15.01.2020 - 16:48 Uhr
NabburgOberpfalz

Petition gegen Einkaufszentrum

Parkbank oder Supermarktregale? Harald Meier und seine Mitstreiter wollen die Streuobstwiese in Altstadtnähe erhalten und sammeln Unterschriften mittels der Online-Petition "Kein Handelszentrum im Krankenhauspark".

Die Initiatoren der Online-Petition wollen erreichen, dass die Stadt die Pläne für ein Einkaufszentrum im Krankenhauspark fallen lässt. Stattdessen sollen die alten Bäume und das Biotop erhalten bleiben.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

"Wir wollen das Handelszentrum auf diesem Standort stoppen", sagt Harald Meier. Der Niedermuracher arbeitet in Nabburg, hat dort Freunde und kennt das Gelände von Spaziergängen. "Es ist eine Sache die uns am Herzen liegt. Denn wir finden es nicht richtig, dass das Biotop-Mosaik geopfert werden soll und die Entscheidung dazu über die Bürger hinweg getroffen wurde." Er hat deshalb am 11. Januar die Petition "Kein Handelszentrum im Krankenhauspark" gestartet. Die "Unterschriften" werden bis 14. März über eine Online-Plattform gesammelt.

Alte Obstbaumsorten

Bereits zwei Tage später, am 13. Januar, hatten sich 55 Personen (davon 36 aus Nabburg und 95 Prozent aus dem Landkreis Schwandorf) gegen das Projekt ausgesprochen. "Die Rodung von gut zwei Dutzend uralter Obstbaumsorten, mächtiger Baumgestalten sowie Gehölzstrukturen, die Einebnung naturnaher Teiche sowie des gesamten Bachtales steht unmittelbar bevor", schreibt Harald Meier in einer Presseerklärung und betont: "Das innerstädtische Rückzugsgebiet für auch vom Aussterben bedrohte Tierarten steht damit kurz vor seinem Exitus." Er verweist auf die Aktion "Natur in der Stadt" des Bayerischen Staatsministeriums zum Erhalt der Artenvielfalt. "Diese lässt die Entscheidungsträger im Nabburger Rathaus offenbar kalt."

Meier ergänzt: "Im ehemaligen Krankenhauspark an der Regensburger Straße überdauerte ein vielfältiger Biotopkomplex sicher schon manch bedrängende Zeit. Im Rinnsal, so berichten immer wieder Anwohner, kommen Krebse vor. Genauso wie die immer wieder gesichteten Fledermäuse gehören sie zu den vom Aussterben bedrohten Tierarten in Bayern." Gehe es nach dem Wille der Stadtväter, seien deren Tage gezählt.

Meier verweist auch auf massive Auffüllungen und Geländenivellierungen: "Den Bürgern sollte es nicht egal sein, dass die hohen Erschließungskosten den sowieso schon immensen Schuldenstand der Stadt noch weiter steigern könnten", sagt Harald Meier im Gespräch mit der Redaktion. Die Initiatoren der Petition glauben, "dass es wesentlich bessere Alternativen - auch im räumlichen Umgriff um die bedrohte Fläche - für ein Handelszentrum gibt".

Rodung steht bevor

Die Online-Petition läuft bis 14. März 2020. Laut Meier dränge jedoch die Zeit. Denn er habe Informationen, dass die Rodung schon in etwa zwei Wochen starten soll. "Die Ratisbona GmbH hat auf meine Anfrage hin mitgeteilt, dass das Gelände betreten werden darf, um Edelreiser von den Obstbäumen zu entnehmen. Vielleicht können dadurch ja alte Sorten gesichert werden." Mit seiner Initiative will Harald Meier versuchen, "das nahezu Unabwendbare vielleicht doch noch abzuwenden". Meier wird die Liste an Bürgermeister Armin Schärtl überreichen.

Beteiligung und Infos: openpetition.de/petition/online/kein-handelszentrum-im-krankenhauspark

Vom Handels- zum Einkaufszentrum:

Der Stadtrat lehnt vor etlichen Jahren ein Handelszentrum für Nabburg in nichtöffentlicher Sitzung ab. Daraufhin bildet sich 2015 die Interessensgemeinschaft "IG pro Handelszentrum".

Januar 2016

Laut Bürgerentscheid soll ein Handelszentrum im Stadtosten (Autobahnnähe) entlang der Staatsstraße in Richtung Oberviechtach entstehen.

März 2017

Die Stadtratsmehrheit stellt die Bauleitplanung (gegen die Stimmen der CSU) ein. Grund: Das Projekt sei nicht genehmigungsfähig, da keine fußläufige Anbindung zur Stadt besteht.

September 2017

Die Stadt hat den ehemaligen Krankenhauspark im Stadtwesten (an der Regensburger Straße) erworben. Das zwei Hektar große Gelände soll der Ansiedlung eines Handelszentrums dienen.

Mai 2019

Der Stadtrat billigt einstimmig die Planungen der Ratisbona GmbH für das "Einkaufszentrum im Naabtal" und führt das Verfahren mit der frühzeitigen Bürger- und Behördenbeteiligung fort.

Dezember 2019

Der Bauausschuss leitet den Bauantrag mit dem gemeindlichen Einvernehmen ans Landratsamt weiter.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.