen wiedergibt. "Man gibt ein Stück Herz und bekommt auch enorm viel zurück", so beschreibt er seine starke Verbundenheit zu seinen entstandenen fotografischen Werken. Ihn treibt an, "die Momente des Umbruchs" bildlich einzufangen und die Aussagekraft des jeweiligen Augenblicks damit festzuhalten. Dies gelingt ihm scheinbar mühelos, jedes seiner gezeigten Bilder zieht den Betrachter unweigerlich und sofort in den Bann. Einfühlsam werden Alltagssituationen des Hoflebens dokumentiert, die Einfachheit und fast schon gelassene Einsamkeit in teils morbid anmutender Umgebung zeigen. Bei manch älterem Besucher werden sicherlich auch Erinnerungen an eine Zeit geweckt, die man selbst erlebt hat oder durchleben musste.

Die Texte stammen allesamt von Kulturwissenschafter Josef Paukner, der eindrucksvoll die Vollkommenheit des Glückes des Bauern literarisch passend zu den Fotografien formuliert hat. Die Texte überzeugen durch ihre Klarheit und Reduzierung auf das Wesentliche. Die musikalische Umrahmung der Eröffnungsfeier übernahm die Musikgruppe "chanson chez" um Gerhard Unger, die mit angenehmen Klängen einen Streifzug der Musik aus Europa darbot. Bei Zwiebel- und Flammkuchen und kühlen Erfrischungsgetränken konnten sich die Gäste auf dem Museumsvorplatz stärken und beim gemütlichen Beisammensein die ersten Eindrücke der Bilder sacken lassen sowie der Lebensgeschichte des Hans und der Definition vom eigenen Glück auf den Grund gehen. Die Ausstellung kann bis Ende des Museumsjahres besichtigt werden.

Museumsleiterin Dr. Birgit Angerer freut sich über den offiziellen Start der Ausstellung und bedankt sich bei allen Mitwirkenden.

Bezirkstagsvizepräsident Lothar Höher bewundert die Aussagekraft der ausgestellten Werke.

Doris Gerstl bezeichnet die Ausstellung als absoluten "Publikumsmagnet".

Beim gemütlichen Beisammensein nach der Ausstellungseröffnung gab es leckeren Zwiebel- und Flammkuchen.

Hintergrund:

Die Lebensgeschichte von "Hans"

Die Ausstellung zeigt über 30 ausdrucksstarke Schwarz-Weiß-Fotografien von Stefan Winkelhöfer über die Lebensgeschichte vom Bauern "Hans". Der Fotograf zeigt eindrucksvoll das Portrait eines Menschen, der einsam auf dem Dorf lebt und scheinbar aus der Zeit gefallen zu sein scheint. Sein Hof, das wenig verbliebene Vieh und die alten Landmaschinen wirken in den Schwarz-Weiß-Fotografien wie eine Reduktion auf das Wesentliche. Glück ist persönliche Definitionssache. Jeder Mensch empfindet Glück für sich persönlich anders und gewichtet diesem mehr oder weniger wohl auch oft materiellen Wohlstand bei. Ganz anders bei der Hauptfigur, dem Bauern "Hans". Er ist ein einfacher Bauer aus der näheren Umgebung von Bernhardswald, der Zeit seines Lebens ein einfaches und zurückgezogenes Leben fernab vom Trubel der Großstadt auf seinem Bauernhof verbrachte. Winkelhöfers Bilder beobachten Hans im Alltag beim Arbeiten, beim Einheizen des alten Küchenholzofens, beim Holen der Hühnereier oder auf seinem Bulldog. Ausdrucksstarke Impressionen dokumentieren aber auch Abnutzung, Umgebung und stark gezeichnete Arbeiterhände.

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