Vor den Schülern des Beruflichen Schulzentrums erläutert Michael Buschheuer seine Beweggründe und blickt schonungslos hinter die Kulissen. Wenn er vor rund 200 Berufsschülern steht und seine Geschichte erzählt, wirkt er ganz unaufgeregt und gelassen. Niemand kann in diesem Augenblick erahnen, zu welch großer Leistung dieser Mann fähig war und das nur, weil er es als seine humanitäre Pflicht ansah.
Fernab der Urlaubsorte
"Wer handlungsfähig ist, trägt auch Verantwortung zum Helfen" ist für Buschheuer ein unumstößlicher Grundsatz. Mit eindringlichen Worten holte er die jungen Leute ab in Nabburg und nahm sie mit ans Mittelmeer. Aber nicht zu den Orten wo man gewöhnlich Urlaub macht, sondern an die Küste Libyens, wo angeschwemmte Ertrunkene zum alltäglichen Bild gehören. Diese Bilder waren es auch, die den gelernten Maler und Lackierer aus Mallersdorf 2015 dazu veranlassten, die menschliche Tragödie nicht länger tatenlos mit anzusehen. Nachdem im Jahr 2014 die italienische Regierung auf Druck der europäischen Staaten die "Operation Mare Nostrum" eingestellt hat -die 150 000 Menschen vor dem Ertrinken bewahrte - war niemand mehr unterwegs, um sich um Schiffbrüchige zu kümmern. Von da an wusste Buschheuer, dass er handeln musste - und gründete die Seenotrettung "Sea-Eye", die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Schiffbrüchige vor der Libyschen Küste zu suchen und zu retten. "Dies wäre zwar die Pflicht aller Staaten, doch diese hatten nur Interesse am Schutz ihrer Grenzen, nicht am Schicksal der Flüchtlinge."
Die "Mission Sophia", in der seit 2015 neun europäische Nationen Schiffe zur Sicherung der Grenzen im Mittelmeer positionieren, haben keinen Auftrag "zur Suche und Rettung". Was mit einer kleinen Gruppe und einem Fischkutter begann, ist mittlerweile zu einer Organisation mit über 1000 Mitgliedern angewachsen. Oft sei Sea-Eye mit dem Vorwurf konfrontiert worden: "Ihr Helfer seid schuld am Drama. Nur wegen euch wagen viele die Flucht."
Flucht der einzige Ausweg
Dass dem nicht so sei, zeigte Michael Buschheuer am Beispiel Libyscher Gefangenenlager, die sogar vom deutschen Außenministerium mit Konzentrationslagern verglichen wurden. Die Menschen hätten keine andere Wahl als zu fliehen, wenn sie ihr Leben retten wollen. In den zwei Jahre, in denen "Sea-Eye" vor der Küste Libyens Ertrinkende aus dem Wasser zog, konnten 13 348 Menschenleben gerettet werden. Dann wurde es für Schiff und Besatzung zu gefährlich, die Rettung weiter fortzusetzen. Aber noch immer ertrinken tausende Menschen auf ihrer gefährlichen Flucht über das Mittelmeer. "Die humanitäre Katastrophe findet jetzt im Verborgenen statt", kritisiert der Referent.
Aus diesem Grund wurde als neue Organisation "Space-Eye" gegründet. Damit wird per Satellit die Mittelmeerküste überwacht, Ausschau nach Flüchtlingsbooten gehalten und Hilfe herbei gerufen. "Space-Eye" dokumentiert menschliche Tragödien und deckt Verbrechen gegen die Menschlichkeit auf. Für seine Zivilcourage wurde Michael Buschheuer mit dem Georg-Elser-Preis 2019 ausgezeichnet.
Die Veranstaltung am Beruflichen Schulzentrum in Nabburg wurde vom Jugendmigrationsdienst (JMD) Regensburg organisiert. Der JMD begleitet junge Menschen mit Migrationshintergrund mit individuellen Angeboten und professioneller Beratung bei ihrem schulischen, beruflichen und sozialen Integrationsprozess in Deutschland. Der JMD fordert bundesweit Respekt, Toleranz und den Abbau von Vorurteilen an Schulen.















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