01.04.2020 - 14:44 Uhr
NabburgOberpfalz

Posaune online ganz persönlich

Falsche Töne hört Thorsten Willecke auch dann, wenn sie per Datenleitung an sein Ohr dringen. Der Instrumental-Pädagoge aus Stulln unterrichtet per Videoschaltung. Er ist erstaunt, was das mit Schülern und Kollegen macht.

Erst spielt Thorsten Willecke vor, dann ist sein Musikschüler an der Reihe. So funktioniert der Instrumental-Unterricht auch über Video.
von Monika Bugl Kontakt Profil

"Wenn man seine Schüler jetzt alleine lassen würde, wäre das für mich ein Armutszeugnis", dachte sich Thorsten Willecke. Der 31-Jährige aus Stulln ist Instrumental-Pädagoge und unterrichtet regelmäßig 20 bis 25 Schüler in Posaune, Trompete, Tuba und Bariton. Am Nabburger Gymnasium sorgt er dafür, dass der Big-Band-Nachwuchs reif für ein Konzert ist, auch in Lappersdorf und Neutraubling vertraut man seinen pädagogischen Fähigkeiten. Nicht zuletzt ist er Leiter der Musikschule in Weiden. Mit "Hausbesuchen" war schnell Schluss, als in der Oberpfalz die ersten Personen am Coronavirus erkrankten. Wie die regulären Schulen hat auch Willecke auf Online-Unterricht umgestellt.

Abstand vom Mikrofon

"Das läuft fast wie normaler Unterricht", erzählt der 31-Jährige, der inzwischen seinen Wohnsitz in Lappersdorf hat. Er hat ein Programm für ein Video-Telefon-System gefunden, das auch den Richtlinien des Datenschutzes entspricht und damit gute Erfahrungen gemacht. Das funktioniert mit PC, Tablet oder Smartphone. Das jeweilige Geräte sollte allerdings gut positioniert sein, und beim Vorspiel muss der Abstand passen. "Die Schüler sollten halt nicht direkt ins Mikrofon spielen", so die Erfahrung des Pädagogen. "Gerade die Trompete übersteuert sonst leicht, da kommt dann nur noch ein Krachen an."

Auch den Unterrichtsstil musste der 31-Jährige etwas umstellen. "Gemeinsam musizieren, das funktioniert nicht", hat er festgestellt. Also spielt der Lehrer vor, der Schüler macht es ihm nach. Willecke wählt dafür kleine Abschnitte, das ermöglicht genaueres Arbeiten. "Falsche Töne hört man im Regelfall ganz gut, das ist kein Problem", berichtet er. Allerdings sei es auch wichtig, dass beim Unterricht alle definitiv die gleichen Noten vor sich liegen haben. Im Zweifel lässt er sich das Blatt dann vor die Linse halten, um zu klären, ob es sich um eine andere Version oder eine eigene "Interpretation" des Schülers handelt.

"Wichtig ist auch, die Anweisungen klar zu kommunizieren und beispielsweise die Taktzahl zu benennen", erzählt der Pädagoge, nachdem er erkennen musste, dass die "letzte Phrase" für jeden etwas anderes bedeuten kann. Hin und wieder schickt er seinen Schülern auch ein Video mit Begleitinstrument für das Üben daheim.

Nicht ganz so optimal läuft es beim Klavierunterricht, wo die Lehrer ganz gerne nicht nur die Noten der Schüler sondern auch die Finger auf den Tasten im Blick haben wollen. Zusätzlich soll das Aufnahmegerät auch noch den Klang gut wiedergeben. Auch die Gesangslehrer sind etwas eingeschränkt: Sie müssen sich damit abfinden, dass ein Duett technisch aktuell kaum vernünftig machbar ist.

Abwechslung motiviert

Dafür zeichnen sich Vorteile ab, was die Motivation der Schüler betrifft. "Mittlerweile sind die meisten recht fleißig und haben viel Spaß an ihrem Instrument", resümiert Willecke. Hat sich durch die Ausgangsbeschränkung die Übungsmoral gebessert? "Für viele ist das Instrument eine willkommene Abwechslung im Alltag", bestätigt er und hofft darauf, dass die Coronakrise den Stellenwert des Musizierens nachhaltig hebt. "Gerade in Zeiten wie diesen sollte man auf schöne Dinge nicht verzichten", meint der Pädagoge.

Nur ein paar seiner Schüler wollen für den Unterricht nicht online gehen und bis nach den Osterferien abwarten, vor allem die älteren, nicht so technikaffinen.

"Auch die Lehrer haben große Augen bekommen, als es um den Online-Unterricht ging und sie gezwungen waren, sich damit auseinanderzusetzen", hat Willecke als Leiter der Weidener Musikschule festgestellt. "Einen Tag später waren sie total begeistert." Für viele sei die neue Methode nun ein Plus. "Einige unterrichten sogar übers Telefon, und es macht richtig Spaß." Für sie alle hat der Instrumental-Pädagoge inzwischen auch Tipps aus dem Internet gesammelt, alle zwei Wochen gibt es einen Austausch.

Auf Dauer kein Ersatz

"Interessanterweise haben auch viele mir bekannte Instrumental-Pädagogen gesagt, dass die Unterrichtsstunden trotz der höheren Distanz sogar persönlicher geworden sind", sagt der 31-Jährige und schließt sich dieser Meinung an. "Für mich ist auch die zwischenmenschliche Beziehung von Schüler und Lehrer elementar für einen erfolgreichen Unterricht", überlegt er. Obwohl die Online-Wissensvermittlung besser funktioniert als ursprünglich gedacht, sieht er darin aber auf Dauer kein Ersatz für den "normalen" Unterricht.

Ich finde gerade in Zeiten wie diesen sollte man auf schöne Dinge nicht verzichten. Das Spielen und Lernen eines Instrumentes gehört für viele dazu.

Thorsten Willecke

Thorsten Willecke

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