12.01.2021 - 17:02 Uhr
NabburgOberpfalz

Lockdown bringt Händler an ihre Grenzen

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Der zweite Lockdown trifft die Einzelhändler der Region heftig. Ob die Erleichterungen, die seit Montag gelten, wirklich helfen, sehen die Geschäftsleute im Landkreis Schwandorf sehr kritisch.

Die Schwarzenfelder Modehändlerin Inge Bauer-Joswig sagt: "Betriebswirtschaftlich ist der Lockdown eine Katastrophe."
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Siegfried Rossmann, Ortsvorsitzender des Deutschen Gewerbeverbandes in Oberviechtach und mit Kontakten in die Politik ausgestattet, hat ein Schreiben vom Bundestagabgeordneten Karl Holmeier erhalten. Der informierte ihn, dass "das Bayerische Wirtschaftsministerium am Mittwoch entschieden hat, die Abholung bestellter Ware unter Auflagen ab dem 11. Januar 2021 zu erlauben".

Diese Handelsbeziehung nennt sich mit einem englischen Ausdruck "Click and Collect", also das Anklicken oder Bestellen einer Ware auf der Homepage eines Geschäfts und das Abholen vor dem Laden, der eigentlich geschlossen hat. "Bei uns muss das Call and Collect heißen," präzisiert Rossmann, "denn unsere Geschäfte haben keinen Internetshop. Bei uns ruft man an - also call - , um zu bestellen".

Weihnachtsware noch da

Rossmann hat unter anderem einen Baumarkt, ein Fachgeschäft für Hausrat und mehrere Großhandelsunternehmen. "Der Großhandel läuft weitgehend normal, damit die Handwerker und die produzierenden Betriebe versorgt werden können," berichtet der Unternehmer. "Aber mit dem Baumarkt und dem Hausrat trifft uns der Lockdown."

Im Fachgeschäft für Hausrat sei die ganze Weihnachtsware noch da und die Angestellten zu Hause, weil Kurzarbeit nötig wurde, "und das tut uns weh". Was den Baumarkt anbelangt, so Rossmann, "hatten wir einen guten Sommer und Herbst und den ersten Lockdown fast aufgeholt - aber die letzten zwei Wochen des Jahres gehen uns brutal ab".

Grundsätzlich steht der Geschäftsmann laut eigenen Aussagen "hinter dem Lockdown und den Maßnahmen der Regierung". Aber er weiß natürlich, wie schwierig die Lage für die Händler ist, auch wenn man Ware ausliefern darf: "Das durften wir schon immer, aber das war ein Irrsinn, bei dem wir nur draufgezahlt haben."

Ausfahren rechnet sich nicht

In Pfreimd ist Mirko Hägler so etwas wie der Sprecher der Gewerbetreibenden, auch wenn sie in der Stadt über keine Organisation verfügen: "Einen Gewerbeverband gibts bei uns nicht." Hägler hat einen Handwerksbetrieb für Elektroinstallation und ein Geschäft, in dem überwiegend "weiße Ware" angeboten wird, also Waschmaschinen, Trockner und ähnliches. Der zweite Lockdown ab dem 16. Dezember war für ihn "eine ganz schlechte Nachricht". Die Ankündigung des "Click and Collect" sei noch das einzig Positive daran. Wobei das gar nicht so sehr seinen Handwerksbetrieb betrifft, sondern eher den Laden. "Aber wer ruft schon an und bestellt eine Waschmaschine, ohne sie vorher gesehen zu haben?" Dabei dürfte er das Gerät sogar ausliefern und auch anschließen, "aber wenn man es vorher im Geschäft nicht sehen kann, kauft es auch keiner".

Bleiben kleine Dinge übrig, etwa Neonröhren oder dergleichen: "Die kann man nach einen Anruf bei uns vor dem Geschäft abholen." Ausfahren wird er solche Sachen aber nicht, wie er es vor Weihnachten noch gemacht hat. Das rechne sich nicht.

Handwerker kaum betroffen

Kein Problem mit dem zweiten Lockdown hat ein anderer Vorsitzender. Es ist Michael Starkmann, der den Gewerbeverein Wernberg-Köblitz anführt. Denn Starkmann ist Optiker "und damit systemrelevant", wie er sagt. Bei ihm laufe das Geschäft ganz gut, freut er sich. Dass es bei den Ladenbesitzern in seinem Verein anders aussieht, ist ihm bewusst. Allerdings hat der Gewerbeverein Wernberg-Köblitz überwiegend Handwerksbetriebe als Mitglieder, "und die kommen ganz gut zurecht". Wenn auch mit Einschränkungen: "Ein Maler hat mir gesagt, dass ihm die Kundenaufträge im Dezember weggebrochen sind, weil die Leute plötzlich Angst hatten, ihn in die Wohnung zu lassen."

"Innenstädte bluten aus"

Inge Bauer-Joswig kann nur den Kopf schütteln wegen des neuerlichen Lockdowns. Die Vorsitzende des Gewerbeverbands Schwarzenfeld ist überzeugt, "dass wir in unseren Läden keinen angesteckt haben". Man brauche im Vergleich dazu bloß den Andrang in den Lebensmittelgeschäften ansehen. "Wir haben unsere Konzepte eingehalten," versichert die Inhaberin mehrerer Modegeschäfte in der Region.

Die Hoffnungen nach dem ersten Lockdown hätten sich wirtschaftlich nicht erfüllt, bedauert sie, aber dann sei es doch wieder aufwärts gegangen. "Und dann sperren sie uns zu!" Für sie ist klar: "Betriebswirtschaftlich ist der Lockdown eine Katastrophe." Von dem Konzept des "Click and Collect" hält sie als Modehändlerin nicht viel. "Außerdem sind wir ein Fachhandel, bei uns wollen die Menschen beraten werden," betont sie. Die Schließung der Geschäfte helfe doch nur dem Internethandel, ist Bauer-Joswig überzeugt: "Schauen Sie sich doch einmal die Postboten an, die wissen doch gar nicht mehr, wie sie ihre Arbeit stemmen sollen." Für die Innenstädte sieht sie eher schwarz: "Die bluten aus."

Es gibt Ausnahmen

Im Gegensatz zum ersten Lockdown betrifft die Geschäftsschließung nun auch Bau- und Gartenmärkte. Nicht betroffen von dem neuerlichen Lockdown sind hingegen Discounter wie Aldi, Norma und Netto oder Super- und Großmärkte wie Edeka, Rewe und Globus. Sie zählen zu den systemrelevanten Bereichen wie auch Apotheken, Bäckereien, Zoohandlungen, Sanitätshäuser und Drogerien.

Das Besondere am Globus-Warenhaus in Schwandorf ist seine große Non-Food-Abteilung. Sie ist integriert in den Lebensmittelbereich, und man kann dort auch viele Dinge des täglichen Bedarfs kaufen. "Unsere Globus-Märkte sind und bleiben wie gewohnt geöffnet. Die Belieferung unserer Märkte ist sichergestellt," heißt es auf der Homepage des Unternehmens.

Die bisher bis zum 10. Januar befristeten Maßnahmen gelten fort

Deutschland und die Welt
Hintergrund:

"Click and Collect-Abholservice"

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger hat die Bedeutung des "Click and Collect-Abholservices" für den bayerischen Einzelhandel unterstrichen.

  • Im Dezember hat noch die Befürchtung überwogen, dass sich zu viele Menschen gleichzeitig vor den Geschäften aufhalten.
  • Nun ist „Click and Collect" laut Aiwanger "der vielleicht letzte Strohhalm für die Händler, die seit Mitte Dezember geschlossen haben müssen".
  • Ab 11. Januar kann in Bayern bei Händlern online oder telefonisch bestellt und die Ware anschließend vor dem Geschäft abgeholt werden.
  • Beschlossen wurden Schutz und Hygienekonzepte wie die Vereinbarung gestaffelter Zeitfenster zur Abholung und das Tragen von FFP2-Schutzmasken.
  • Das Ziel; Die Bürger sollten gezielt beim ortsansässigen Händler einkaufen und nicht nur auf den großen internationalen Plattformen.

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