21.05.2019 - 11:07 Uhr
NabburgOberpfalz

Wie ein Ritt auf der Rasierklinge

Nicht bezahltes Hundefutter kann zu einer langen Gefängnisstrafe führen. Das zeigt ein Berufungsprozess.

Der Angeklagte möchte die Berufung nicht zurücknehmen. Deswegen müssen weitere Zeugen in den Gerichtssaal kommen.
von Autor HWOProfil

Der Mann ist Tierfreund und hat zwei größere Hunde. "Muss man sich die unbedingt halten, wenn kein Geld für Futter da ist?", fragt der Richter. Genau darum geht es in einem Prozess, an dessen Ende für den 27-jährigen Angeklagten ein längerer Gefängnisaufenthalt stehen könnte.

Eigentlich war es keine größere Angelegenheit: Der Beschuldigte hatte zwei größere Futterpakete für seine Vierbeiner über Internet bestellt und die 400 Euro nicht bezahlt. Vom Amtsgericht Schwandorf bekam er für diesen Betrug heuer im Januar sieben Monate Haft ohne Bewährung. Auf den ersten Blick erscheint das schon als heftig. Doch es gab bereits eine einschlägige Vorahndung aus Cham. Dort waren zuvor wegen zahlreicher anderer Betrugsdelikte 16 Monate mit Bewährung verhängt worden.

Ein Ritt auf der Rasierklinge war es also, der nun eineinhalb Stunden lang bei einer Berufungsverhandlung vor dem Amberger Landgericht stattfand. Dort argumentierte der 27-Jährige jetzt: "Ich hätte das Hundefutter ja bezahlen wollen." Dann aber sei plötzlich kein Unterstützungsgeld vom Jobcenter gekommen, und auch seine um Finanzhilfe gebetene Mutter habe ihm nichts geben können. Dumm gelaufen also und ohne betrügerische Absicht, könnte man meinen.

Der im östlichen Landkreis wohnende Mann hat neuerdings einen festen Arbeitsplatz. Er will seine aufgelaufenen Schulden in Raten abzahlen (der Richter: "Das wird sehr lange dauern") und möchte aus Gründen seiner Existenz nicht hinter Gitter. Zumal dann sein eben erst angetretener Job bereits der Vergangenheit angehören würde. Die Dritte Strafkammer unter Vorsitz von Peter Hollweck zog sich zu längerer Beratung zurück. Dann teilte Hollweck mit: "Für eine neuerliche Bewährung sehen wir kaum Möglichkeiten." Der Richter signalisierte im Gegenteil ein höhere Strafe als die in Schwandorf verhängten sieben Monate und riet zur Rücknahme der Berufung. "Das wird mein Mandant nicht machen", konterte der Verteidiger Heinz Ettl aus Schwandorf.

Damit geht die Causa "Hundefutter" in eine weitere Runde. Denn nun sollen noch zwei Zeugen kommen. Doch schon aus momentaner Sicht war zu erkennen: Die Chancen des 27-Jährigen stehen ganz schlecht. Er müsste bei einer Verurteilung damit rechnen, dass auch die 16 Monate zur Bewährung aus einer Vorverurteilung widerrufen würden. Dann müsste er sogar über zwei Jahre hinter Gitter gehen.

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