18.08.2019 - 15:09 Uhr
NabburgOberpfalz

Im Koffer kaum Platz fürs Klima

Das schlechte Gewissen wartet vielleicht schon beim Check-In: Flug- und Schiffsreisen sind bei der Debatte um den Klimawandel in die Kritik geraten. In den Reisebüros hat man die wunden Punkte durchaus im Blick.

Schlechtes Gewissen wegen einer klimaschädlichen Fernreise? Die Reisebüros Im Landkreis spüren davon nichts. Nur selten ist die Umweltverträglichkeit wichtiger als der Preis.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Umweltaktivistin Greta Thunberg wählt das Segelboot für die Reise in die Vereinigten Staaten. Die Kunden der Reisebüros im Landkreis allerdings sind selten so konsequent in Sachen Umweltschutz, um auf ein Traumziel zu verzichten. Wer lieber radelt statt in den Flieger zu steigen, taucht allerdings oft auch gar nicht erst ein in die Welt der bunten Reiseprospekte. Aber es gibt sie, die Kunden, die partout mit der "Aida nova" auf Kreuzfahrt gehen wollen. Das ist das erste Kreuzfahrtschiff, das mit dem Blauen Engel für ein umweltfreundliches Schiffsdesign ausgezeichnet wurde.

"Ich fände es aber auch schade, wenn die Kunden bestraft würden, die einmal im Jahr in den Urlaub fahren wollen", meint Sabrina Meierhöfer von Raiffeisen-Touristik in Oberviechtach. Da solle man sich doch lieber über Geschäftsreisen Gedanken machen, die viel häufiger vorkommen und natürlich auch über den Preis für Flüge. "Ich hatte gerade eine Kundin, die wollte nach Hamburg. Mit dem Zug ab Weiden oder Schwandorf hätte das 120 Euro gekostet, der Flug ab Nürnberg kam auf 90 Euro" rechnet sie vor. "Da steigen die Leute halt lieber in den Flieger." Aktuell ist Last-Minute-Zeit, da dominiert die Schnäppchenjagd auf dem Reisemarkt. Doch Meierhöfer ist sich sicher: "Je mehr in den Medien berichtet wird, desto schneller setzt ein Umdenken ein." Sie rechnet damit, dass der Umweltschutz im nächsten Jahr schon eine weitaus größere Rolle bei der Reiseplanung spielen könnte.

"Im Moment bekommen wir noch nichts von einem Wandel im Reiseverhalten zu spüren", erklärt auf Nachfrage von Oberpfalz-Meiden Stephan Schaal von Schaal-Tours in Wernberg. In den vergangenen Jahren sind seiner Einschätzung nach zwar viele mit dem Auto in Deutschland, Italien und Kroatien unterwegs gewesen, doch auch bei Fernreisen laufe das Geschäft gut. "Nicht so gut wie im letzten Jahr, aber da gab es auch ein generelles Hoch in der Reisebranche."

Kaum zu toppen

"Besser wird es nicht mehr, das ist nicht zu toppen", meint Schaal angesichts der enormen Reisefreude im Vorjahr. Die wegen des Schadstoffausstoßes der Schiffe in Verruf gekommenen Kreuzfahrten würden noch immer boomen. Da sei sogar noch Luft nach oben, sagt der Fachmann, für dessen Kunden vor allem eines ausschlaggebend ist: "Die Leute schauen auf den Preis."

"So schnell ändert sich das Kundenverhalten nicht", davon ist auch Bernhard Haas vom Nabburger Reisebüro Wild überzeugt. Als "Reise-Vermittler sei man außerdem auf die Angebote der Veranstalter angewiesen, gibt er zu bedenken. Sicherlich würden die Veranstalter schon bald auf einen neuen Trend reagieren. "Die Entscheidungen für Fernreisen in den nächsten Monaten sind längst gefallen", stellt er klar, "da ist es definitiv zu früh, um eine Aussage über den Einfluss der Klima-Debatte zu treffen." Es sei ja auch nicht immer einfach, eine umweltverträgliche Alternative zu finden. "In Zukunft werden sich bestimmt einige Leute eine Zugfahrt für den Urlaub überlegen, aber für eine Reise nach Australien sind Bus oder Bahn halt keine Alternative."

Denkprozesse zum Thema "Urlaub in Zeiten des Klimawandels" brauchen Zeit, meint der Nabburger Reise-Experte. "Sobald es an den Geldbeutel geht, rückt die Moral in den Hintergrund", hat er festgestellt, "eine Familie mit mehreren Kindern hat eben auch nur ein bestimmtes Budget".

"Wir versuchen zumindest, klimafreundliche Hotels zu vermitteln", berichtet Petra Meixner vom gleichnamigen Reisebüro im Schwandorf. Ihre Kollegin Andrea Goldhahn hat bereits ein entsprechendes Portfolio zusammengestellt. "Wir wollen hier nicht als Lehrmeister dastehen, aber wir sind vorbereitet", sagt Goldhahn und fügt hinzu: "Auch mir liegt unsere Erde sehr am Herzen. Mir liegt aber auch daran, dass Menschen aus Deutschland rauskommen, um andere Kulturen und Problematiken kennen und verstehen zu lernen."

Plastik im Paradies

Tanja Ehrlich von Take-off-Reisen in Neunburg vorm Wald spricht ihre Kunden inzwischen von sich aus auf das Thema Umweltschutz an, seit sie mit eigenen Augen gesehen hat, was mit Traumzielen wie den Malediven in den vergangenen Jahren passiert ist: "Vor fünf Jahren war es dort perfekt, vor drei Jahren habe ich am Strand Plastikflaschen aufgesammelt."

Auch mir liegt unsere Erde sehr am Herzen. Mir liegt aber auch daran, dass Menschen aus Deutschland rauskommen, um andere Kulturen und Problematiken kennen und verstehen zu lernen.

Reiseberaterin Andrea Goldhahn

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