11.09.2020 - 17:21 Uhr
NabburgOberpfalz

Optimismus in der Stimme der Wirtschaft

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Die Arbeit im Bundeswirtschaftsministerium verläuft monatelang mono-thematisch. Es geht fast ausschließlich um Corona und die Bewältigung der Folgen. Davon kann die gebürtige Nabburgerin Tanja Alemany Sanchez de León (44) ein Lied singen.

Als seine Pressesprecherin tritt Tanja Alemany Sanchez de León (rechts) oftmals an der Seite des Bundeswirtschaftsministers Peter Altmaier (Mitte) in Erscheinung. An dieser Pressekonferenz nahm auch der französische Wirtschaftsminister Bruno Le Maire (links) teil.
von Wilhelm Amann Kontakt Profil

Der 31. Mai 2019 war ein glücklicher Tag für Tanja Alemany Sanchez de León, geborene Kraus. An diesem Tag brachte sie ihren Sohn Mateo in Regensburg zur Welt, und sie erhielt ihre Beförderung zur Ministerialdirigentin. Sie leitet seither das Ressort für Kommunikation, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit unter Minister Peter Altmaier (CDU). Im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie in Berlin ist sie eine der beiden Unterabteilungsleiterinnen in der Hauptabteilung Leitung und Planung. Sie gilt in dieser Funktion als eine der engen Vertrauten des Ministers Peter Altmaier, fungiert in Pressekonferenzen als seine Sprecherin und begleitet ihn zu vielen öffentlichen Terminen. Große Erfahrung in allen Kommunikationsbereichen kann die 44-jährige Politologin inzwischen vorweisen, immerhin ist Altmaier schon der siebte Minister, dem sie als Beamtin zuarbeitet.

Lage, die keiner kennen konnte

Ein Jahr später stieß aber diese Erfahrung völlig ungeahnt an eine Grenze. Denn das Ministerium geriet 2020 in eine Situation, wie sie niemand für möglich gehalten hatte. "Für uns ging es ab März nur noch um Corona", erzählt Tanja Alemany während eines Besuchs bei ihrer Mutter Inge Kraus. In der heißen Phase, die spätestens mit dem Lockdown begann, richtete das Ministerium eine Hotline ein, auf der alle Unternehmer und auch sonstigen besorgten Bürger direkt mit Ministeriumsmitarbeitern in Kontakt kommen konnten. "Tausende von Leuten haben da tagtäglich angerufen", berichtet sie im Gespräch mit der Oberpfalz-Medien-Redaktion von verzweifelt klingenden Ratsuchenden, die Angst hatten, in die Insolvenz zu geraten. Die Nachfrage nach aufgelegten Programmen und Soforthilfen war enorm.

Inzwischen - davon geht sie aus - ist die Talsohle durchschritten. Man befinde sich in den "Aufwindmonaten", die doch auch viel Anlass zu berechtigter Hoffnung gäben. Doch dazwischen lag immens viel Arbeit. Denn: Corona hatte die bundesdeutsche Wirtschaft in voller Breite erwischt. Es ging zunächst nur darum, Schadensbegrenzung zu betreiben und dafür zu sorgen, dass nicht alles kaputt geht. Denn die Substanz der Wirtschaftsbetriebe werde ja schließlich benötigt, um irgendwann Licht am Ende des Tunnels erblicken zu können. Das habe man weitgehend geschafft, ist die Ministerialdirigentin überzeugt. Allein mit dem Zuschussprogramm, der sogenannten Corona-Soforthilfe, konnten in den ersten drei Monaten rund zwei Millionen Firmen unterstützt werden. Auch die anderen Programme seien gut gelaufen, ebenso lasse sich das Konjunkturpaket vielversprechend an. Doch letztlich habe das Ministerium nicht alles selber in die Hand. Eine ganz maßgebliche Rolle spiele es, ob und wie die Weltwirtschaft wieder anspringt - und wie die in wenigen Wochen anstehende Präsidentenwahl in den USA ausgeht.

Verantwortlich für gutes Image

Mittlerweile reduziere sich der corona-bedingte Arbeitsanfall auf ein Normalmaß. Im Ministerium gehe es jetzt schön langsam auch mal wieder um andere Themen, die zum Beispiel mit der EU-Ratspräsidentschaft Deutschlands zusammenhängen. Auch die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, das Gesetz zur Digitalisierung des Wettbewerbsrechtes oder das Lieferketten-Gesetz rücken zunehmend mehr in den Vordergrund. Da gebe es in den kommenden Wochen viel zu verhandeln und auszuarbeiten. Teilweise sei es da unverzichtbar, mit viel Fingerspitzengefühl heranzugehen, vor allem wenn es um Menschenrechte geht wie bei den Lieferketten.

Artikel über Tanja Kraus bei der UNO in New York

Tanja Alemany Sanchez de León will optimistisch klingen. Das sieht sie auch grundsätzlich als eine ihrer wichtigsten Aufgaben an: "Wir müssen über Sachen, die gut sind, sprechen und auch gut erklären, warum wir sie brauchen", gelte es auch in harten Zeiten darauf zu achten, dass die Arbeit des Ministeriums gut verkauft wird. Damit ist sie täglich mit rund 50 Leuten im Bürgerdialog, in der Pressestelle, in der Öffentlichkeitsarbeit und im Sozialpartner-Dialog beschäftigt. Sie will realistisch bleiben: Corona sei freilich noch längst nicht überwunden. Das Virus werde bleiben, damit müsse man leben. Das Wichtigste sei aus der Sicht der Wirtschaft, einen zweiten Lockdown zu verhindern. "Den könnten vor allem die Unternehmen kaum mehr stemmen", weiß sie, dass die erste Welle der Hilfen von gefüllten Kassen und guten Rücklagen getragen war. Die Selbstheilungskräfte der Wirtschaft seien zwar stark, doch alleine würden sie niemals reichen.

Tanja Alemany Sanchez de León kommt immer wieder gerne auf Heimaturlaub nach Nabburg. Unser Foto entstand im Haus ihrer Mutter Inge Kraus.
Im Blickpunkt:

Zur Person

Tanja Alemany Sanchez de León, geborene Kraus, stammt aus Nabburg. Sie war zunächst die persönliche Referentin der Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU), Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und Rainer Brüderle (FDP). Nach einer Zwischenstation bei der UNO in New York machte sie Minister Philipp Rösler (FDP) zur Leiterin der Pressestelle. Pressesprecherin war sie auch unter den Ministern Sigmar Gabriel und Brigitte Zypries (beide SPD). In dem seither von Peter Altmaier (CDU) geführten Ministerium ist sie seit Mai 2019 als Ministerialdirigentin die Leiterin der Unterabteilung für Kommunikation, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in der Leitungs- und Planungsabteilung. (am)

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