19.04.2019 - 11:47 Uhr
NabburgOberpfalz

Mit Gott und Dieter sattelfest

"Stramme Wadeln" stellen Dieter Singer und Petra Brunner ächzend fest, als sie Kaplan John Oguche in die Stiefel helfen wollen. Keine Chance. Der Geistliche aus Nigeria wählt die verstellbaren "Chaps" fürs Abenteuer Pferd.

Die erste Reitstunde: Kaplan John Oguche übt mit Dieter Singer für den Osterritt. „Das ist zu schaffen“, meint er zuversichtlich. Mit seinen „Lehrern“ an der Seite würde er danach gerne wieder mal ausreiten.
von Claudia Völkl Kontakt Profil

"Und eine Reithose findet sich auch noch", ist Petra Brunner sicher. Heuer ist Jubiläum: Zum 70. Mal bewegt sich ein langer Pferdetross zum Brünnl. Und ebenso Tradition ist es, dass der Kaplan, der hier am Ostermontag den Gottesdienst zelebriert, hoch zu Ross zur Wallfahrtskirche kommt. Doch welcher Kaplan ist zugleich begnadeter Reiter? "Der Blank Christian hat's gekonnt, der ist auch in Kötzting mitgeritten", erzählt Petra Brunner. Alle anderen waren Anfänger. Doch es habe den Kaplänen nie an gutem Willen - und Mut - gefehlt.

Internationale "Besetzung"

Über mehr als 25 Jahre nahm Petra Brunners verstorbener Mann Josef, der frühere Vorsitzende des Reitvereins, die Geistlichen gutmütig unter seine Fittiche und brachte ihnen in einer Reitstunde bei, wie sie das Pferd zum Gehen und vor allem auch zum Stehen bringen. Diese Aufgabe hat nun zweiter Vorsitzender Dieter Singer übernommen. Der Osterritt hat internationalen Touch: "Wir hatten schon einen Ukrainer und einen Österreicher", weiß Brunner. Nun sitzt mit John Oguche ein Nigerianer im Sattel - optisch eine Mischung aus Sänger-Legende Harry Belafonte und Top-Fußballer Sammy Kuffour. Zuhause durfte er als 17-Jähriger mal kurz auf ein Pferd steigen, erzählt John Oguche. Das war's. Ihn macht das nicht bange. "Ich vertrau auf Gott und Dieter", lacht er. Außerdem habe er "Begleitschutz".

Immer gute Laune

Der 50-Jährige stammt aus dem Bundesstaat Kogi, entschied sich für den Priesterberuf und war in seiner Diözese in Nigeria Finanzadministrator. Das Studium in Belgien schloss er mit dem Doktortitel ab. Oguche wollte aber auch Pastoralarbeit leisten. In Undorf, seiner bisherigen Kaplanstelle, ließ man den Pfarrvikar "wegen seiner stets guten Laune" ungern gehen. Da konnte es ihn auch nicht schrecken, als Pfarrer Hannes Lorenz von der Besonderheit der Nabburger Kaplanstelle erzählte.

Petra Brunner hat inzwischen den 20-jährigen Friesen "Fred" gesattelt, ein braves Pferd. Sie stellt einen Schemel daneben, damit sich der Kaplan leichter in den Sattel schwingen kann. "Ich nehme ihn ja auch gerne", gesteht Brunner mit Blick auf die komfortable Aufsteighilfe schmunzelnd ein. Die Länge der Steigbügel passt, Dieter Singer bemüht sich, vom Oberpfälzer Dialekt ins verständliche Hochdeutsche zu wechseln, erklärt seinem Schüler, wie er die Zügel zu nehmen hat, was zu tun ist, damit "Fred" anhält und in die richtige Richtung geht. "Er sitzt gut im Sattel", meint Petra Brunner, als sie dem Duo nachblickt. John Oguche und Dieter Singer reiten vom Brunner-Stall Richtung Fraunberg. Es sieht gut aus. Der Ostermontag kann kommen.

Jubiläums-Osterritt:

Seit 70 Jahren gibt es den Osterritt, der in den Anfängen von der Diendorfer Landjugend organisiert wurde. 1991 übernahm der Nabburger Reit- und Fahrverein diese Aufgabe. Am Ostermontag stellen sich die Teilnehmer an der Volksschule Nabburg um 8.45 Uhr auf. Um 9 Uhr ist Abritt nach Maria Brünnl. Dort wird gemeinsam Gottesdienst gefeiert. Kaplan John Oguche segnet abschließend die Pferde. Der Zug wird von der Jugendblaskapelle Nabburg angeführt, die auch die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes übernimmt.

Petra Brunner hilft beim Anlegen der „Chaps“.
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