„Für die Oberpfalz lässt sich nicht gut werben.“ Mit diesen Worten zitierte Maria Rita Sagstetter einen früheren Tourismusexperten. Bei einer Tagung des Arbeitskreises „Heimatforschung“ am Freitag im Oberpfälzer Freilandmuseum Neusath widersprach die Leiterin des Amberger Staatsarchivs diesem Vorurteil. Sie hoffte, „dass die Veranstaltung einen Beitrag für eine andere Sichtweise liefert“. Von diesem Treffen, an dem sich 60 Heimatpfleger und Archivare beteiligten, erwartete sie „einen Impuls für die weitere Erforschung des Tourismus in der Oberpfalz“.
Der Präsident des Tourismusverbands Oberpfalz, Landrat Thomas Ebeling, zeigte sich zufrieden mit der touristischen Entwicklung in der Region. Vor allem der Landkreis profitiere von den Vorzügen des Oberpfälzer Seenlandes. Bezirksheimatpfleger Tobias Appl betonte, „dass die Gewinnung neuer Urlaubsgäste eine Daueraufgabe bleibt“. Es sei wichtig, den geografischen Raum und dessen Attraktionen durch gezielte Werbung zu fördern. Zu diesen Attraktionen zählt Appl den Goldsteig-Wanderweg, den Donaupanoramaweg, den Pandurensteig, die 450 Kilometer lange Radlrundtour, die Glasstraße und den Fünf-Flüsse-Radweg.
Der Leiter der Staatlichen Bibliothek Regensburg, Bernhard Lübbers, erinnerte an die Zeit, in der die Oberpfalz noch eine touristische Diaspora war. Erst als Mitte des 19. Jahrhunderts die ersten Reiseführer erschienen, begann eine positive Entwicklung. „Mit dem Ausbau der Eisenbahn entstand eine atemberaubende Dynamik“, stellte der Archivar mit Blick auf die Unterlagen fest. „Die Zugreisenden lernten die Täler des Regens und der Naab kennen und schätzen“, heißt es in den hinterlegten Broschüren. Vor allem die Sonntagsausflüge mit der Familie nahmen zu. Der Sammler Peter Bartmann aus Schwarzenfeld dokumentierte mit seiner Reihe von Postkarten, wie die Menschen von den Ausflügen schwärmten und ihre Begeisterung an Freunde und Bekannte weitergaben.
Auch die Oberpfalz profitierte in den 1960er Jahren von der „touristischen Explosion, als das Reisen finanziell erschwinglich wurde“. Heute werbe die Region in unzähligen Reiseführern und behaupte sich gegen die Mitbewerber, so Lübbers. Darauf kam allerdings der Einwand eines Zuhörers, der von „einem dramatischen Rückgang der Übernachtungszahlen“ sprach. Der Anteil der Oberpfalz am bayerischen Tourismusgewerbe sei auf 16 Prozent gesunken.
Im Oberpfälzer Freilandmuseum Neusath spielt der Tourismus eine doppelte Rolle. „Erstens ist das Museum an sich ein touristischer Standort und zweitens bieten wir Museumspädagogik an“, betonte der Leiter Tobias Hammerl. Der gerade im Bau befindliche Köstlerwenzel sei nicht nur ein Ort zum Staunen, Erleben und Lernen, sondern werde in Zukunft auch Übernachtungsmöglichkeiten für Urlauber bieten.













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