05.03.2019 - 14:47 Uhr
NabburgOberpfalz

Smarter shoppen spart Müll

220 Kilogramm: So schwer ist der Verpackungsmüll, den ein Mensch pro Jahr produziert. Eine "Diät" ist da überfällig. Wer mit Hauswirtschaftdirektorin Elisabeth Beer einkauft, kann nicht nur Plastik sparen.

Umweltfreundlich einkaufen: Hauswirtschaftsdirektorin Elisabeth Beer (rechts) ist beeindruckt vom Gemüsestand in Nabburg, wo am Donnerstagnachmittag Karotten und Kraut ganz ohne Plastik direkt im Einkaufskorb landen. Das ist vielen Kunden von Verkäuferin Christine Hoch wichtig.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Smarte Verpackungen sind schon seit geraumer Zeit im Visier der Politiker. "Das mit den Plastiktüten hat ja schon ganz gut funktioniert", sagt Elisabeth Beer, Hauswirtschaftsdirektorin am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Nabburg. In dieser Rolle ist sie nah dran an innovativen Ideen für einen umweltfreundlichen Einkauf. Wer mit ihr durch die Regale eines Nabburger Supermarkts schlendert, kann viel lernen. Immerhin hat sie auch noch einen Leitfaden des Triesdorfer Kompetenzzentrums im Hinterkopf, perfekt in Hinblick auf den Welttag der Hauswirtschaft am 21. März. "Kreativ und ideenreich für eine nachhaltige Entwicklung" lautet hier in diesem Jahr das Motto.

Erste Station im Supermarkt ist meistens die Gemüseabteilung. Dort wartet schon die erste Überraschung - nicht nur weil hier die Bio-Zucchini mit einer schlichten Banderole aus Papier auskommen. Leicht zu übersehen ist das Angebot an wiederverwertbaren weißen Netzen, die bei Rewe schon seit geraumer Zeit eine Alternative für Plastik bieten. "Das ist mir noch gar nicht aufgefallen", gesteht Beer. Lob gibt es für Zitronen, die ganz ohne Drumherum erhältlich sind. "Der Chinakohl würde aber auch ohne Folie auskommen", stellt die Fachfrau fest und deutet auf den hüllenlosen Grünkohl nebenan. "Natural Branding", eine Laser-Methode, um Gemüse mit einer Art Prägung zu versehen, gibt ist an diesem Tag hier nicht zu entdecken.

Wer am Donnerstagnachmittag über den Bahnübergang in Nabburg zum Einkaufen fährt, hat diese Probleme gar nicht. Dort gibt es Gemüse direkt vom Stand der Bio-Gärtnerei Steinhilber, in Zeitungspapier eingewickelt oder direkt in den Einkaufskorb.

Eine Sache von Minuten

Doch weiter geht es beim Discounter zu den überwiegend in Plastik verpackten Backwaren und Kühlreihen voller Käse- und Wurstaufschnitt. "Da hilft eigentlich nur der Einkauf beim örtlichen Bäcker, Metzger oder Direktvermarkter", rät die Expertin. Und mit Blick auf Fertiggerichte stellt sie fest: "Wenn man nur ein bisschen Zeit ins Kochen oder Schnippeln investiert, kann man ganz viel für die Umwelt tun." Ihr Blick fällt auf den kleinen Salat, der eigentlich nur aus Dosenmais und geraspelter Karotte besteht. "Das kann man doch ganz leicht selber machen."

Gar nicht so schlechte Noten kriegt beim Rundgang der Verbundkarton, der laut Umweltbundesamt bei Getränkeverpackungen energetisch am besten abschneidet. "Ausschlaggebend ist dafür das geringe Gewicht, das beim Transport eine Rolle spielt", erläutert die Fachfrau, die selbst auch bei Milch diese Lösung wählt. Aber Haferflocken in Zellophan? "Das muss nicht sein, die gibt es auch in Papiertüten", zeigt Beer Alternativen auf. Bei den Reinigungsmitteln geht die Empfehlung in Richtung Konzentrat und weg von Flüssigseife.

Manchmal lässt sich beim umweltfreundlichen Einkauf als Nebeneffekt auch noch sparen: "Was ist denn schon drin in einem Pfannkuchenteig aus der Plastikflasche?", überlegt die Fachfrau und gibt die Antwort: "Eigentlich ist vieles nur eben mal genau abgewogen." Schnell findet sie den Nockerlgries mit den drei Portionsbeuteln in Zellophan, der in Gramm umgerechnet auch noch viel teurer ist als der gleichwertige Hartweizengries im Karton.

Online meiden

Ein Verpackungs-Schwergewicht aber lauert ganz woanders. "Am schädlichsten ist der Online-Einkauf", weiß Elisabeth Beer. "Da wird sogar unempfindliche Kleidung mehrfach in Plastik eingepackt." Eine Devise überstrahlt deshalb für sie viele kleine Tipps im Kampf gegen Plastik und Co: "Wir müssen uns viel mehr regional versorgen."

Müll sparen beim Einkauf: Dazu gibt es jede Menge praktischer Tipps vom Kompetenzzentrum Hauswirtschaft.
Info:

Tipps für umweltfreundlichen Einkauf

Das Kompetenzzentrum Hauswirtschaft hat den Energieverbrauch von Verpackungsmaterial unter die Lupe genommen: Am schlechtesten schneidet dabei Aluminium ab, gefolgt von PET, Polystyrol, Polyethylen, Papier, Karton, Stahl und Glas. Allerdings wird Glas beispielsweise unrentabler, je weiter es transportiert wird. Für Wasser als Durstlöscher ist deshalb eindeutig das Leitungswasser die umweltfreundlichste Alternative. Verbundkarton schneidet besser ab als Einwegflaschen, von Kaffeeautomaten mit Kapseln wird abgeraten. Die Brottüte kann durch ein waschbares Baumwollsäckchen ersetzt werden. Plastik bei Fleisch und Wurst kann man sich durch Behälter sparen, die aus Hygiene-Gründen nur auf der Theke oder über ein Tablett befüllt werden. Ratsam sind: lose Ware, größere Gebinde, Nachfüllpackungen, Taschentücher im Kartonspender, Joghurt im Pfandglas (erst ab 500 Gramm sinnvoll) Brotzeit in der mitgebrachten Box, Seifenstücke statt Flüssigseife, Konzentrate bei Reinigungsmitteln und der Verzicht auf Fertiggerichte. Aber auch bei Bekleidung lässt sich etwas tun: "Upcycling ist in", meldet das Kompetenzzentrum und rät außerdem zum Tausch auf Gebrauchtwarenmärkten. Außerdem gibt es in München und Nürnberg sognannte "Unverpackt-Läden", in denen gar keine Verpackung anfällt.

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