Nabburg
22.05.2026 - 15:15 Uhr
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Paramount, Arena-Park, Pearls: Ein Blick in die wilde Ära der Nabburger Großraumdisko

Sie hieß Paramount, Arena-Park und Pearls – die Nabburger Großraumdisko hatte viele Namen. Auch Heiner Kummert wurde bald umgetauft, alle nannten ihn nur "Gyros-Heiner". Ein Rückblick in Zeiten voller Techno und viel Knoblauch im Zaziki.

"Ich war mein ganzes Leben auf Festen schon der Letzte", sagt Heiner Kummert. Und so sei das auch in Nabburgs erster Großraumdisko gewesen. "Das Paramount war eine super Disko, das war unsere Zeit", sagt der heute 61-Jährige. Am Ende sei immer diese eine Melodie gespielt worden, als Rausschmeißer. Heiner Kummert sitzt da und summt, blickt dabei nach oben, er will sich noch einmal erinnern – an die Zeiten, "die so cool und locker waren". Im Paramount war er noch normaler Gast, einfach ein junger Mann, der mit seinen Freunden gefeiert hat, da wusste er noch nicht, dass er zu einer Art kulinarischen Legende in Nabburg und im Landkreis Schwandorf werden sollte. Es dauerte schließlich noch ein paar Jahre, bis das Paramount in Arena-Park umgetauft werden sollte und die meisten Menschen Heiner Kummert nur noch den "Gyros-Heiner" nannten.

Am 13. Juli 1989 um exakt 19.30 Uhr begann sie – die Nabburger Geschichte der Großraumdiskotheken an der Schlörstraße. Sie sollte fast vier Jahrzehnte andauern. An diesem Tag im Sommer Ende der 80er eröffnete das Paramount. Es gab eine Karibikbar, einen Spielsalon, einen Biergarten, eine Pizzeria und sogar eine Cafeteria. Damals wurde noch das Patrizier-Bier aus Nürnberg ausgeschenkt. Auch Joachim Schwarz (57) feierte im Paramount. "Es war eine der großen Ur-Diskotheken in Bayern", sagt er heute. Alternativen habe es damals nicht viele gegeben. "Es war immer urig, obwohl es eine Großraumdisko war", sagt Schwarz. Die 80er waren die Zeit der Pop-Musik und des New Wave, es waren aber auch Funk und Soul beliebt. "Im Paramount wurde eher die tanzbarere Musik gespielt", erinnert sich Schwarz. Die DJs in Nabburg setzten also auf Pop. Zudem startete bereits zu Paramount-Zeiten der Hype um Techno und die Dance-Beats. Den Höhepunkt des Techno-Wahnsinns erlebte Joachim Schwarz dann selbst als "DJ Easy" in den 90ern, als das Paramount schon Arena-Park hieß.

Staubsauger auf dem Rücken

"In den 90ern war dann alles voller Eurodance", sagt er. Die Trends aus den Großstädten schwappten auch in den Arena-Park. Alles war verrückt. Die Menschen kamen teilweise mit Staubsaugern auf dem Rücken und Gasmasken auf den Gesichtern. Dicke Bässe wummerten über die Tanzfläche. "Damals waren die Diskos drei Tage in der Woche voll. Heute wäre das undenkbar", sagt "DJ Easy". Viele Jahre lang war er regelmäßig im Arena-Park am Start, zu Beginn immer Mittwochs als Stamm-DJ, da kamen etwa 250 Leute. "Dann wurden es schnell regelmäßig 2000 Menschen", sagt er. Ein großer Erfolg. Das lag laut Joachim Schwarz auch an der "revolutionären Bewerbung", die es damals im Arena-Park gegeben habe. "Da wurden 100-Euro-Gutscheine für alle Frauen ausgegeben." In diesen Dimensionen habe es das vorher in anderen Diskos nicht gegeben. In den Arena-Park kamen sie alle – auch die Stars und Sternchen. "Marusha" legte in Nabburg auf und sogar die "Vengaboys" gaben in der Disko ein Konzert, zu damaliger Zeit der einzige Auftritt in Bayern. "We like to party", "We’re going to Ibiza" und "Shala la la la" schallerte es da durch den Arena-Park.

In diesen wilden Zeiten, als der Arena-Park das Paramount ablöste, fasste auch Heiner Kummert einen Entschluss. Im Jahr 1996 mit Anfang 30 fädelte er den Deal seines Lebens ein. Alles begann mit einem Donnerstags-Stammtisch bei einem Griechen in Diendorf. Denn in dessen Hofeinfahrt stand ein Imbiss-Wagen – ungenutzt. Kummert schuftete damals auf dem Bau und war oft auf Montage. Darauf hatte er keine Lust mehr. "Ich wollte nicht mehr auf Montage, aber wollte natürlich auch Geld verdienen." Also bot er dem Gastwirt folgendes an: Kummert leiht sich den Wagen für drei Monate und zahlt pro Monat 500 DM. Sein Plan war, den Wagen an den unteren Parkplatz der Nabburger Großraumdisko zu stellen. "Der war damals immer brechend voll." Kummert witterte ein gutes Geschäft. Sollte er nach drei Monaten weitermachen wollen, sollte der Gastwirt des griechischen Lokals die restlichen 10.000 DM bekommen, die er für den Imbiss-Wagen verlangte. Zu Beginn habe Kummert alles gekocht und gebrutzelt: Hamburger, Schaschlik, Currywurst, Pommes und Gyros. Nach den ersten vier Wochen merkte er: "90 Prozent haben das Gyros bestellt." Also strich er alles andere von der Karte. "Da war der Gyros-Heiner geboren", sagt Kummert. Rund zwei Monate habe es gedauert, dann habe er die 10.000 DM bezahlt. "Ab diesem Moment war das mein Wagen."

Schicker im Pearls

Der "Gyros-Heiner" blieb, auch als 2007 die Diskothek nochmals eine neue Ära einläutete. Aus dem Arena-Park wurde das Pearls. Die Techno-Bässe verschwanden, die Black Beats wurden lauter. Es begannen die Zeiten der Glitzer-Shirts und weißen Hosen – das Pearls kam schicker daher als die beiden Vorgänger-Diskos. Das Pearls wollte auch Lounge sein. Alex Buchner (32) arbeitete mit Mitte 20 rund vier Jahre lang als Barkeeper im Pearls. Vor allem die Mittwoche mit den Black Beats und "DJ MC Hollywood" seien schon legendär gewesen, sagt er. Am meisten Nachfragen? "Die gab es sicher zu dem Cocktail namens Wilder Sex." Ein Cocktail mit Malibu und Wodka. Am meisten verkauft? "Wurde auf jeden Fall mit Abstand der Touch Down", erinnert sich Buchner.

Wenn die Menschen sehr großen Hunger hatten, kamen sie auch gerne schon einmal von der Tanzfläche direkt zum "Gyros-Heiner", um sich eine Portion zu gönnen. Bevor es wieder zurück in Disko ging, gab es übrigens noch einen Kaugummi. Heiner Kummert hatte drei verschiedene Sorten im Angebot. Die waren wohl auch nötig. "Ich habe ordentlich Knoblauch ins Zaziki", sagt der "Gyros-Heiner" und muss lachen. Die ersten zehn Jahre habe er immer Freitag und Samstag offen gehabt, zu Beginn auch sogar manchmal am Mittwoch. Doch im Laufe der Zeit entschloss er sich im Sommer am Samstag zu schließen. "Das hat sich nicht mehr rentiert", sagt er. Die Besucherinnen und Besucher wurden weniger.

Es war ein Trend, der vielen Großraumdiskotheken das wirtschaftliche Überleben immer schwerer machte. Der brechend volle untere Parkplatz neben der Schlörstraße, er war zu Pearls-Zeiten irgendwann nur noch eher Ausnahme als selbstverständlich. "Die Sommerpause wurde von Jahr zu Jahr früher eingeläutet", sagt Alex Buchner. Die Entwicklung war nicht mehr aufzuhalten. Im Januar verkündeten die Pearls-Macher das Aus via Facebook. "Es fällt uns unendlich schwer, diese Worte zu schreiben, aber nach 18 Jahren, tausenden Nächten und unzähligen Herzschlägen auf dem Dancefloor ist es Zeit: Das Pearls wird im April 2026 für immer seine Türen schließen." Das große Zeitalter der Nabburger Großraumdisko, das 1989 begann, ist nun beendet. Doch ein untrennbares Relikt dieser Zeit gibt es noch: den Imbiss-Wagen vom "Gyros-Heiner". Dieser wird zwar inzwischen nicht mehr von Heiner Kummert betrieben, aber es gibt immer noch Gyros – an genau diesem Ort. "Der Wagen hat sich 30 Jahre keinen Millimeter bewegt. Er hat die Diskos überlebt", sagt er.

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