12.09.2018 - 18:20 Uhr
NabburgOberpfalz

Magere Ernte auf Kartoffeläckern

Abends vor dem Fernseher sitzen, ein Bier in der einen Hand, eine Tüte Kartoffelchips in der anderen - für viele selbstverständlich. Doch die Kartoffelernte scheint heuer aufgrund des trockenen Sommers erschreckend gering auszufallen.

Die Kartoffelanbauer stehen vor einem doppelten Problem: Zum einen fällt die Ernte heuer eh schon überaus dürftig aus, zum anderen haben die fertigen Kartoffel noch mal ausgetrieben und sind somit nicht lagerfähig. Das veranschaulichte Landwirt Johann Schießl (Mitte) auf seinem Acker bei Neusath.

Die Landwirte sowie die Kartoffel verarbeitenden Firmen haben ein gemeinsames Problem. "Wir wollen aus dieser Gesprächsrunde keine Jammer-Veranstaltung machen, denn als Landwirte arbeiten wir mit der Natur und sind es gewohnt, dass die uns nicht jedes Jahr die gleichen Bedingungen verschafft." So begann Roman Rupprecht, Vorsitzender der Gebietsgemeinschaft Oberpfalz der Erzeugergemeinschaft für Qualitätskartoffeln, sein Statement zum Thema "Kartoffelernte Oberpfalz 2018". Diverse Vertreter der Landwirte, der Kartoffelverarbeiter und der Politik wollten am Mittwoch auf einem Kartoffelacker bei Nabburg-Neusath zeigen, woran es hapert: Das Problem bei der diesjährigen Ernte sei nicht nur die große Hitze des Sommers, sondern eher noch der fehlende Regen. Für die Kartoffel sollte es nicht allzu heiß sein und regelmäßigen Niederschlag geben.

Zum Lagern ungeeignet

Johann Schießl, auf dessen Acker das Gespräch stattfand, grub probeweise und förderte ein paar der Knollen zu Tage, um das Ausmaß sichtbar zu machen. "Das sind nicht mal 50 Prozent des normalen Ertrages. Außerdem sind die Kartoffeln sehr klein.", stellte der Landwirt fest und fügte an: "Aufgrund des Regens in den letzten Wochen hat die eigentlich schon fertige Kartoffel nochmal ausgetrieben. Wenn ich sie jetzt lagern will, wird sie anfangen zu faulen, und man kann sie nicht mehr verarbeiten." Die Sorte "Verdi", die Schießl hier anbaut, wird zur ChipsProduktion verwendet. Dafür wird sie allerdings zunächst für mehrere Monate eingelagert - eben diese Lagerung stellt nun ein Problem dar: "Würde man sie gleich verarbeiten, könnte man auch diese Kartoffel mit den Austrieben noch verwenden, doch in ihrem aktuellen Zustand ist sie nicht lagerfähig,", erklärte er.

Thomas Zirngibl vom Erzeugerring für landwirtschaftlich-pflanzliche Qualitätsprodukte Oberpfalz machte deutlich, was das für Bauern bedeutet: "Zu den ohnehin schon zur Hälfte wegfallenden Erträgen kommt noch hinzu, dass wahrscheinlich nochmal die Hälfte der Ernte nicht verarbeitet werden kann." Manfred Venzl von der Erzeugergemeinschaft Floß hoffte: "Wir wären dankbar, wenn von Seiten der Politik Hilfe und Unterstützung für uns kommt." Hier schaltete sich Kreisbäuerin Rita Blümel ein und informierte: "Für die Landwirte in Bayern wird es Hilfe bei der Futtermittel-Knappheit geben."

Produktpreise ziehen an

Für die Chips-Herstellung bedeutet die schlechte Ernte, dass die einzelnen Chips aufgrund der geringen Größe der Kartoffeln auch kleiner werden, was auch zu Schwierigkeiten bei der Vermarktung im Einzelhandel führen kann. "Es ist ein Irrglaube, dass wir Bauern von den steigenden Preisen für die Chips-Tüten profitieren.", sagte Manfred Venzl. Warum das so ist, erklärte Alfred Bauer, Vorsitzender des Erzeugerrings für landwirtschaftlich-pflanzliche Qualitätsprodukte Oberpfalz: "Wir Landwirte handeln mit unseren Abnehmerfirmen vorab einen Preis aus, zu dem wir die Kartoffeln an sie weiterverkaufen. Dabei werden neben dem Preis auch die Menge und die Sorte festgelegt. Wenn wir mit unseren Lieferungen den Zahlen im Vertrag nicht gerecht werden können, müssen wir die Firmen frühzeitig informieren."

Wie wichtig diese funktionierende Kooperation ist, erkennt auch Timo Burger von der Firma "Burgis" in einer Pressemitteilung des Unternehmens: "Vor allem in schwierigen Zeiten zahlt sich die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit unseren Landwirten für beide Seiten aus." Die Knödelproduktionsfirma "Burgis" aus Neumarkt sieht jedoch aufgrund des Warenengpasses "Preisanpassungen bei den Knödelspezialitäten für unumgänglich." Die genauen Erntezahlen bleiben zwar noch abzuwarten, dennoch werden die Bauern ihren gewohnten Erträgen laut Theresia Addokwei vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Regensburg nicht gerecht werden können.

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