15.08.2019 - 17:26 Uhr
NabburgOberpfalz

Lächeln kann Leben retten

Die blinkenden Tafeln am Straßenrand erfreuen sich bei Kommunen wachsender Beliebtheit. Wer sich an die Geschwindigkeit hält, bekommt einen Smiley. Erhöht er auch das Bewusstsein für die Fahrweise und damit für die Verkehrssicherheit?

Befindet sich das Tempo unterhalb der zulässigen Geschwindigkeit, zeigt das Display ein lachendes und zufriedenes Gesicht (einen grünen Smiley). Die hängenden Mundwinkel in roter Farbe signalisieren, dass die Geschwindigkeit überschritten ist.
von Georg Köppl Kontakt Profil

Es ist zweifellos eine charmante Art, mit dem Smiley (von englisch to smile = lächeln) Verkehrsteilnehmer auf das erhöhte Tempo aufmerksam zu machen, ohne gleich ein Bußgeld zu kassieren: Das Messgerät erfasst mit integrierten Radarsensoren präzise die erfasste Geschwindigkeit. LEDs stellen diese auf dem Display dar. Ein grüner Smiley zeigt, dass das vorgeschriebene Geschwindigkeitslimit eingehalten wird. Ein roter Sadly (trauriges Gesicht) warnt bei Überschreitung. Die gemessenen Daten werden auch aufgezeichnet und können am PC ausgewertet werden.

An neuralgischen Stellen

Damit zeigen die Anlagen sowohl den Verkehrsteilnehmern wie auch den Anwohnern, wie das Verhalten an bestimmten Punkten ist. Es geht hierbei nicht um Abkassieren, sondern nach dem Lob- und Tadel-Prinzip soll bei den Kraftfahrern das Bewusstsein für deren Fahrweise geschärft und die Verkehrssicherheit für alle erhöht werden. Die Stadt Oberviechtach hat vor etwa zwei Jahren einen Smiley angeschafft, der nach Aussage von Bürgermeister Heinz Weigl an neuralgischen Punkten im Stadtbereich und in den Ortsteilen wie an Ortseingängen, bei Schulen, Kindergärten oder Spielplätzen zum Einsatz kommt. Die Messungen werden im Rathaus selber beobachtet und auf Nachfrage auch präzise ausgewertet. "Es wird bewusster gefahren, solange das Gerät dasteht, leider aber auch wieder schneller, wenn es wieder weg ist", weiß Weigl aus den Erfahrungen.

Auch in Neunburg vorm Wald läuft diese Geschwindigkeitsüberwachung nunmehr ausschließlich über die Stadt. Bei der Verkehrswacht und der ArGe-Jugend bereits länger vorhandene Anlagen wurden von der Stadt übernommen und zusätzlich einige neue angeschafft. "Es soll nach dem Willen des Stadtrats ein sichtbarer Appell an die Vernunft der Autofahrer sein", heißt es aus dem Rathaus. Deshalb werden auch nicht alle Daten ausgewertet.

"Blinde" Messungen

In Nabburg war zunächst die Verkehrswacht der "Smiley-Vorreiter". Das Gerät hat laut Vorsitzendem Karl Beer altersbedingt ausgedient und auch der Unterhalt mit den Akkus sei recht kostspielig gewesen. "Die Autofahrer sollen animiert werden, runter vom Gas zu gehen", hält Karl Beer derartige Messgeräte mit Blick auf die Verkehrssicherheit für sehr sinnvoll. Mittlerweile hat die Stadt zwei Messgeräte angeschafft, die laufend an wechselnden Stellen eingesetzt sind. Gezielt dann, so der stellvertretende Geschäftsstellenleiter Thomas Prey, wenn Beschwerden über erhöhte Geschwindigkeiten aus der Bevölkerung kommen oder wie momentan beispielsweise auf Umleitungsstrecken in 30er-Zonen.

Beim Kollegen Johannes Schießl laufen die Messergebnisse zusammen. Er erklärt, dass es auch "blinde" Messungen gibt, das heißt, dass das Gerät auch aufzeichnet, wenn nichts am Display erscheint. Damit erhält man den eigentlich repräsentativen Wert, weil ohne Anzeige meist anders gefahren wird. Und was hält eigentlich die Polizei von den Smileys? "Ich finde sie aus polizeilicher Sicht sehr positiv", sagt die Nabburger PI-Chefin, Erste Polizeihauptkommissarin Sabine Roidl, wie aus der Pistole geschossen: "Die Leute sehen genau in dem Moment, wie schnell sie fahren und werden deutlich darauf hingewiesen, wenn das Tempo zu hoch ist". "Und ich sehe auch lieber jemanden, der mich anlächelt", ergänzt die Inspektionsleiterin. Jedenfalls bringe das Gerät ihrer Meinung nach mehr wie auf die Fahrbahn aufgespritzte Tempobeschränkungen. Wenn sich durch wiederholte Messungen herausstelle, dass an bestimmten Punkten permanent zu schnell gefahren werde, bleibe aufgrund dieser Erkenntnisse immer noch die Möglichkeit, "richtig" zu blitzen.

Diplomarbeit zur Wirkung der Smileys:

Ingenieur Daniel Wanzek hat an der Bauhaus-Universität Weimar seine Diplomarbeit zur Wirkung der Geschwindigkeits-Displays geschrieben. "Wer Smileys mit herabhängenden Mundwinkeln sieht, geht um drei bis zehn Stundenkilometer runter mit dem Tempo", nennt er als Ergebnis seiner Feldforschung. Da etwa zwei Drittel aller Verkehrsunfälle mit Personenschäden innerhalb von Ortschaften passieren, sei "Lächeln retten Leben" nicht nur ein Slogan, sondern Fakt.

Und bundesweite Untersuchungen haben gezeigt, dass derartige Anzeigetafeln die Geschwindigkeitsüberschreitungen um 40 bis 60 Prozent senken können. (kö)

Ich sehe auch lieber jemanden, der mich anlächelt.

Erste Polizeihauptkommissarin Sabine Roidl, Leiterin der PI Nabburg

Erste Polizeihauptkommissarin Sabine Roidl, Leiterin der PI Nabburg

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