14.11.2019 - 17:30 Uhr
NabburgOberpfalz

Legionellen im Nabburger Hallenbad

Das Hallenbad in Nabburg wurde wegen Legionellen im Wasser vorerst geschlossen. Noch ist nicht klar, wann es wieder aufmacht.

Seit rund zwei Wochen ist das Bad gesperrt – was für die drei benachbarten Schulen, die es für den Schwimmunterricht benutzen, und für die Wasserwacht eine starke Einschränkung darstellt. Natürlich dürfen auch keine anderen Badbesucher mehr hinein.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Legionellen sind Bakterien, die beim Menschen unterschiedliche Krankheitsbilder verursachen, von grippeartigen Beschwerden bis zu schweren Lungenentzündungen. Sie sind weltweit verbreitete Umweltkeime, die in geringer Anzahl natürlicher Bestandteil von Oberflächengewässern und Grundwasser sind. Legionellen vermehren sich am besten bei Temperaturen zwischen 25 und 45 Grad. Oberhalb von 60 Grad werden sie meistens abgetötet und unterhalb von 20 Grad vermehren sie sich kaum noch. Besonders in künstlichen Wassersystemen wie Wasserleitungen in Gebäuden finden die Erreger bei entsprechenden Temperaturen gute Wachstumsbedingungen. In Ablagerungen und Belägen des Rohrsystems können sich die Legionellen besonders gut vermehren.

"Hallenbad bis auf weiteres geschlossen" lautet die lapidare Aufschrift eines Zettels im Eingangsbereich.

Mit diesem Problem hat nun das Nabburger Hallenbad zu kämpfen. "Zum ersten Mal," wie Franz Pfeffer versichert. Pfeffer ist stellvertretender Pressesprecher des Landkreises und somit fällt das Bad sozusagen in seine Zuständigkeit - denn es ist eine Liegenschaft des Kreises.

Seit 1967 existiert das Hallenbad auf dem Nabburger Schulberg. Mittlerweile ist es ziemlich in die Jahre gekommen - sowohl baulich als auch von der technischen Ausstattung her, die völlig veraltet ist. Um den genauen Sanierungsbedarf zu ermitteln, nahmen Experten das Bad vor zwei Jahren genau unter die Lupe. Sie kamen zu einem vernichtenden Urteil.

Ein Problem stellen vor allem die alten Leitungen dar. Wenn das Gesundheitsamt eine Legionellen-Gefahr sehe, so könnte es Maßnahmen dagegen fordern, hieß es schon Anfang 2018. Es bestünde in diesem Fall wohl Nachrüstungsbedarf, der aber laut Ansicht des Experten keine umfassende Sanierung des ganzen Bades nach sich ziehen würde: "Man müsste etwas basteln, damit das nicht mehr auftritt".

Das passiert derzeit. Das Landratsamt hat eine Firma beauftragt, alte Wasserleitungen abzuklemmen und die Zahl der Duschen zu verringern. Auslöser war eine Laboruntersuchung, die beim Brauchwasser, also dem Wasser für die Duschen, eine erhöhte Legionellen-Keimzahl attestiert hatte. Das Wasser des Schwimmerbeckens ist davon laut Pfeffer nicht betroffen. Beim Brauchwasser ergab sich hingegen ein Wert von 3000 KBE/100 ml (siehe Infokasten). Das ist eine Zahl, die das Gesundheitsamt auf den Plan gerufen hat.

Das Hallenbad in Nabburg: „Es gibt keinen Erkrankungsfall wegen der festgestellten Legionellen,“ betonte Franz Pfeffer. Man sei durch Routine-Untersuchungen auf den kritischen Wert gestoßen.

Seit rund zwei Wochen ist das Bad gesperrt - was für die drei benachbarten Schulen (Gymnasium, Realschule und Förderschule), die es für den Schwimmunterricht benutzen, und für die Wasserwacht eine starke Einschränkung darstellt. Natürlich dürfen auch keine anderen Badbesucher mehr hinein. Erste Versuche, die Legionellenzahl signifikant zu verringern, haben noch nicht das erwünschte Ergebnis gebracht. Trotz der Erhitzung des Brauchwassers und dem Einsatz von Reinigungsmitteln ist es noch nicht möglich, das Wasser als unbedenklich zu attestieren. Zwischenzeitlich gab es eine zweite Messung, aber es dauert immer zehn bis zwölf Tage, bis die Ergebnisse im Labor ausgewertet wurden.

Es wird sicher auch noch eine dritte Messung geben, vielleicht sogar eine vierte. Denn die Fachfirma, die derzeit die "Totleitungen", die noch Kontakt zum Wasserleitungssystem der Duschen haben, abklemmt, ist mit der Arbeit noch nicht fertig. Erst danach können neue Proben genommen werden. Gleichzeitig wird die Zahl der Duschen reduziert, damit sich die Nutzungsfrequenz der verbliebenen erhöht. Was wiederum die Gefahr verringert, dass sich in den Leitungen Legionellen bilden können.

"Es gibt keinen Erkrankungsfall wegen der festgestellten Legionellen," betonte Franz Pfeffer. Man sei durch Routine-Untersuchungen auf den kritischen Wert gestoßen. "Wir untersuchen alle unsere Liegenschaften", machte er deutlich. Die Schulen seien informiert und müssten Alternativen finden. Bis das Bad wieder aufmacht, kann es Dezember oder auch nächstes Jahr werden.

Der Name Legionellen bezieht sich auf einen Vorfall im Jahr 1976, als es in Philadelphia in den USA zu einer Epidemie kam, bei der 182 von mehr als 4000 Teilnehmern der "American Legion" akut mit Legionella pneumophila an der sogenannten Legionärskrankheit, einer schweren Pneumonie, erkrankten und 29 verstarben. Drei größere Vorfälle in jüngster Zeit ereigneten sich 1999 in Bovenkarspel in Holland, wo es anlässlich einer Blumenschau durch zwei Whirlpools zu 233 Erkrankungen mit 22 Todesfällen kam, 2001 in Murcia in Spanien mit 805 Erkrankungen und 3 Todesfällen über Kühl-/Klimaanlagen und 2010 in Deutschland in Ulm und Neu Ulm mit 65 Erkrankungen und 5 Todesfällen über ein Rückkühlwerk.

Hintergrund:

Sanierungsmaßnahmen erforderlich

Bei Legionellenzahlen über 100 KBE/100 ml (KBE: kolonienbildende Einheit) liegt eine Überschreitung des technischen Maßnahmenwertes vor, so dass Inhaber der Trinkwasser-Installation sofort die Anlageneinstellungen kontrollieren und notwendige Wartungsarbeiten vornehmen muss. Bestätigt die weitergehende Untersuchung eine Belastung zwischen 100 bis 1000 KBE/100 ml sind weitere Abhilfemaßnahmen erforderlich. Ab >1000 KBE/100 ml werden Sanierungsmaßnahmen zu einer Verringerung kurzfristig erforderlich (in Nabburg: 3000 KBE/100 ml). Ab dem "Gefahrenwert" von >10 000 KBE/100 ml sind zudem Sofortmaßnahmen zur Gefahrenabwehr wie beispielsweise ein Duschverbot oder der Einsatz endständiger Filter notwendig.

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