Nabburg
23.02.2026 - 13:41 Uhr

Sennerin und Siegerin in der Landfrauenküche: Martina Fischers Lebensrezepte

Für ein Sennerleben auf der Alm werden sich die meisten Landfrauen kaum entscheiden. Doch was Sennerin und Autorin Martina Fischer zu sagen hat, ist mehr als Bergromantik: Frauen sollen Mut haben, Machen und sich wertschätzen.

Über eine "proppenvolle" Nordgauhalle mit weit über 600 Teilnehmerinnen freut sich Kreisbäuerin Sabine Schindler, schick im auberginefarbenen Dirndl. Sie alle wollen Martina Fischer kennenlernen, Sennerin, Autorin und Siegerin in der BR-Landfrauenküche 2023. Ihre geerdeten Geschichten und ihre Lebensphilosophien bereichern den Landfrauentag.

Die Vorstandschaft der Landfrauen – über 2000 Betriebe gibt es im Landkreis Schwandorf – hat ein Händchen für die richtige Mischung. Hobbykünstlerstände im Foyer, ein Buffet in der Halle: Über 65 Kuchen und Torten sind gebacken worden. "Es ist bummvoll. 600 Frauen plus und einige Männer, dazu fünf Tische gefüllt mit allen, die im Landkreis wichtig sind und uns in unserer Arbeit unterstützen." Das gefällt der quirligen Kreisbäuerin. Gekommen sind Politiker, Bürgermeister, Vertreter landwirtschaftlicher Partnerorganisationen und Banker. "Auf dem Hof, auf dem Dorf halt ma zamm und packen an. Wir leben Demokratie im Alltag", betont Schindler. Das müsse sich auch in der Kommunalpolitik niederschlagen. "Kita, Schule, Pflege, Verein und Straßen, die zu uns führen: Wir bauchen Menschen auf der Entscheidungsebene, die unsere Lebensrealität kennen." Am 8. März sei Kommunalwahl und zugleich Weltfrauentag. Es sollte ein "Wählfrauentag" werden. Bezirksbäuerin Rita Götz richtet den Blick auf das weltweite UN-Jahr 2026 der Landfrauen, das ihre Leistung auf den Höfen sichtbar machen soll.

Das Wörtchen "Aber"

Nach Grußworten von MdB Martina Englhardt-Kopf, Landrat Thomas Ebeling und Bürgermeister Frank Zeitler betritt Martina Fischer die Bühne. Zierlich, schlank, witzig. Im Chiemgau auf einem Hof aufgewachsen, weiß die 53-jährige gelernte Krankenschwester, was Hofarbeit bedeutet. Dann wird sie durch einen Unfall ausgeknockt und erkennt: "Das Rad dreht sich weiter wie bisher, auch ohne mich." Sie beschließt ihren Wunsch vom Sennerleben zu verwirklichen. Daraus werden zwölf Sommer-Aufenthalte auf verschiedenen Almen, jetzt mit Partner Andy. Fischer zeigt idyllische Bilder, aber Arbeitsszenen überwiegen. Sie liebt dieses harte, genügsame Leben. Dann begleitet sie 2018 der BR ein Jahr auf der Alm, animiert sie zum Schreiben. Die Bücher entstehen im Winter im Tal – über die Alm, über Wildkräuter. Die Expertin bietet Kurse an. "Wenn man aus der Komfortzone raustritt, tun sich neue Türen auf." Sie realisiert ihre Träume. Ihnen stehe nämlich nur eins entgegen, das Wort "Aber". Es liege an jedem selbst, seine Talente zu entwickeln.

Fischer schildert lebhaft ihr Almleben mit Milchkühen, Ziegen, Pferden, Hühnern und Schweinen. Das heißt um 5.30 Uhr aufstehen, Kühe versorgen, Milchgeschirr waschen, Butter modeln, Stall putzen, Käsen, Brotteig machen, Vieh zählen, Arbeiten auf der Weide erledigen. Fischer schätzt es, "dass auf der Alm die Uhr keinen Wert hat". Alles richtet sich nach dem Wetter und den Tieren. "Ich bin im Augenblick, erst dann kommt die nächste Aufgabe." Büroarbeit, Zeitdruck, gleichzeitig viele Sachen im Kopf haben, "das ist es, was den Menschen kaputt macht".

"Es muss mich nicht jeder lieben"

Fischer spart nicht mit lustigen Episoden. Mit den Schweinen Max und Otto im Hundegeschirr geht sie am Dorfrand spazieren, um sie an Wiesen zu gewöhnen. Als an einem Schlachttag der Metzger nicht auf die Alm kommen kann, werden die Schweine friedlich grunzend ins Dorf gebracht, ohne Stressfaktor, dafür mit Starkbier und Jägermeister. Fischer liebt ihre Goißn: "Sie sind unerziehbar und verstellen sich nicht." So lebt auch sie: "Ich sage ehrlich, was ich denke. Es muss mich nicht jeder lieben. Traut euch so zu sein, wie ihr seid." Ein Schlenker zu den Wildkräutern: Da "der Mensch nicht zur Askese geboren ist", rät sie augenzwinkernd zu Bergoregano in selbstgedrehten Zigaretten. Das sei gut für Lunge und Atemwege. Und wenn man Schafgarbe kaut, bis sie bitter schmeckt und in die Backe schiebt, reinigt das die Leber. "Dann kann man abends auch einen Schoppen Wein trinken."

Abends wird es still auf der Alm, Zeit zum Nachdenken. Martina Fischer hat mehr Vertrauen ins Leben bekommen, auch erfahren, "dass einem zur rechten Zeit auch die richtigen Menschen zugespielt werden". Sie hat gelernt, sich selbst zu genügen, "statt immer am Anschlag zu sein". Nach einem gutem Tag "kann man sich selbst auf die Schulter klopfen. Das ist der Zwetschgendatschi. Wenn dann auch noch ein Lob kommt, ist es das Sahnehäubchen". Jeder brauche Wertschätzung, "aber nicht um jeden Preis". Die Stille sei wichtig "um alles verdauen zu können", statt sich ständig im Rad zu drehen, "bis die Sicherung durchbrennt".

Von der Alm dann aufs Tanzparkett: Die "East Ende Stompers" machen beim Landfrauentag Lust auf Linedance. Eine Bereicherung ist der Landfrauenchor. "Wie die Zeit vergeht" ist ebenso im Repertoire wie "Sierra Madre" und der Wunsch "Have a Nice Day".

Hintergrund:

Martina Fischer: Sennerin und Autorin

  • Schwerpunkte: Seit 2011 Almaufenhalte in den oberbayerischen Alpen. Bücher über das Leben auf der Alm und Wildkräuter, Lesungen, Vorträge, Workshops.
  • Landfrauenküche: 2023 Teilnahme an der Jubiläumsstaffel der BR–Landfrauenküche. Fischers Wildkräuter-basiertes 3-Gänge-Menü wurde zum Siegermenü gekürt.
 
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