Werden sich die Menschen in Zukunft von getrockneten Grashüpfern, Mehlwürmern und Grillen ernähren? "Das Fleisch wird nicht mehr reichen für zehn Milliarden Menschen", ist Dr. Max Böhm überzeugt. Genauso wenig wie die Pflanzen aus den ausgelaugten Böden.
Mit seiner Vision von einer "Fleischproduktion ohne Tiere und Pflanzen ohne Boden" hat der Leiter des Bauerngerätemuseums Ingolstadt die Wanderausstellung "Utopie Landwirtschaft" konzipiert, die seit Samstag im Freilandmuseum Neusath-Perschen zu sehen ist. Die Ernährung der Weltbevölkerung gehöre zu den existenziellen Fragen der Menschheit. Dr. Max Böhm nahm die Besucher der Ausstellung mit auf eine Zeitreise durch die Agrar-Epochen, die stets geprägt gewesen seien von Utopien und Ideologien und vom Traum der Rückkehr ins Paradies. "Wer konnte sich vor Jahren vorstellen, dass die Kuh selbst zum Melkroboter geht oder der Mähdrescher die Ernte ohne Fahrer einbringt?" fragte der Historiker rhetorisch. Genauso utopisch würden heute die Vorstellungen von den Ernährungsgewohnheiten künftiger Generationen klingen.
Zur Eröffnung der neuen Saison zeigt das Freilandmuseum eine weitere Ausstellung zum Thema "Das richtige Holz", die im Paulerverl-Hof zu sehen ist. Der Ministerialrat im bayerischen Landwirtschaftsministerium, Friedrich Nebl, stellte Holz als umweltfreundlichen Bau- und Rohstoff vor und blickte in die Zukunft: "In der Flugzeugindustrie und bei den Autobauern sind Holzverbundstoffe und karbonisierte Holzfaserverbindungen im Gespräch". Die Art der Holzverwendung sei ein wichtiges Forschungs- und Entwicklungsfeld. Der Rohstoff werde neben der klassischen Verwendung zunehmend zum High-Tech-Material.
Nicht so optimistisch blickt Bezirkstagspräsident Franz Löffler in die Zukunft. Der Zustand der Wälder sei "dramatisch", sagte der Chamer Landrat und stellte fest: "Die Waldbauern laufen den Schäden nur noch hinterher und bringen das Holz auf dem übersättigten Markt gar nicht los". Der Bezirkstagspräsident sieht auf die Land- und Forstwirtschaft gewaltige Herausforderungen zukommen. Stichwort Klimawandel und Artenschutz. Was ihn empört: "Nicht der Erzeuger oder der Verbraucher, sondern der Handel gibt den Ton an". Milch von Kühen aus Anbindehaltung sei den Molkereien weniger wert als die aus Laufställen. Darin sieht der Bezirkstagspräsident einen "Brandbeschleuniger für den Strukturwandel".
Franz Löffler dankte dem Team des Freilandmuseums mit Dr. Birgit Angerer an der Spitze für die Vorbereitung der Saison, die heuer als Schwerpunkt den Rohstoff Holz thematisiert. Dazu wird es am 14. Juli einen Aktionstag "Holz und Handwerk" geben. Auch ein Symposium "Heimat, deine Bauten" widmet sich im Herbst dem Jahresmotto. Hinzu kommen die traditionellen Veranstaltungstage des Maibaumaufstellens, der Getreideernte, des Rosstages und den Abfischens der Mühlenteiche.



















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