Für die Familie aus der Region war es die erste Flugreise: Mama (45), Papa (50) und ihre 12, 10 und 8 Jahre alten Kinder haben heuer zum ersten Mal die beliebteste Urlaubsinsel der Deutschen besucht: Mallorca. Die Flughafen-Premiere werden die Fünf allerdings nicht so schnell vergessen. Schon zwei Stunden vor Abflug standen sie gepäckbeladen in der großen Halle am Albrecht-Dürer-Flughafen in Nürnberg. Doch der Flug nach Palma war annulliert. "Personalmangel hieß es zur Begründung", erzählt die Mutter. Die Familie verbrachte einen ganzen Tag unplanmäßig in Nürnberg. Der Ersatzflug ging in der folgenden Nacht um 3.30 Uhr. Kein Einzelfall, wie Bernhard Haas vom Reisebüro Wild in Nabburg bestätigt. "Ja, wir haben solche Fälle. Aber es ist nicht so schlimm, wie man im Privatfernsehen sieht", sagt er.
"Keiner ist mehr da"
Haas weiß von den Personalproblemen an den Flughäfen und bei den großen Reiseveranstaltern. "Alle leiden darunter." Ein Zustand, den auch Johann Schönberger vom Reisebüro Sonnenklar in Schwandorf beklagt. "Während der Corona-Pandemie haben manche Arbeitgeber scheinbar große Teile des Personals entlassen", sagt Schönberger. "Jetzt geht es wieder voll los und keiner ist mehr da." Vor allem in den großen Städten sei das ein Problem. "Da kann man mit 70 Prozent des Gehalts einfach nicht leben. Mich wundert es nicht, dass sich die Leute an den Flughäfen da andere Jobs gesucht haben." Auch bei den Reiseveranstaltern fehlten Mitarbeiter, das merkt Schönberger daran, dass wichtige Hotlines nur sehr schwach besetzt sind oder Kunden nicht über annullierte oder verschobene Flüge informiert werden. Dabei seien rechtzeitige Informationen in der gegenwärtigen Lage an den Airports das A und O.
Schönberger empfiehlt deswegen allen, die per Flugzeug verreisen, selbst aktiv zu werden und die zugesagten Reisetermine zu verifizieren. Das könne schon Tage vorher per Telefon oder Internet geschehen. Natürlich sei auch eine zeitige Anreise zum Flughafen sinnvoll. Urlauber, die in den vergangenen Tagen in Nürnberg gestartet oder gelandet sind, haben das mitbekommen. Mit rund 240.000 Passagieren hat der Airport in Franken in den Pfingstferien an das Vor-Pandemie-Niveau angeknüpft. Pressesprecher Christian Albrecht berichtet von rund 1800 Starts und Landungen in den beiden Ferienwochen. Die Fluglinien versuchen, die Touristen zu schonen. Wenn schon Flüge gestrichen werden müssen, dann Linienflüge auf den täglichen innerdeutschen Städterouten. Auch am Montag war dies der Fall: Die Ferienflieger hoben alle ab, annulliert waren nur die Flüge von Nürnberg nach Frankfurt um 6.10 und 18.50 Uhr und die Linie nach Wien um 19.40 Uhr.
Tipp: Erstausstattung im Handgepäck
Wenn ein Ferienflug gestrichen wird, können die Reisebüros in der Heimat nur vom Schreibtisch aus helfen, in der Regel sind sie ja nur Vermittler des Urlaubsangebots. Erster Ansprechpartner für Betroffene sind die Fluglinie und der Reiseveranstalter. Die Ansprechpartner dort kümmern sich normalerweise um eine Ersatzlösung und die Überbrückung der Wartezeit. "Wir raten deswegen eher zu einer Pauschalreise", erklärt Bernhard Haas. "Außerdem ist es immer sinnvoll, eine Erstausstattung im Handgepäck mitzunehmen." In den vergangenen Tagen sollen in Nürnberg mindestens drei Urlaubsflieger ohne das Gepäck der Passagiere gestartet sein. Die Koffer der fünfköpfigen Familie, die zum ersten Mal nach Mallorca flog, waren davon nicht betroffen. Wegen der Flug-Annullierung gab es einen Tag Sightseeing in Nürnberg und kostenlose Verpflegung in einem schicken Hotel. "Wir wollten ja ein Abenteuer erleben", sagt die Mama. "Und ein solches ist es dann auch geworden."
Aber es geht auch anders. Wie Petra Meixner vom gleichnamigen Reisebüro in Schwandorf berichtet, seien ihre Kunden nicht von Verspätungen oder Annullierungen beeinträchtigt. Auch Magdalena Demleitner (Reisebüro Koller, Oberviechtach) hat keine solche Rückmeldungen. Sie sieht anderes Ungemach für die Touristiker heraufziehen: Steigende Preise quer durch die gesamte Branche. "Für Familien mit Kindern wird das in den nächsten Monaten schwierig", sagt sie. Könnte gut sein, dass etliche Urlaubsträume nicht am Flughafen-Schalter, sondern vor den Kontoauszügen platzen.
Tipps der Verbraucherzentrale
- Entschädigung: Entscheidend für etwaige Ansprüche auf Ausgleichszahlung (eine pauschale Entschädigung) ist, wann der Fluggast über die Annullierung informiert wurden und ob die Fluggesellschaft einen Alternativflug mit Flugzeiten angeboten hat, die nur geringfügig von denen des annullierten Flugs abweichen.
- Betreuungsleistungen: Lehnt man einen angebotenen Ersatzflug ab und verlangt den Preis für den annullierten Flug zurück, verzichtet man dadurch auf seine Ansprüche auf Betreuungsleistungen.
- Dokumentation: Gibt es Probleme am Flughafen ist es wichtig, die Daten zu dokumentieren. Das können schriftliche Bestätigungen, aber auch Fotos von Situationen in den Warteschlangen oder Abfertigungshallen sein.
- Online-Hilfe: Mit der App der Verbraucherzentrale kann man seine Ansprüche kostenlos prüfen. Im App-Store nach "Flugärger-App" suchen.



















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