21.10.2021 - 12:43 Uhr
NabburgOberpfalz

Katze angeschossen: Projektil steckte seit Juli im Körper

Im Fall der in Nabburg angeschossenen Katze gibt es eine neue Wendung: Die Tat liegt mehrere Monate zurück, die Katze trug das Projektil wohl seit Juli im Körper. Der Täter nutzte ein Geschoss, das sich langsam durch den Körper fraß.

Kater Flecki nach der Attacke. Die Wunde ist rechts am Hals deutlich zu erkennen.
von Julian Seiferth Kontakt Profil

Als Flecki am 19. Juli von einem Streifzug zurück in die Perschener Straße in Nabburg kommt, ist der Kater sichtlich mitgenommen. Die eine Seite des Halses zeichnet ein Bluterguss, auf der anderen hat sich ein Blutsack gebildet. Alles deutet auf einen heftigen Kampf mit einem anderen Tier hin.

Doch Frank Schäfer, Halter des eineinhalbjährigen Katers und Sportschütze, hat bereits da einen schrecklichen Verdacht: „Ich habe um die Wunder herum gefühlt und dabei einen Fremdkörper bemerkt“, erinnert sich Schäfer. In Absprache mit dem Tierarzt beobachtet er Fleckis Zustand über einige Tage. Der verschlechtert sich zunächst, bevor er sich nach und nach wieder bessert.

Projektil monatelang im Hals

Vor wenigen Tagen dann der Schock: Wir schreiben den 19. Oktober. Seit dem Vorfall sind genau drei Monate vergangen. In dieser Zeit hatte der Kater über Monate am eigenen Hals gekratzt, immer und immer wieder. Und jetzt, Mitte Oktober, passiert es: Auf der entgegengesetzten Seite der ursprünglichen Wunde, dort, wo sich im Juli der Blutsack gebildet hatte, fällt etwas aus dem kleinen Körper des Tieres. Es ist der Fremdkörper, den Frank Schäfer bereits im Juli erspürt hatte. Der Sportschütze erkennt ihn sofort: Es handelt sich um ein Jagdgeschoss, ein angespitztes Projektil, die sich zwischen Juli und Oktober langsam aber sicher durch den Hals seines Katers gefressen hatte, bis Flecki sie zu Beginn dieser Woche selbst herauskratzte. Im Juli hat kein Kampf mit einem Tier stattgefunden – auf Flecki ist offensichtlich geschossen worden.

Heute geht es dem Kater gut, sagt Schäfer. Dabei hätte die Sache ganz anders ausgehen können – dass sich weder die Wunde noch das Projektil in den drei Monaten entzündeten, ist reine Glückssache.

Anzeige gegen Unbekannt

Folgeschäden erkennen bisher weder Halter noch Tierarzt. Auch das ist ein einziger Glücksfall, sagt Frank Schäfer: „Wenn die Kugel ein wenig höher oder tiefer einschlägt – im Kopf, in die Brust, im Auge – dann kann das tödlich für den Kater ausgehen.“

Frank Schäfer hat am Dienstag, 19. Oktober, Anzeige bei der Polizeiinspektion Nabburg erstattet, die den Eingang der Anzeige wegen Sachbeschädigung im Zusammenhang mit dem Tierschutzgesetz – Tiere gelten vor dem Gesetz als Gegenstände – bestätigt. Nun wird gegen Unbekannt ermittelt. Schäfer selbst hat keinen Verdacht geäußert, sagt nur, dass der Täter wohl ebenfalls Zugang zu Schusswaffen haben muss, beispielsweise als Sportschütze. Die Ergebnisse will die Polizei an die Staatsanwaltschaft in Amberg weitergeben, die sich des Falles dann annehmen will.

Die Erstmeldung der Polizei

Nabburg
Hintergrund:

So behandelt das Justizsystem Gewalt gegen Tiere

  • Im Strafrecht gelten Tiere als Sachen. Dementsprechend können sie beispielsweise Gegenstand einer Sachbeschädigung oder eines Diebstahls sein.
  • Die Tatbestände der Jagd- oder Fischwilderei schützen nicht das Tier, sondern das Recht des Jägers oder Fischers.
  • Strafbar ist auch die Verbreitung und Herstellung tierpornographischer Schriften. Auch in diesem Fall bezieht sich die Strafbarkeit nicht auf das Tier, sondern dient dem Schutz der Allgemeinheit.
  • Das Tierschutzgesetz selbst kennt eine Strafvorschrift, nämlich die ungerechtfertigte Tiertötung sowie die rohe und quälerische Misshandlung von Tieren. Geahndet wird die vorsätzlich begangene Tierquälerei. Versuch oder Fahrlässigkeit werden als Ordnungswidrigkeit behandelt. (jus)
Flecki sitzt auf einem Terrassentisch. Das Foto wurde aufgenommen, bevor der Kater angeschossen wurde.
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Kommentare

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Tanja Härtl

Es freut mich sehr, dass es dem Kater Flecki wieder gut geht! Es wäre höchste Zeit, dass ein Tier strafrechtlich nicht mehr als Sache behandelt werden darf! Man muss die Tiere vor solchen Unmenschen schützen.

23.10.2021