01.12.2021 - 14:27 Uhr
NabburgOberpfalz

Nabburger Kinderarzt im Ruhestand hilft nun im Impfzentrum

Dr. Josef Weidinger ist ein über die Grenzen Nabburgs hinaus bekannter und beliebter Kinderarzt. Seine Praxis hat er vor zwei Jahren aufgegeben, im Ruhestand angekommen ist er noch nicht. Eine neue Aufgabe fordert ihn.

Seit elf Monaten ist das Impfzentrum Nabburg in Betrieb. Nach einer Nachfrageflaute im Sommer strömen die Impfwilligen derzeit wieder in Mengen dorthin. Die Mitarbeiter werden dadurch stark gefordert.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Nach einer langen Zeit als Kinderarzt hat Dr. Josef Weidinger im Jahr 2019 seine Praxis an der Regensburger Straße an junge Nachfolger übergeben. "Däumchen habe ich danach nicht gedreht," verrät der 67-Jährige schmunzelnd. Im gleichen Jahr noch erreichte ihn die Bitte eines Kollegen und Freundes aus der Nähe von Weiden, der aus gesundheitlichen Gründen einen Vertreter benötigte. "Da habe ich dann sechs Wochen in dessen Praxis gearbeitet," berichtet Weidinger.

Weitaus zeitaufwändiger war die nächste Aufgabe. Weidingers Nachfolgerin in Nabburg bekam ein Kind "und wir hatten schon vorher ausgemacht, dass ich in so einem Fall wieder in der Praxis mitarbeiten werde". Ein ganzes Jahr lang, von April 2020 bis März 2021, war der Arzt aus diesem Grund erneut an seiner alten Wirkungsstätte im Einsatz. "Damals ging das gerade los mit Corona," erinnert sich Weidinger an das Frühjahr Jahr 2020, "und die Angst vor Ansteckung war groß".

Unterstützung der Kampagne

Im November 2020 hat sich der Landkreis entschieden, in Nabburg ein Impfzentrum einzurichten, am 29. Dezember erfolgten dort die ersten Impfungen. Ein dreiviertel Jahr, bis Ende September 2021, betrieb die BAD GmbH, ein Gesundheitsdienstleister mit Sitz in Bonn, dieses Zentrum, dann übernahm der Landkreis dort selbst die Regie. "Ich habe mich an die Verantwortlichen gewandt, weil ich mithelfen wollte, diese riesige Aufgabe zu bewältigen," blickt Weidinger auf seine Beweggründe zurück, im Impfzentrum mitzuarbeiten. Denn eines war klar: "Das Impfzentrum brauchte Ärzte." So stieg der Kinderarzt heuer im April dort für zwei bis drei Tage in der Woche in die Arbeit mit ein: "Denn ich hatte Zeit zu helfen."

Heuer im Sommer ist dann die Nachfrage nach Impfungen "erheblich gesunken," wie Weidinger feststellen musste. So stellte er im Spätsommer sein zeitliches Engagement um und kam nur mehr halbe Tage zum Einsatz. Vor zwei Wochen änderte sich dann alles vollständig: "Es gibt jetzt im Impfzentrum wieder eine riesige Nachfrage." Bei den freien Impfsprechstunden herrscht zwischenzeitlich so ein Andrang, dass man eineinhalbstündige Wartezeiten einkalkulieren muss, bis man mit seiner Erst- oder Zweit-impfung an der Reihe ist. Weidinger kennt auch die Klagen, dass es "manchmal schwierig ist, mit Anrufen durchzukommen".

Noch mehr Hilfe nötig

Er würde sich wünschen, dass das Impfzentrum an mehr Tagen geöffnet ist, um das Impfangebot auszuweiten - nicht nur wegen der älteren Leute, die ihre dritte Impfung bekommen sollen. Dass das nicht an mangelnder Bereitschaft liegt, weiß Weidinger auch. Derzeit ist die Einrichtung drei Tagen ganztags geöffnet für Leute, die vorab einen Termin vereinbart haben; und an weiteren zwei Tagen lediglich nachmittags für Erst- und Zweitimpfungen, was ohne Terminvereinbarung möglich ist. Zwei Tage in der Woche ist das Impfzentrum geschlossen - gewöhnlich Montag und Samstag.

"Ärzte wären ja genug da," versichert Weidinger, "aber anderes Personal müsste man wieder einstellen". Ähnlich äußert sich auch das Landratsamt Schwandorf: "Weiterhin ist das Impfzentrum auf der Suche nach medizinischem Assistenzpersonal. Einige Bürger sind unserem Aufruf schon gefolgt und haben sich im Landratsamt gemeldet, um im Kampf gegen die Pandemie aktiv zu helfen."

Erfahrung zählt

Denn nach dem Ende der Verantwortlichkeit der BAD GmbH vor zwei Monaten liefen zahlreiche, auf das Projekt befristete Verträge von Mitarbeitern aus. Diese Mitarbeiter setzen auch die Spritzen, "als Doktor," so Weidinger, "berät man nur die Impfwilligen". Wobei es auch aus anderen Gründen gut ist, wenn ein erfahrener Mediziner wie Josef Weidinger dabei ist. Hin und wieder hat nämlich jemand Angst vor der Spritze. So etwas kennt Weidinger aus seiner Zeit als Kinderarzt. Da hilft Psychologie. "Ich frage dann zum Beispiel, ob jemand katholisch ist und wie er mit Vornamen heißt. Und während er dann noch darüber grübeln muss, wann sein Namenstag sei, wird gepikst."

Seit zwei Monaten betreibt der Landkreis das Impfzentrum unter eigener Regie

Nabburg
Hintergrund:

Impfzentrum Nabburg

  • Erst- und Zweitimpfungen sind in dieser Woche am Sonntagnachmittag ohne Terminvereinbarung möglich.
  • Für Booster-Impfungen (Drittimpfung nach Biontech/Moderna/Astra, oder Zweitimpfung nach Johnson&Johnson) ist eine vorherige Terminvereinbarung notwendig. Dazu muss man sich im Internet unter https://impfzentren.bayern/ registrieren.
  • Es gibt dann einen Terminvorschlag. Unter Umständen werden Termine auch relativ kurzfristig angeboten, je nach Verfügbarkeit.
  • Senioren und Menschen ohne Internetzugang können einen Termin telefonisch vereinbaren unter 09433/3189510. Die Telefonhotline ist nur zu den Öffnungszeiten des Impfzentrums besetzt (Montag und Samstag geschlossen).
  • Die Mindestabstände (Drittimpfung nach 6 Monaten, Zweitimpfung nach Johnson&Johnson 4 Wochen) müssen unbedingt eingehalten werden.

Impfzentrum Nabburg

"Es gibt jetzt im Impfzentrum wieder eine riesige Nachfrage."

Dr. Josef Weidinger, Nabburg

Dr. Josef Weidinger, Nabburg

 

 

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