21.06.2019 - 15:23 Uhr
NabburgOberpfalz

Richter kann keinen Polizei-Irrtum erkennen

Alles ein großer Irrtum, beklagt der Mann aus Weiden. Ausgelöst von zwei Polizisten, denen es seiner Meinung nach nicht in den Kopf wollte, dass er völlig unschuldig in eine Kontrolle geraten sei. Der Richter glaubt dem 41-Jährigen nicht.

Der Richter glaubt der Polizei, nicht dem Angeklagten.
von Autor HWOProfil

Zwei Nabburger Uniformierte waren letztes Jahr im Mai auf Nachtstreife unterwegs. Unweit der Autobahnausfahrt am östlichen Stadtrand kam ihnen ein Wagen entgegen, der wegen seines Schlingerkurses fast die gesamte Straßenbreite brauchte. Die Polizisten wendeten, setzten zur Verfolgung an und stoppten das Fahrzeug nach wenigen hundert Metern.

Vor den Augen der Polizisten geschah Seltsames. Der Fahrer sprang heraus und wechselte auf die andere Autoseite. Seine Beifahrerin agierte auf gleiche Weise und entschwand für eine Weile. "Der da ist gefahren", sagte jetzt einer der Ordnungshüter und deutete auf den Angeklagten.

"Und wie ging's weiter?", wollte Amtsrichter Thomas Heydn wissen. Blutentnahmen ergaben, dass der 41-Jährige erheblich unter Drogeneinfluss stand, auch dem Alkohol zugesprochen hatte und seit längerer Zeit keinen Führerschein mehr besaß. Klare Sache also? Der Mann aus Weiden, angereist mit nahezu zwei Dutzend Vorstrafen im Gepäck, hatte seine ganz eigene Erklärung zu der um 2.30 Uhr morgens geschehenen Episode. Sie sah so aus: Plötzlich am Abend zuvor höllische Schmerzen im Rücken. Also Fahrt mit seiner Lebensgefährtin zur Notaufnahme einer Klinik im Raum Schwandorf. Sie am Steuer, er als sich krümmender Patient am Rücksitz. Nach der Behandlung wegen eines Bandscheibenvorfalls zwei Schmerztabletten und Rückfahrt nach Weiden. Wieder mit der Partnerin am Steuer. Er neben ihr. Und dann das: "Wir sind in Nabburg von der Autobahn gefahren, weil sie einen Schwächeanfall hatte." Die Frau habe sich kurz danach übergeben müssen, sei dazu ausgestiegen. Keinerlei Fahrerwechsel also. Alles von den Polizisten schlichtweg falsch wiedergegeben.

Die den Beschuldigten belastenden Aussagen der Uniformierten deckten sich. Hinzu kam, dass der 41-Jährige als Drogenkonsument und -händler seit vielen Jahren immer wieder die Justiz beschäftigt hatte und sich dafür lange Zeit im Knast befand. Außerdem, so vernahm Richter Heydn, sollen schon wieder Verfahren gegen ihn laufen.

"Sie haben nichts gelernt", schrieb Staatsanwältin Franziska Paintner dem Angeklagten ins Stammbuch und verlangte sieben Monate Haft ohne Bewährung. Diesem Antrag schloss sich Richter Heydn im Urteil an und verhängte außerdem zwei weitere Jahre Führerscheinsperre. "Sie saßen am Steuer", war er überzeugt. Doch das Urteil will der Weidener nun mit einer Berufung beim Landgericht Amberg überprüfen lassen.

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