01.03.2019 - 14:40 Uhr
NabburgOberpfalz

Kaktus, Kapitän oder keine Konfetti

Verpönter Spaß, leidige Pflicht oder eine Quelle der Kreativität: Beim Fasching scheiden sich bei den Promis im Landkreis die Geister – in strikte Verweigerer und fanatische Fans. Auch der "Wiederholungstäter" ist weit verbreitet.

Schönsees Bürgermeisterin Birgit Höcherl (Zweite von links) hat sich im vergangenen Jahr als Kaktus eingereiht. Heuer findet der Fasching wegen eines Trauerfalls allerdings weitgehend ohne sie statt.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Als Hardrock-Band-Mitglied von "Kiss", als Kult-Getränk Aperol oder als stacheliger Kaktus war Birgit Höcherl, Bürgermeisterin von Schönsee in den vergangenen Jahren unterwegs, immer in einer Gruppe von vier bis fünf gleichgesinnten Frauen. Kein Kostüm aus der Retorte wählt die Vorsitzende des Paschervereins für die fünfte Jahreszeit, sie lässt sich lieber im Kreis der Freundinnen etwas Originelles einfallen. "Ich gehöre zu denen, die sich gern verkleiden", erzählt sie und muss schmunzeln, wenn sie daran denkt, wie schwierig es war, sich als Kaktus mit Wäscheklammern als Stacheln in eine sitzende Position zu begeben. "Dazu hatten wir so rosa Badehauben als Blüten", schwärmt Höcherl. "Jede von uns steuert Ideen bei , wir lagen uns da schon ins Zeug", beteuert sie und verweist ganz stolz auf eine Schneiderin in der Gruppe, die so manches ausgefallene Outfit professionell umsetzt. Heuer allerdings legt die Bürgermeisterin wegen eines Trauerfalls im Familienkreis beim Fasching eine Pause ein. "Da ist man dann einfach nicht in Stimmung", hat sie festgestellt. "Aber ich hoffe, dass es bei dieser einen Pause bleibt.

So viel Engagement ist allerdings eher selten bei der Prominenz im Landkreis. Mit Fasching "gar nichts am Hut" hat beispielsweise der Direktor des Andreas-Schmeller-Gymnasiums in Nabburg, Christian Schwab. Nur den Schülern zuliebe schaut er mal beim Unterstufen-Fasching vorbei, heuer war er wegen einer Tagung sowieso verhindert. "Verkleidung war noch nie mein Ding", räumt er ein und muss in der Frage der Kostümierung bis zum eigenen Kinderfasching zurückgehen. Mal als Cowboy, mal als Indianer, "emotional eher Indianer", so sein Kommentar Jahrzehnte später.

Die Mehrheit baut auf Bewährtes. Pfarrer Michael Hoch von der Pfarrei Dürnsricht-Wolfring zählt sich eher zu den Faschingsmuffeln. Doch für Senioren- oder Kinderfasching schlüpft er schon mal in die Kluft eines Urlaubers mit cooler Sonnenbrille und buntem Hemd. Und zum Jugendfasching in Wolfring ist er schon mal als Kameltreiber aufmarschiert. Den "Klassiker" für Geistliche, eine Verkleidung als Gärtner, findet er zu langweilig. Seine Lieblingsverkleidung als Kind: Pumuckl. Inzwischen bevorzugt er die Rolle des Zuschauers und staunt über das aufblasbare Sumo-Ringer-Kostüm des Fensterbacher Bürgermeisters Christian Ziegler. In dieser Saison allerdings verbringt er den Fasching fern vom Trubel: Am Freitag hat er eine Pilgerreise ins Heilige Land angetreten.

Auf Verkleidung mit Wiedererkennungswert setzt Helmar Thermer, Außenstellenleiter der Nabburger Bereitschaftspolizei-Abteilung. Seit über 15 Jahren setzt er sich pünktlich zur närrischen Zeit eine Kapitänsmütze auf. Dazu ein Seemannsrolli und eine braune Fliegerjacke. Schminke hat er lediglich "in der Jugend benutzt", inzwischen verzichtet er lieber auf Farbe. Gar nicht infrage kommt für ihn schon von Berufs wegen Polizei oder Bundeswehr-Uniform. "Zu langweilig", lautet sein Urteil. Ähnlich sieht das auch der Leiter der Neunburger Polizeiinspektion, Bernhard Hager. Seine Begeisterung für den Fasching ist "in der späten Jugend schon abgerissen". Eine Polizei-Uniform, das geht natürlich gar nicht. "Als Kind war er nicht Sheriff, sondern Indianer, "immer eher auf der Seite der Unterdrückten", erinnert er sich. Auch dem Tanzvergnügen kann der Inspektionsleiter wenig abgewinnen. "Ich bin da eher hüftsteif", gibt er zu - und fährt über die Faschingstage zum Skifahren, ganz ohne Maskerade.

Landrat Thomas Ebeling nimmt's, wie's kommt. Bei den Faschingsmuffeln steht er nicht an vorderster Front, beim Schunkeln auch nicht. "Wenn ich auf einem Fasching bin, lasse ich mich schon mitreißen. Ich nehme aber nicht jeden Ball mit". Verkleiden ist nicht so sein Ding, es sei aber durchaus schon vorgekommen, sagt er lachend. Als Bub hat er sich schon maskiert, variierte aber nicht. Er war immer ein Cowboy.

"Durchwachsen" gestaltet sich die Faschingssaison für die SPD-Bundestagsabgeordnete Marianne Schieder: "Das Aufbrechen ist manchmal eine Überwindung." Am leichtesten fällt ihr das beim Faschingstreiben in Glaubendorf. "Früher war ich öfter mal als Hexe kostümiert", erzählt sie, aber seit vielen setzte sie auf eine bequemere Lösung, die auch ganz gurt ankommt: . Ausschlaggebend dafür war das Werbegeschenk eines Parteikollegen: ein Stirnband aus Pappe mit roter Feder. "Als Häuptling Rote Feder habe ich die Lacher auf meiner Seite und brauche nicht viel rum zu machen", so ihre praktische Erfahrung. Einziger Nachteil: Das Stirnband aus Pappe überlebt in der Regel nur einen einzigen Faschingszug pro Saison. Marianne Schieder hat deshalb vorgesorgt: "Ich hab von dem Modell noch einen ganzen Karton daheim.".

Bundestagsabgeordnete Marianne Schieder bleibt sich treu und ist bevorzugt als Häuptling Rote Feder unterwegs.
Dem Nabburger Außenstellenleiter der Bayerischen Bereitschaftspolizei, Helmar Thermer, ist Schminke ein Graus, eine Kapitänsmütze leistet ihm seit über 15 Jahren im Fasching treue Dienste.
Pfarrer Michael Hoch kostümiert sich gern als Urlauber. Heuer allerdings ist er gar nicht faschingsmäßig unterwegs, sondern am Freitag als Pilger ins Heilige Land nach Israel geflogen.
Landrat Thomas Ebeling drückt sich nicht vor einem Auftritt im Fasching und macht auf dem Parkett mit seiner Frau Sina eine gute Figur. In Verkleidung ist er eher selten anzutreffen.
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